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Österreich : Banken werden zum Staatsrisiko

Bild: F.A.Z.

Der Risikoaufschlag gegenüber der Bundesanleihen steigt auf den höchsten Stand seit Beginn der Währungsunion. Grund ist der Zweifel, ob Österreich sein Rating aufrechterhalten kann.

          Investoren verlieren das Vertrauen in österreichische Staatspapiere. Am Freitag hat der Renditeabstand gegenüber der zehnjährigen Bundesanleihe mit fast 1,6 Prozentpunkten seinen höchsten Stand seit der Einführung des Euro erreicht. Österreichische Schuldtitel rentierten mit 3,41 Prozent, deutsche Anleihen mit 1,81 Prozent. Der Grund für den steilen Renditeanstieg liegt ähnlich wie im Fall Frankreichs an den zunehmenden Zweifel, dass das Land sein AAA-Rating aufrechterhalten kann. Die österreichische Finanzministerin Maria Fekter betonte am Freitag vor dem Parlament, dass die Bonitätsnote Österreichs nicht in Gefahr und der Ausblick stabil sei. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hatte die Spekulationen angeheizt, als sie darauf hinwies, dass der Staat nicht genügend Kapital bereitstellen könne, um die Banken und ihre Tochtergesellschaften in Osteuropa auffangen zu können. Die österreichischen Banken gehören in diesen Ländern zu den Marktführern.

          Ein systemisches Risiko

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach einer Untersuchung der in dieser Region tätigen Raiffeisen Zentralbank (RZB) wird der Anteil der faulen Kredite in Mittel- und Osteuropa in diesem Jahr seinen Höhepunkt erreichen. In einzelnen Ländern sei der Gipfel bereits erreicht worden. Ausgenommen von dieser Entwicklung ist das gemessen an den etablierten Märkten der Region hoch verschuldete Ungarn, dem das Schlimmste noch bevorsteht: Dort wird ein Anstieg auf 16 Prozent bis 2013 erwartet. Keine weiteren Zuwächse der notleidenden Kredite erwarten die Analysten dagegen in der Tschechischen Republik, der Slowakei, Russland und der Ukraine. Die Ukraine ist allerdings mit einem Anteil von 40 Prozent Spitzenreiter bei den notleidenden Krediten in der Region. Die geringste Quote in Osteuropa dürfte Slowenien mit 3,9 Prozent aufweisen.

          Die Banken stellen für Österreich ein systemisches Risiko dar. Die aggregierte Bilanzsumme der Kreditwirtschaft ist viermal so hoch wie die jährliche Wirtschaftsleistung, also das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Mit der einstigen Tochtergesellschaft der Bayern LB, der Hypo Alpe Adria, oder der Österreichischen Volksbank-AG (ÖVAG), an der die DZ Bank 25 Prozent hält, hat es in Österreich schon zwei größere Bankenschieflagen gegeben. Die ÖVAG hat zudem die Stresstests der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) nicht bestanden.

          Die österreichische Finanzministerin Maria Fekter betonte vor dem Parlament, dass die Bonitätsnote Österreichs nicht in Gefahr und der Ausblick stabil sei

          Drei österreichische Banken benötigen 3,6 Milliarden Euro, um Mitte 2012 die von der EBA vorgegebene harte Kernkapitalquote von 9 Prozent erfüllen zu können. Im Vergleich dazu: Von den 13 größten deutschen Banken benötigen vier - Commerzbank. Deutsche Bank, Landesbank Baden-Württemberg und Nord LB - zusätzliches Kapital von 5,2 Milliarden Euro. Den höchsten Kapitalbedarf hat in Österreich die RZB mit 2 Milliarden Euro, danach folgt die ÖVAG mit knapp einer Milliarde Euro. Das Spitzeninstitut der Sparkassen, die Erste Bank, braucht 750 Millionen Euro. Sorgen bereiten dürfte auch die größte Bank des Landes, die Bank Austria. Denn sie ist wie die Hypo-Vereinsbank eine Tochtergesellschaft der italienischen Bank Unicredit, die gegenwärtig mit ihren hohen Beständen an italienischen Staatsanleihen belastet ist.

          „Es wird derzeit alles in Frage gestellt“, sagt Stefan Bruckbauer, Volkswirt der Unicredit. Er hält den höheren Risikoaufschlag Österreichs für ungerechtfertigt. Das Land schneide mit einer Staatsverschuldung von drei Viertel des BIP deutlich besser ab als der Euroraum. Die Euroländer kamen im vergangenen Jahr auf einen Schuldenstand von durchschnittlich 85 Prozent. Trotzdem sorgen sich Fachleute, dass das Land seine erstklassige Bonitätsnote verlieren könnte.

          Bernhard Felderer, Leiter des Instituts für Höhere Studien (IHS) in Wien, befürchtet eine Ansteckungsgefahr Österreichs durch Italien. Er kritisiert die Sanierung des Staatshaushalts als nicht ehrgeizig genug. Die im nächsten Jahr erwartete Schuldenquote von knapp 74 Prozent will die Regierung bis 2015 nur auf knapp 73 Prozent senken. Das sei nicht sehr ambitioniert und werde die Finanzmärkte nicht überzeugen, sagt Felderer. Möglicherweise wird die Regierung deshalb nun zügig eine in der Verfassung verankerte Schuldenbremse beschließen.

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