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Pfandbriefe : Deutsche Banken meiden den Jumbo

Bild: F.A.Z.

Die neuen gesetzlichen Vorgaben aus der Novelle des Vorjahres machen die Emission großvolumiger Pfandbriefe uninteressant. Die Tendenz geht zu maßgeschneiderten kleinen Emissionen, sogenannten Namenspfandbriefen.

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          Die Emission von Pfandbriefen in einem Mindestvolumen von 1 Milliarde Euro wird für deutsche Banken immer unattraktiver. Verantwortlich dafür sind die strengen Liquiditätsvorschriften der deutschen Pfandbriefgesetzesnovelle aus dem vergangenen Jahr. Während in Europa das sogenannte Jumbo-Segment mit Neuemissionen von gut 62 Milliarden Euro im ersten Quartal einen Rekord erreichte, steuerten deutsche Banken nur 7,75 Milliarden Euro bei.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Insgesamt begaben deutsche Institute aber Pfandbriefe über 22,7 Milliarden Euro. Der Präsident des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken (VDP), Henning Rasche, sprach am Mittwoch auf der Jahrespressekonferenz von einem Trend zu Namenspfandbriefen, der seit 2001 zu beobachten sei.

          Besonders sicher

          Unter Namenspfandbriefen werden kleinvolumige, maßgeschneiderte Emissionen zusammengefasst, die sich an den Interessen von institutionellen Investoren ausrichten. Pfandbriefe, die international als „Covered Bonds“ bezeichnet werden, sind Bankanleihen, die mit Hypotheken-oder Staatskrediten unterlegt sind. Anders als bei Kreditverbriefungen verbleiben die Darlehen, die den Deckungsstock darstellen, auf der Bilanz der emittierenden Bank. Daher gelten Covered Bonds als besonders sicher, was sich in erstklassigen Bonitätsnoten ausdrückt.

          Eine wichtige Investorengruppe für Pfandbriefe sind die Versicherer, die oft an langen Laufzeiten wie etwa 20 Jahren interessiert sind. Diese Laufzeiten sind aber für die hochliquiden Jumbo-Pfandbriefe ungeeignet. Ein weiterer Grund für den Trend zu kleinen Emissionsvolumina deutscher Banken, auf den Rasche aufmerksam machte, sind die strengen Liquiditätsvorschriften des deutschen Pfandbriefgesetzes.

          Die Banken müssen die Fälligkeiten aus Deckungsstock und Pfandbriefen über einen Zeitraum von 180 Tagen miteinander abgleichen und den höchsten Liquiditätsbedarf vorhalten. Fällig werdende Jumbo-Pfandbriefe im Milliardenvolumen binden daher über sechs Monate wertvolle Liquidität.

          Weiter im Rückwärtsgang

          So entfielen im ersten Quartal nur 12 Prozent der Jumbo-Emissionen auf deutsche Emittenten, während französische Banken 30 Prozent und spanische Institute 18 Prozent beisteuerten. Auf der ganzen Welt waren nach Angaben von VDP-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt Ende 2009 Covered Bonds über 2,5 Billionen Euro im Umlauf. Davon entfielen 719 Milliarden Euro auf den deutschen Pfandbrief, also 30 Prozent.

          In diesem Jahr erwartet Rasche, dessen Amtszeit als VDP-Präsident am 10. Juni endet, Pfandbriefemissionen über 100 Milliarden Euro. Davon dürften auf Jumbos rund 24 Milliarden Euro entfallen. Seiner Ansicht nach bleibt der Jumbo-Pfandbrief ein wichtiges Marktsegment für deutsche Banken. Da gleichzeitig 2010 Fälligkeiten über 143 Milliarden Euro anstehen, wird sich der Pfandbrief-Umlauf auch in diesem Jahr weiter verringern.

          Der Rückgang belief sich 2009 auf 11 Prozent und dürfte 2010 knapp 6 Prozent ausmachen. Rasche, einer der Mitbegründer des Jumbo-Segments, erwartet 2011 eine moderate Trendwende: „Nach unseren Erhebungen wird es im kommenden Jahr wieder geringfügig mehr Neuemissionen als Fälligkeiten geben.“

          Das im Sommer endende Covered-Bond-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Stabilisierung des Finanzsystems beunruhigt ihn nicht: „Die Märkte haben heute wieder ein weitgehend gesundes Eigenleben, das wir für stabil halten.“ Das EZB-Programm habe psychologisch viel bewirkt und sei nachhaltig, sagte Rasche. Seinen Worten zufolge hat die EZB zu dem Rückgang der Risikoaufschläge und zu dem Anstieg der Emissionsvolumina beigetragen. Von ihrem Ankaufvolumen über 60 Milliarden Euro hat die EZB bereits gedeckte Bankanleihen über 46,4 Milliarden Euro erworben.

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