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Nullzins bleibt : Fed beendet Anleihekäufe

Die Vorsitzende der Fed, Janet Yellen Bild: AFP

Amerikas Notenbank Federal Reserve stellt ihre Anleihekäufe ein. Damit öffnet sie ein neues Kapitel in ihrer Krisenpolitik. Den Nullzins will sie aber zunächst beibehalten.

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          Die amerikanische Notenbank Federal Reserve öffnet ein neues Kapitel in ihrer Krisenpolitik. Der Offenmarktausschuss beschloss am Mittwoch, die Käufe von Staatsanleihen und von mit Hypotheken besicherten Wertpapieren einzustellen. Damit ist die dritte Runde der quantitativen Lockerung Geschichte. Mit dem Ende der Anleihekäufe rückt die Zinspolitik stärker in den Vordergrund.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Fed hielt bei einem zuversichtlicheren Konjunkturausblick an der Zusage fest, den faktischen Nullzins auch nach Ende der Anleihekäufe noch für eine „beträchtliche Zeit“ beizubehalten. Doch schwächte sie diese Zusage ab. Der Offenmarktausschuss betonte, dass eine erste Zinserhöhung in Abhängigkeit von der Wirtschaftsentwicklung früher oder später als derzeit erwartet kommen könne.

          Der stellvertretende Fed-Vorsitzende Stanley Fischer definierte „beträchtliche Zeit“ vor kurzem mit zwei bis zwölf Monaten. Die Fed-Vorsitzende Janet Yellen hatte im Frühjahr von etwa sechs Monaten gesprochen.

          Nach den Finanzturbulenzen in den vergangenen Wochen haben die Markterwartungen über den Termin der ersten Zinserhöhung sich ein wenig nach hinten verschoben. Eine erste Erhöhung des Zielwerts von derzeit 0 bis 0,25 Prozent zur oder kurz nach der Jahresmitte 2015 gilt aber vielen Volkswirten als wahrscheinlich.

          Das Ende der Anleihekäufe ließ die Wall Street relativ unbeeindruckt. Der Dow-Jones-Index gab leicht nach. Der Dollar wertete deutlicher auf. Der Euro-Kurs sank fast einen Cent auf 1,240 Dollar je Euro.

          Mehr Zuversicht für den Arbeitsmarkt

          Aufmerksamkeit unter Analysten fand, dass die Fed ihre Einschätzung des Arbeitsmarktes deutlich verbesserte. Die Risiken seien fast ausgewogen, heißt es in der Erklärung des Offenmarktausschusses. Noch im September hatte die Fed von einer „signifikanten Unterauslastung“ am Arbeitsmarkt gesprochen. Nun heißt es, eine Reihe von Indikatoren deute an, dass die Unterauslastung schrittweise verringert werde. Die Arbeitslosenquote, die zu Beginn der dritten Runde der quantitativen Lockerung bei 7,8 Prozent lag, sank zuletzt auf 5,9 Prozent. Der Beschäftigungsaufbau ist solide.

          Analysten erwarten, dass die Wirtschaft im dritten Quartal um – auf ein Jahr hochgerechnet – rund 3 Prozent gewachsen sein wird, nach den durch Sondereinflüsse überzeichneten 4,6 Prozent im zweiten Quartal. Danach wird eine moderate Verlangsamung erwartet. Dazu trägt die Unsicherheit über die Abschwächung in Europa und in wichtigen Schwellenländern bei, aber auch der aufwertende Dollar.

          Die schwache und wackelige Wirtschaftslage in Europa hat die Europäische Zentralbank gerade erst bewogen, mit dem Kauf von Wertpapieren zu beginnen. Die unterschiedlichen geldpolitischen Aussichten, mittelfristig höhere Zinsen in Amerika – stärken den Dollar und schwächen den Euro.

          Inflationsrisiken in der Zukunft?

          Das Ende der Anleihekäufe für sich genommen war an der Wall Street fast ein Nicht-Ereignis. Seit Dezember 2013 schon hatte die Fed schrittweise die Käufe von damals 85 Milliarden auf zuletzt 15 Milliarden Dollar im Monat verringert. Das rief keine Verwerfungen an den Märken hervor. Insgesamt hat die Fed seit der Jahreswende 2008/09 in drei Runden der quantitativen Lockerung ihre Anleihebestände von rund 500 Milliarden auf rund 4 Billionen Dollar aufgestockt. Sie will damit die langfristigen Zinsen senken und so die Wirtschaft anregen.

          Befürchtungen richten sich darauf, ob die Fed diese Ausdehnung der monetären Liquidität abbauen kann, ohne Inflation zu entfesseln. Erträge aus Anleihen, deren Fälligkeit erreicht ist, werden vorerst wieder in Anleihen angelegt. Die Fed will das Portfolio erst nach der ersten Zinserhöhung langsam schrumpfen.

          Untersuchungen über die Wirkung des Anleihekaufprogramms kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Als gemeinsame Linie zieht sich durch viele Studien, dass die erste Runde der quantitativen Lockerung von Dezember 2008 bis August 2010 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise den Märkten niedrigere Zinsen und Entspannung gebracht hat. Die Wirkungen der beiden folgenden Runden von November 2010 bis Juni 2011 und von September 2012 bis zuletzt waren danach schwächer. Die Fed habe die beiden letzten Runden der quantitativen Lockerung nur als Versicherung gegen wirtschaftliche Risiken gefahren, die zum Glück nicht eingetreten seien, erklärte Harm Bandholz, Amerika-Volkswirt der Bank Unicredit in New York.

          Greenspan hat Zweifel

          2012 nahm der damalige Fed-Vorsitzende Ben Bernanke in Anspruch, dass die ersten beiden Runden der quantitativen Lockerung womöglich die Erzeugung um 3 Prozent gesteigert und mehr als 2 Millionen Arbeitsplätze geschaffen hätten. Der Präsident der regionalen Fed von San Francisco, John Williams, beschrieb in einer Studie in diesem Jahr, dass die Anleihekäufe ein mächtiges, aber ungehobeltes Werkzeug seien, mit ungewissen Wirkungen auf die Finanzmärkte und die Wirtschaft.

          Zweifel am Erfolg der Anleihekäufe äußerte am Mittwoch indes der frühere Fed-Vorsitzende Alan Greenspan. Der Versuch, mit der quantitativen Lockerung die effektive Nachfrage zu stimulieren, habe nicht funktioniert, sagte Greenspan am Mittwoch am Council for Foreign Relations in New York. Die Anleihekäufe seien aber „ungeheuer erfolgreich“ gewesen, die Preise von Anlagegütern und Vermögen in die Höhe zu treiben.

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