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Österreich : Raiffeisen-Bank will 2 Milliarden vom Staat

Österreichisches Problemkind der BayernLB Bild: AP

Österreich ist lange von der Finanzkrise verschont geblieben. Jetzt aber wollen alle großen Banken Eigenkapital vom Staat. Die Länder in Osteuropa stehen vor einer Rezession, und höhere Kapitalquoten erscheinen nötig. Anleihen aus der Alpenrepublik könnte das belasten.

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          Auch in Österreich stärken sich immer mehr Banken mit Eigenkapital vom Staat. Die größte Bankengruppe, die genossenschaftliche Raiffeisen-Gruppe, will über die Raiffeisenzentralbank AG (RZB) 2 Milliarden Euro Partizipationskapital vom Staat aufnehmen. Die Österreichische Volksbanken AG (Övag), an der das Spitzeninstitut der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken DZ Bank 25,1 Prozent hält, plant eine Kapitalerhöhung durch ihre Eigentümer und zusätzlich die Inanspruchnahme von Staatskapital. Auch die Bank Austria, die zur italienischen Unicredit gehört, und die Hypo Alpe Adria, die der Bayern LB gehört, planen staatliche Hilfen aufzunehmen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Österreichische Banken sind in den vergangenen Jahren um mehr als 5 Prozent jährlich gewachsen, vor allem in den osteuropäischen Nachbarländern. Der attraktive Markt in Osteuropa hat die österreichischen Banken weitgehend davon abgehalten, die im Wert stark verfallenen strukturierten Wertpapiere (ABS) zu kaufen, die als Auslöser der Finanzkrise vor mehr als einem Jahr gelten.

          Osteuropa- statt Subprime-Krise

          Doch inzwischen ist Osteuropa von der Finanzkrise getroffen. Dort droht nach sieben Jahren doppelt so hohen Wirtschaftswachstums wie im Euroraum die erste Rezession seit der Russlandkrise im Jahr 1998. Die Republik Österreich hat deshalb zur Stabilisierung systemrelevanter Banken 15 Milliarden Euro Eigenkapital zur Verfügung gestellt. Zum Vergleich: In Deutschland, das rund zehnmal so viele Einwohner hat, stehen von insgesamt 500 Milliarden Euro Staatshilfen 80 Milliarden Euro für Eigenkapitalspritzen in die Banken bereit.

          Als Erste hat in Österreich die Erste Bank zugegriffen. Das börsennotierte Spitzeninstitut der österreichischen Sparkassen erhält 2,8 Milliarden Euro Partizipationskapital für 5 Jahre vom Staat. Partizipationskapital ist ähnlich wie die stille Einlage, die in Deutschland die Commerzbank vom Bund bekommt, hochwertiges Eigenkapital (Kernkapital), mit dem jedoch keine Stimmrechte und keine Veränderung der Aktionärsstruktur verbunden sind.

          Die Erste Bank muss für das Partizipationskapital einen festen Zins von 8 Prozent jährlich bezahlen. Anders als in Deutschland im Fall der Commerzbank ist in Österreich keine Beteiligung des Staates an künftigen Gewinnen (Dividendenzuschlag) und keine Deckelung der Vorstandsgehälter mit der Aufnahme von Partizipationskapital verknüpft.

          Mitnahme-Effekte

          Damit gelten die Bedingungen für die Staatshilfe als attraktiv. Auch Banken, die nicht unmittelbar in Not sind, wollen die Gelegenheit nutzen, um ihre Kapitalausstattung zu verbessern. Die Raiffeisenbank, deren Kernkapitalquote zuletzt bei 7,3 Prozent lag, hat ihre Eigentümer zu einer außerordentlichen Hauptversammlung am 25. November eingeladen. Dort sollen die Mehrheitseigentümer, neun Raiffeisenlandesbanken, die Annahme von bis zu 2 Milliarden Euro Staatshilfe beschließen. Ziel sei, Ende 2009 auf ein Verhältnis von Kernkapital zu Krediten von mindestens 9 Prozent zu kommen, heißt es.

          Die börsennotierte Osteuropa-Holding Raiffeisen International, an der die RZB mehr als zwei Drittel hält, ist in 14 osteuropäischen Ländern aktiv, oft als Marktführer. Darunter sind mit Ungarn und der Ukraine Länder, die Hilfen vom Internationalen Währungsfonds brauchten und deren Wachstumsaussichten schlecht sind.

          Debakel bei der Övag

          Auch das nicht börsennotierte Spitzeninstitut von 60 Volksbanken, die Övag, hat das Ziel, die Kernkapitalquote auf 9 Prozent zu verbessern. Die Övag musste gerade für 1 Euro den notleidenden Gemeindefinanzierer Kommunalkredit an den Staat verkaufen. Zuletzt stand diese Beteiligung noch mit rund 400 Millionen Euro in den Büchern.

          Die Övag hat noch keine Zahlen zum dritten Quartal vorgelegt. Da der Gewinn nach dem ersten Halbjahr bei knapp 200 Millionen Euro lag, dürfte das Debakel um die Kommunalkredit dazu führen, dass die Övag bisher in diesem Jahr mit Verlust arbeitet. Trotz der neuen Belastung aber liegt die Kernkapitalquote bei 7,55 Prozent noch höher als bei vielen deutschen Landesbanken. Dennoch hat der Aufsichtsrat der Övag am 3. November beschlossen, neues Eigenkapital aufzunehmen. Schließlich gilt international eine Kernkapitalquote von 9 Prozent inzwischen als angemessen.

          Dabei wird in der Övag eine Mischung aus privater und staatlicher Eigenkapitalaufnahme diskutiert. Da die 60 Volksbanken, denen 58 Prozent der Övag gehören, als nicht besonders kapitalstark gelten, ruhen Hoffnungen in Wien darauf, dass die deutsche DZ Bank über ihren Anteil von 25,1 Prozent hinaus neue Aktien zeichnet. Die DZ Bank indes zeigte sich am Mittwoch abwartend.

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