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Fed & Co. : Auf das Geld kommt es an!

Geld spielt in der Geldpolitik der Notenbanken keine Rolle mehr. Das ist paradox - und gefährlich. Bild: dpa

Geld spielt in der Geldpolitik der Notenbanken keine Rolle mehr. Das ist paradox - und gefährlich.

          Am vergangenen Mittwoch gab die amerikanische Notenbank Fed ein mit Spannung erwartetes Statement heraus. Die Zentralbanker erklärten: Man habe entschieden, Amerikas Leitzins weiter auf dem Stand von nahe null Prozent zu belassen. Es sind solche Beschlüsse, die man gemeinhin als Geldpolitik bezeichnet. Doch das Wort „Geld“ kam interessanterweise in der ganzen Erklärung nicht ein einziges Mal vor.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nur einen Monat zuvor hatte Janet Yellen, die Präsidentin der Fed, an der Universität von Massachusetts eine Rede gehalten. Dies allein wäre nicht besonders erwähnenswert, schließlich gehören Auftritte dieser Art zur Arbeitsplatzbeschreibung jedes führenden Notenbankers der Welt: Wer keine Lust hat, sich regelmäßig zu Inflation, Wirtschaft und Preisen im Allgemeinen zu äußern, sollte sich besser einen anderen Beruf suchen.

          Doch während dieser Rede geschahen zwei außergewöhnliche Dinge. Zu ihrem Ende hin wurde die mächtigste Notenbankerin der Welt - eine kleine, gar nicht mächtig wirkende Frau - bleich im Gesicht, stockte mitten im Satz, hustete ein paar Mal und sagte dann: „Ich werde hier aufhören.“ Auch wenn es Yellen kurz danach schon wieder besserging (sie hatte nur zu wenig getrunken), hatten die Zeitungen ihre Story: „Fed-Präsidentin bricht Rede ab.“ Doch während die Medienwelt noch eifrig über den Gesundheitszustand der Präsidentin spekulierte, hatte sich die Fachwelt, also Analysten und Ökonomen, bereits über den Redetext gebeugt und war zu einer erstaunlichen Erkenntnis gelangt: Da hatte Yellen soeben eine Rede zur Geldpolitik gehalten und es dabei geschafft, das Wort „Geld“ kaum einmal in den Mund zu nehmen.

          Die Rede im September, das Statement im Oktober: War es vielleicht nur ein skurriler Zufall, dass beide Male vom Geld nicht die Rede war? Nein, dahinter steckte volle Absicht: Es war der unausgesprochene, aber endgültige Bruch der Zentralbanker mit einer der einflussreichsten ökonomischen Denkschulen des 20. Jahrhunderts - mit dem Monetarismus. Dieser hatte jahrzehntelang vor allem einen Gedanken unermüdlich verfochten und damit Generationen von Wirtschaftswissenschaftlern geprägt: Money matters. Aufs Geld kommt es an. Yellen aber sandte an diesem Tag eine ganz andere, für eine Notenbankchefin erstaunliche Botschaft aus: Geld spielt, wenn es um die Bekämpfung der Inflation geht, so gut wie keine Rolle mehr. Dies ist ein radikaler Gedanke: Der Monetarismus ist tot. Wieso aber sollte man sich als Deutscher für diese amerikanische Fachdebatte interessieren?

          Ignoranz der Notenbanker

          Zum einen, weil auch innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB), die die Geldpolitik für den Euro-Raum verantwortet, Yellens Glaubenssatz Zustimmung findet. Zum anderen, und das ist der viel wichtigere Grund: weil die Zentralbanker dieser Welt damit Gefahr laufen, das nicht kommen zu sehen, was Anlegern wie Arbeitnehmern große Schmerzen bereitet - Börsencrashs und Wirtschaftsschwäche.

          Im Zentrum der Auseinandersetzung steht ein im Deutschen ziemlich technisch klingender Begriff: die Geldmenge. Dahinter verbirgt sich ein spannendes Kapitel moderner Volkswirtschaftslehre. Es war Milton Friedman, amerikanischer Nobelpreisträger und Vordenker für eine ganze Reihe herausragender Ökonomen, der zu einer Art Gründervater des Monetarismus wurde. Friedman stellte in seinen Forschungen einen interessanten Zusammenhang her: Inflation, so seine Beobachtung, werde stets durch ein zu hohes Angebot an Geld - technisch gesprochen: durch einen starken Anstieg der Geldmenge - verursacht. Wenn Zentralbanken also die Menge des Geldes aktiv erhöhen oder begrenzen, können sie damit die Höhe der Inflationsrate beeinflussen. Für Notenbanker, deren Aufgabe genau darin besteht, ein verführerischer Gedanke.

          Zwar erkannte man bald, dass es sich nicht um einen rein mechanistischen Zusammenhang handelte: Eine bestimmte Veränderung der Geldmenge zog nicht automatisch eine klar kalkulierbare Veränderung der Inflationsrate nach sich. Doch vor allem in den 1970er Jahren begannen mehr und mehr Zentralbanken, der Geldmenge größere Beachtung zu schenken - die deutsche Bundesbank verfolgte bis zur Einführung des Euro ein klar definiertes Geldmengenziel. Die Europäische Zentralbank (EZB) nahm den Blick aufs Geld sogar in ihre sogenannte „Zwei-Säulen-Strategie“ auf: Sie hat nicht nur ein Auge auf die Entwicklung der wirtschaftlichen Lage (die erste Säule), sondern muss laut ihren Statuten auch auf die Geldmenge achten (die zweite Säule). Der Monetarismus, so schien es, hatte gesiegt.

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