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Pfandbriefe : Die Hypothek der Hypo Real Estate

Bild: F.A.Z.

Das Problem des Pfandbriefs sind seine angeschlagenen Emittenten. Das könnte die Top-Ratings für die als sicher geltenden Papiere gefährden. Die EZB misst den mit Forderungen gedeckten Bankenschuldtiteln in der Stabilisierung des Finanzsystems aber eine Schlüsselrolle bei.

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          Auf dem deutschen Pfandbrief lastet eine Hypothek: die Pfandbriefbanken und ihre kritische Ertragssituation. Eine Woche, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) angekündigt hatte, mit Forderungen gedeckte Bankenschuldtitel, also „Covered Bonds“ wie den Pfandbrief, für 60 Milliarden Euro zu kaufen, richtet sich nun der Blick auf die emittierenden Banken.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Denn der Pfandbrief ist nicht unschuldig in den Strudel der Finanzkrise geraten. Wie die DZ Bank in einer aktuellen Studie schreibt, stellt sich die künftige Geschäftsentwicklung der deutschen Pfandbriefemittenten eher schwierig dar. Mit einem Pfandbriefumlauf von 45 Milliarden Euro ist die vom Staat aufgefangene Hypo Real Estate (HRE) einer der wichtigsten Emittenten. Die Eurohypo, die die Commerzbank nach Auflagen der Europäischen Kommission innerhalb von fünf Jahren verkaufen muss, hat sogar Pfandbriefe über 132 Milliarden Euro ausstehen. Sie gilt nach den Verwerfungen der Krise aber als angeschlagen.

          Belastende Faktoren

          Das könnte für die Ratings der Pfandbriefe problematisch werden, die bislang in der Regel immer auf die Bestnote von „AAA“ kamen. Die beiden Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch wollen ihre Ratingmethodologie überarbeiten und die Bewertungen der Pfandbriefe stärker an die Qualität der emittierenden Bank knüpfen. Sollte also nicht mehr die Qualität des aus Krediten bestehenden Deckungsstocks, sondern das Risikoprofil der Bank für das Pfandbrief-Rating entscheidend sein, wären die Top-Ratings wohl Vergangenheit. Aus diesem Grund und mit Blick auf die Situation der HRE hat die FDP-Bundestagsfraktion an die Regierung nun eine Anfrage gestellt.

          Die Analysten der DZ Bank nennen die unsicheren Aussichten der beiden Schwergewichte HRE und Eurohypo sowie den anstehenden Strukturwandel im Landesbankensektor als belastende Faktoren für die Pfandbriefbranche. Ihrer Ansicht nach überwiegen kurzfristig mit Blick auf die Pfandbriefbanken daher eher die Unsicherheitsfaktoren. Die EZB misst den mit Forderungen gedeckten Bankenschuldtiteln in der Stabilisierung des Finanzsystems aber eine Schlüsselrolle bei.

          Handel ist zum Erliegen gekommen

          Aus einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage unter 36 europäischen Banken zur Refinanzierungssituation geht hervor, dass die Wiederbelebung der Märkte für „Covered Bonds“ und Kreditverbriefungen entscheidend für die Stabilisierung des Finanzsystems sei. An diesen Märkten ist der Handel nach der Eskalation der Finanzkrise aufgrund der Lehman-Insolvenz im Herbst 2008 zum Erliegen gekommen.

          Zum einen ist nach der EZB-Umfrage wichtig, dass die Strukturen der gedeckten Anleihen sowie der Verbriefungen einfacher und transparenter werden. Zum anderen halten die Banken die Wiederherstellung der Liquidität an den Märkten für nötig, um das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen. Grundsätzlich begrüßt der Verband deutscher Pfandbriefbanken (VDP) die Pläne der EZB. Der Verband will sich aber erst vom 4. Juni an detailliert zu den Ankaufsplänen äußern, weil dann die genauen Bedingungen der EZB bekannt seien.

          Exportschlager des deutschen Finanzplatzes

          Der Pfandbrief ist der Exportschlager des deutschen Finanzplatzes. Denn er gilt noch immer als mündelsicher. So werden Vermögensanlagen bezeichnet, bei denen Wertverluste nahezu ausgeschlossen sind. Tatsächlich ist noch kein Pfandbrief ausgefallen. Diese Titel sind mit einem Deckungsstock aus Immobilien- oder Staatskrediten besichert. Im Insolvenzfall einer Pfandbriefbank würde der Deckungsstock aus der Bank herausgelöst. Ein vom Gericht bestellter Sachverwalter würde dann die Deckungsmasse verwalten und die vollständige Befriedigung der Pfandbriefgläubiger gewährleisten.

          Die hohe Akzeptanz des Pfandbriefes und seine günstigen Zinskonditionen haben auch in anderen europäischen Ländern zu Nachahmerprodukten geführt. Der europäische Covered-Bond-Markt hat ein Volumen von 1,6 Billionen Euro. Davon stammen 32 Prozent aus Deutschland, 31 Prozent aus Spanien und 15 Prozent aus Frankreich. Wichtigster Unterschied zu den Kreditverbriefungen, als deren Synonym sich mittlerweile „toxische Wertpapiere“ durchgesetzt hat, ist das Verbleiben der Kredite auf der Bilanz der Pfandbriefbank. Diese haftet also für die Risiken, während bei Kreditverbriefungen die Risiken eines oftmals aus Tausenden Einzelengagements bestehenden Kreditportfolios auf die Investoren übergehen.

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