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Anleihen : Der Pfandbrief gewinnt an Attraktivität

Die Zentrale der Deutschen Pfandbriefbank in München Bild: dapd

Die Auswirkungen der Geldpolitik könnten Pfandbriefen einen Schub geben: Versicherer und Banken müssen umschichten. Pfandbriefe sind zwar nur mäßig rentabel, sind aber sehr sicher.

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          Der Pfandbriefmarkt schrumpft seit Ausbruch der Finanzkrise. Für die Anleger muss dies jedoch kein Nachteil sein. Das knappere Angebot trifft nämlich auf eine hohe Nachfrage und sorgt so für steigende Kurse. Der Vorteil der Pfandbriefe, die international als Covered Bonds bekannt sind: Hinter den Papieren stehen Sicherheiten, die im Insolvenzfall der Bank dem Anleger zur Verfügung stehen. Gegenüber einem Anleihegläubiger der Bank sind die Inhaber von Pfandbriefen somit viel besser gestellt.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Durch die hohe Sicherheit sind Pfandbriefe damit aber auch nur mäßig rentabel. Derzeit werfen sie etwa 0,3 Prozentpunkte mehr ab als Bundesanleihen. „Der Renditeaufschlag ist in absoluten Zahlen nicht hoch, aber relativ ist es schon attraktiv, bei sieben Jahren Laufzeit 1 Prozent Rendite zu bekommen anstatt 0,7 Prozent wie bei Bundesanleihen“, sagt Torsten Strohrmann, der bei der Deutschen Asset und Wealth Management für die Covered-Bond-Strategie zuständig ist und gut 14 Milliarden Euro verwaltet.

          Papiere aus Spanien und Italien sind attraktiv

          Bislang war jedoch ein großer Nachteil der Pfandbriefe, dass sie insbesondere im Vergleich zu Bundesanleihen nur wenig gehandelt wurden. „Das ändert sich gerade, der Handel ist ungekannt liquide“, sagt Strohrmann. Einen weiteren Schub für die Anlageklasse erwartet er durch die Auswirkungen der Geldpolitik. „Viele Banken stellen mittlerweile Kunden negative Zinsen in Rechnung, wenn die ihr Geld sehr kurzfristig bei ihnen parken wollen“, sagt Strohrmann. „Gerade vielen Versicherern, die über sehr hohe Geldbestände verfügen, ist eine Geldanlage zu negativen Zinsen aber nicht ohne weiteres erlaubt; die müssen dann ziemlich hohe Summen umschichten.“

          Da aber deutsche Staatspapiere selbst auch kaum Zinsen abwerfen, sieht Strohrmann eine gute Chance für Mittelzuflüsse in deutsche Pfandbriefe. Er hat deshalb die Positionen in diesem Bereich aufgestockt und hält auch Papiere aus Spanien und insbesondere Italien für attraktiv. „Italien liegt bei seinen Reparaturen im Bankensystem noch etwas zurück, deshalb sind hier die Renditeaufschläge noch etwas höher“, sagt Strohrmann. Wegen höherer Renditen bevorzugt Strohrmann derzeit längere Laufzeiten.

          „Das ist ein extrem konservatives Vorgehen“

          Uwe Pyde, Spezialist für Covered Bonds im Portfolio-Management des Anleihespezialisten Bantleon, verweist auf die hohe Sicherheit, die insbesondere deutsche Pfandbriefe aufweisen. „Bei den Hypothekenpfandbriefen qualifizieren sich nur 60 Prozent des Beleihungswertes der Immobilie für den Deckungsstock“, sagt Pyde. Der Beleihungswert liege wiederum etwa 20 Prozent unter dem Marktwert der Immobilie. „Das ist ein extrem konservatives Vorgehen. Selbst ein Einbruch der Immobilienpreise gefährdet den Pfandbrief damit in keiner Weise.“

          In der Finanzkrise sind zwar neben der Hypo Real Estate weitere Pfandbriefbanken in Schieflage geraten; Anleger sind jedoch nicht zu Schaden gekommen. „Es wurden auch Banken gestützt und gerettet, die nicht systemrelevant waren, um den Pfandbrief als Anlageform nicht zu gefährden“, sagt Pyde. Für Privatanleger ist der Markt für die Direktanlage zwar kaum geeignet, sondern nur über Fonds. Für institutionelle Anleger wie eben Fondsgesellschaften, aber auch Pensionskassen, Versicherer und immer mehr Banken spielt der Pfandbriefmarkt hingegen eine bedeutende Rolle.

          „Vor allem Institute der zweiten Reihe“

          Zwar hat sich das Volumen von 800 Milliarden Euro im Jahr 2008 auf mittlerweile 450 Milliarden Euro reduziert, weil einige Anbieter vom Markt verschwunden sind oder sich Kommunen und Länder weniger über Bankkredite und mehr über Anleihen am Kapitalmarkt finanzieren. Das absolute Volumen bleibt gleichwohl gewichtig. „Der Pfandbriefmarkt erfährt als sicheres Produkt für konservative Anleger eine hohe regulatorische Unterstützung“, sagt Pyde. So deute derzeit einiges darauf hin, dass Banken Pfandbriefe innerhalb des aufzubauenden Liquiditätspuffers (LCR) als Sicherheit der höchsten Kategorie (Level 1 Asset) verwenden dürfen.

          Im Insolvenzfall werden die Deckungsstöcke zudem der allgemeinen Insolvenzmasse entzogen und stehen nur dem Inhaber des Covered Bonds zur Verfügung. Pyde bevorzugt wegen der immer noch nennenswerten Renditeaufschläge derzeit Covered Bonds aus Italien und Spanien. „Dabei setzen wir vor allem auf Institute der zweiten Reihe wie die spanische Banco Sabadell oder die italienische Credito Emiliano, da es hier noch mehr Rendite gibt, während die nationalen Champions schon längere Zeit geringere Renditen bieten als die jeweiligen Staatsanleihen ihres Landes.“

          Zwar sei die Qualität der Deckungsstöcke insbesondere in Spanien deutlich geringer als hierzulande. „Dafür beträgt die Überdeckung in Spanien vielfach noch 100 Prozent oder mehr.“ Vereinfacht ausgedrückt: Erweist sich die Hälfte der zugrundeliegenden Immobilien als wertlos, kann der Covered Bond immer noch normal bedient werden, und der Anleger verliert kein Geld.

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