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Politik der Notenbanken : Die Welle der Anleihenkäufe

  • -Aktualisiert am

Als Nächstes könnte die Bank von Japan ihr Programm aufstocken. Der hohe Außenwert des Yen belastet die exportorientierte Wirtschaft Bild: REUTERS

Die Entscheidung der amerikanischen Fed, noch mehr Staatsanleihen zu kaufen, verstärkt einen weltweiten Trend. Die Wirkung ist umstritten, da die Unternehmen die günstigen Konditionen nicht für Investitionen nutzen.

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          In Japan hat die Ausweitung des Kaufprogramms der amerikanischen Fed den Druck auf die Bank von Japan erhöht, in der kommenden Woche ihre Geldpolitik noch weiter zu lockern. Da der Dollar am Freitag gegenüber dem Yen auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten gefallen ist, hat der japanische Finanzminister Jun Azumi mit Interventionen auf den Devisenmärkten gedroht.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Er bezeichnete die Aufwertung des Yen als einseitig und nicht durch die Wirtschaftslage begründet. „Ich schließe keine Schritte aus und werde entschlossene Maßnahmen ergreifen, wenn es erforderlich ist“, sagte der Minister. Der hohe Außenwert des Yen belastet die exportorientierte Wirtschaft Japans. Zugleich erhöhte Azumi den Druck auf die japanische Notenbank und forderte sie auf, „angemessene Schritt zur richtigen Zeit“. Die Bank von Japan wird am Dienstag und Mittwoch beraten. An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die Bank dem amerikanischen Vorbild folgen und ihre Geldpolitik weiter lockern wird.

          Die Notenbank sieht Spielraum

          Dabei wächst in der Bank die Sorge, dass der verstärkte Ankauf von Staatsanleihen durch die Notenbank von den Finanzmärkten zunehmend als Staatsfinanzierung gewertet wird. Vor allem Notenbankchef Masaaki Shirakawa befürchtet, dass die Bank an Glaubwürdigkeit verliert. „Vor dem Hintergrund, dass die Käufe von Staatsanleihen ein signifikant großes Volumen annehmen, sollte eine gebührende Aufmerksamkeit darauf gelenkt werden, dass die mächtige geldpolitische Lockerung nicht als Staatsfinanzierung verstanden wird“, warnte ein Ratsmitglied vor kurzem.

          Vor gut einem Monat, am 10. August, hatte die Bank bei ihren Anleihekäufen die Grenze überschritten, die sie sich mit ihrer „Banknotenregel“ selbst gesetzt hat. Nach dieser Regel darf das Volumen der von der Bank gehaltenen Staatsanleihen das der umlaufenden Banknoten nicht übersteigen. Am 10. August waren in Japan Banknoten im Wert von 80,79 Billionen Yen (840 Milliarden Euro) im Umlauf. Am selben Tag hielt die Bank Staatsanleihen im Wert von 81 Billionen Yen. Jährlich kauft die Bank von Japan Staatsanleihen im Wert von 22 Billionen Yen. Im Rahmen ihres Kaufprogramms zur Überwindung der Deflation und zur Förderung des Wirtschaftswachstums will sie bis Ende des Jahres zusätzliche Titel im Wert von 24 Billionen Yen kaufen.

          Die im Rahmen dieses Programms erworbenen Anleihen fallen nach dem Verständnis der Bank von Japan allerdings nicht unter die Banknotenregel. Die Notenbank sieht daher Spielraum. Im April hatte die Bank unter Druck der Politik beschlossen, ihr Programm um 5 auf 70 Billionen Yen aufzustocken. Weil das Volumen privater Anleihen schon lange nicht ausgeschöpft wird, beschlossen die Notenbanker, den Kauf von Staatsanleihen um 10 Billionen Yen auszuweiten. Da die Zinsen schon nahe Null liegen, dringen Japans Politiker für die kommende Woche auf eine abermalige Ausweitung.

          Nicht die Lösung aller Schwierigkeiten

          Keine Notenbank hat bisher ihre Bilanz so überproportional durch Anleihekäufe ausgeweitet wie die Bank von England. Seit März 2009 übt sich die Notenbank in systematischen Anleihekäufen. Sie hat das Volumen ihrer Käufe mittlerweile auf 375 Milliarden Pfund ausgeweitete und hält 36 Prozent des Nominalwertes aller britischen Staatsanleihen.

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