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Pharmazie : Merck beglückt die Serono-Aktionäre - aber nicht die Anleiheinhaber

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Die Aktionäre von Serono können sich freuen Bild: dpa

Glücklich, wer in den vergangenen Wochen die Aktie von Serono gekauft hat. Der Darmstädter Pharmakonzern Merck übernimmt das Unternehmen und zahlt eine Prämie von 20 Prozent über dem Schlußkurs vom Mittwoch. Für die Anleiheinhaber ist das weniger schön.

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          Daß der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck übernahmewillig war, dürfte wohl kaum jemand verborgen geblieben sei, als die Darmstädter im Juni mit ihrem Ansinnen scheiterten, sich Schering einzuverleiben.

          Da Merck dann an der Übernahme des Berliner Pharmakonzerns durch Bayer auch noch gut verdiente, durfte seitdem munter spekuliert werden, welches Unternehmen nun als Ziel auserkoren werden würde.

          Stolze Prämie

          Kaum jemand hatte indes die Schweizer Serono auf der Rechnung und just die wird Merck nunmehr übernehmen. Im Gegensatz zum Schering-Plan und anderen wenig erfolgreichen Übernahmeversuchen deutscher Dax-Unternehmen in diesem Jahr ist diesmal bereits alles in trockenen Tüchern. Wie das Unternehmen mitteilte, hat man vom Mehrheitsaktionär, der von der Familie von Alinghi-Chef Ernesto Bertarelli bereits die Mehrheit von 64,5 Prozent des Kapitals sowie 75,5 Prozent der Stimmrechte erworben.

          Dafür zahlt Merck 1.100 Franken je Inhaberaktie in bar. Den restlichen Aktionären will Merck ein Übernahmeangebot nach schweizerischem Recht über ebenfalls 1.100 Franken je Aktie unterbreiten. Das stellt eine Prämie von 20,2 Prozent im Vergleich zum Aktienkurs vom 20. September dar. Insgesamt habe das Angebot einen Transaktionswert auf voll verwässerter Basis von 16,6 Milliarden Franken oder 10,6 Milliarden Euro.

          „Diese Akquisition entwickelt das ethische Pharmageschäft von Merck deutlich weiter und bringt es in eine führende Position im Biotechmarkt“, erklärte Merck-Chef Michael Römer am Donnerstag. Dies trage dazu bei, die Zukunft des Familienunternehmens Merck zu sichern. Die Übernahme von Serono mache Merck zu einem weltweit führenden Biotechnologie-Konzern.

          Ein Überraschungscoup

          Die Übernahme soll zunächst aus der Barmittelkasse sowie durch eine Zwischenfinanzierung gestemmt werden. Dann soll die Transaktion durch Darlehen, eine Anleihe und eine Kapitalerhöhung von zwei bis 2,5 Milliarden Euro refinanziert werden. An der
          Kapitalerhöhung werde sich die Merck-Familie mit bis zu einer Milliarde Euro beteiligen. Merck erwartet, daß die Übernahme Anfang 2007 abgeschlossen wird. Details der Finanzierung wolle Merck erst kurz vor Abschluß der Transaktion bekannt geben, sagte eine Sprecherin von Merck.

          Mit der Serono-Übernahme gelingt den Darmstädtern ein Überraschungscoup. Ob dieser so erfolgreich ist oder sein wird, ist eine andere Frage. Bertarelli hatte im April nach fünf Monaten die Verkaufsversuche eingestellt, nachdem sich die Bewerber Glaxo-Smith-Kline und Novartis im Januar zurückgezogen hatten.

          Medikamentenabhängig

          Mit Serono bleibt Merck auf dem Kurs, den es mit dem vergeblichen Anlauf bei Schering eingeschlagen hatte - nur daß man sich mit der Nummer zwei bescheidet. Seronos Rebif ist das zweitmeist verkaufte Medikament zur Behandlung der Multiplen Sklerose. Und Serono hat ein ähnliches Problem wie Schering, nur noch intensiver: 55,6 Prozent der Umsätze machte das Schweizer Unternehmen im vergangenen Jahr mit dem Verkauf von Rebif.

          Hingegen mußten die Studien zu zwei neuen Medikamenten in der wichtigen Phase III aufgrund von Empfehlungen unabhängiger Kontrollkommissionen abgebrochen werden. Das Mittels gegen Schuppenflechte, Onercept, gab es zwei Fälle von Sepsis, außerdem war die beobachtete Wirksamkeit nicht zufriedenstellend. Und beim Hautkrebs-Medikament Canvaxin gab es keine signifikante Erhöhung der Überlebensrate.

          Bei Gonal-F, einem Medikament zur Erhöhung der Chancen einer künstlichen Befruchtung mußten die preise gesenkt werden, um die Umsätze gegen das Konkurrenzprodukt Organon wieder zu stabilisieren. Zuletzt hatte das Management nach der erfolglosen Käufersuche einen Strategiewechsel angekündigt, und Fusionen und Akquisitionen auf die Agenda gesetzt, auf daß sich Serono von einer zunehmenden Abhängigkeit von Rebif befreien möge.

          Kleine Nummer

          Indes gab es jüngst Erfolgsmeldungen aus dem Schweizer Hause. So gab man bekannt, daß die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA die neue MS-Pille Cladribine in das beschleunigte Zulassungsverfahren aufgenommen habe. Indes befindet sich das Medikament noch in Phase III der klinischen Studien. Sollte das Medikament indes erfolgreich sein, so könnte ihm eine große Zukunft bevorstehen.

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