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Porzellanhersteller : Waterford Wedgwood vor dem Aus

Waterford Wedgwood: Sprung im Konzern Bild: AP

Es war eine Rennen gegen die Zeit, das nun fast verloren scheint: Mehrere Tochtergesellschaften des irischen Luxusgüterhersteller Waterford Wedgwood wurden am Montag unter Insolvenzverwaltung gestellt.

          „Es ist nicht vorbei, bevor die dicke Dame nicht gesungen hat“, pflegt man im Englischen zu sagen, wenn eine Sache hoffnungslos erscheint, aber noch nicht gelaufen ist. Beim irischen Luxusgüterhersteller Waterford Wedgwood scheint die letzte Arie nun begonnen zu haben.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mehrere Tochtergesellschaften in Großbritannien und Irland seien unter Insolvenzverwaltung gestellt worden, teilte das Unternehmen am Montag in Dublin mit. Der Handel mit den Aktien von Waterford Wedgewood wurde an der Börse der irischen Hauptstadt ausgesetzt, der Kurs der am 1. Dezember 2010 fälligen Anleihe fiel auf 4,5 Prozent.

          Rennen verloren

          Das ist nicht das Kurstief, das mit 4,8 Prozent Mitte Dezember erreicht wurde, als das Unternehmen seine Aktien von der Londoner Börse nahm, nachdem es die fälligen Zinsen auf die Anleihe im Volumen von 166 Millionen Euro nicht angewiesen hatte. Zudem hat das Unternehmen auch andere Kreditbedingungen verletzt.

          Seitdem hatte sich der Kurs wieder etwas erholt, weil die Rettungsgespräche voranzugehen schienen. Kreditgeber hatten die am 12. Dezember gewährten Stundungsfristen kurz vor Weihnachten verlängert, ein amerikanischer Privat-Equity-Fonds sei interessiert, hieß es nach den Festtagen.

          Sogar Details waren durchgesickert: die Investoren sollten 400 Millionen Euro an Schulden übernehmen und 200 Millionen Euro in das Unternehmen einschießen. Schon seinerzeit aber hieß es: „Es ist ein Rennen gegen die Zeit“. Das ging zunächst verloren, als Waterford Wedgwood am vergangenen Freitag Tilgungsraten auf Kredite nicht zurückzahlen konnte.

          Noch hat die dicke Dame nicht fertig gesungen

          Vorstandsvorsitzender David Sculley äußerte sich gegenüber der britischen Times „enttäuscht, aber optimistisch“. Man werde einen Käufer für die insolventen Tochtergesellschaften zu finden. Indes dürfte selbst das nicht alle 7.700 Arbeitsplätze weltweit retten, so ein Firmensprecher.

          Nach den jüngsten Geschäftszahlen waren die Erlöse in dem im Oktober zu Ende gegangenen Halbjahr um 15,4 Prozent gefallen, während die Verluste um 26 Prozent auf 63,2 Millionen Euro angestiegen waren. Der Konzern hatte vor allem auf seinem Hauptmarkt in den Vereinigten Staaten massive Umsatzeinbrüche verzeichnet.

          Den letzten operativen Gewinn hatte Waterford Wedgwood im März 2004 verbucht, den letzten Reingewinn im Jahr davor. Nur noch die Großaktionäre Anthony O'Reilly und sein Schwager Peter Goulandris hielten das Unternehmen über Wasser, indem sie insgesamt 400 Millionen Euro in das Unternehmen steckten. Dennoch betrug die Nettoverschuldung zuletzt 449 Millionen Euro. Zuletzt geriet Anthony O'Reilly selbst in Bedrängnis, da auch sein Verlag Independent News & Media Schulden von 1,4 Milliarden Euro aufgehäuft hat.

          Die Anleihe wird für spekulative Investoren auf dem derzeitigen Niveau wieder interessant. Denn die Rating-Agentur Moody's beziffert die Ausfallhöhe auf 77 Prozent. Erhalten die Gläubiger tatsächlich 20 Prozent ihrer nominellen Forderung zurück, so ergibt sich zwar keine Rendite in Höher der nominellen 660 Prozent, mit denen die Rente derzeit gehandelt wird.

          Doch wären dies knapp 120 Prozent bei termingerechter Tilgung, auch ohne weitere Zinszahlungen. Auch wenn sich die Befriedigung der Ansprüche noch um Jahre hinaus verzögert, ergibt sich noch eine ansehnliche Rendite. Ein Verlust ist zwar nicht ausgeschlossen, hielte sich aber angesichts des niedrigen Kursniveaus in Grenzen.

          Neue Schwierigkeiten für Rosenthal?

          Gut sind die Nachrichten auch nicht für die deutsche Tochter Rosenthal, die seit Juni zum Verkauf steht. Mitte Dezember hieß es schon, die Gespräche mit einem neuen Investor befänden sich in der Abschlussphase. Doch der in Branchenkreisen noch vor Weihnachten erwartete Verkauf lässt weiter auf sich warten.

          Auch Rosenthal braucht dringend Geld. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2008/09 sank der Umsatz um fast sechs Prozent auf 71 Millionen Euro, der operative Verlust betrug 7,2 Millionen, der Reinverlust gar 10,5 Millionen Euro. Damit droht ein weiteres schweres Jahr, nachdem Rosenthal das Vorjahr mit einem Verlust von 23 Millionen Euro abgeschlossen hatte. Seit 2001 gehen die Erlöse in der Tendenz zurück.

          Die zahlreichen Verlustjahre und die seit Jahren anhaltenden Mittelabflüsse aus dem operativen Geschäft haben mittlerweile das Eigenkapital des Konzerns vollständig aufgezehrt, das Rosenthal zuletzt mit minus 1,2 Millionen Euro auswies.

          Ob die neue Entwicklung bei Waterford Wedgwood den Verkauf gefährdet oder erschwert ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen. Positiv beeinflussen wird es ihn indes nicht. Rosenthal will umgehend mit dem Insolvenzverwalter des Mutterkonzerns Kontakt aufnehmen, um die Weiterführung des Unternehmens sicher zu stellen, teilte das Unternehmen in Selb am Montagnachmittag mit. „Die Gespräche mit einem potenten Investor über den Verkauf von Rosenthal befinden sich in einem fortgeschrittenen Zustand und werden weiter geführt.“

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