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Neue Regelungen : EU-Börsenaufsicht soll Libor-Zins überwachen

  • -Aktualisiert am

Unter europäischer Flagge: bald wird auch der Libor-Zins von der EU überwacht Bild: dpa

Die Europäische Kommission will die in Verruf geratenen Interbankenzinsen und andere Indizes europäischer Kontrolle unterwerfen.

          Die Europäische Kommission will die Aufsicht über den in Verruf geratenen Interbankenindex Libor offenbar der EU-Wertpapieraufsicht Esma übertragen. Das sieht dem Vernehmen nach ein interner Kommissionsvorschlag vor, den EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier noch vor der Sommerpause offiziell vorstellen will. Barnier bezieht sich dabei nicht speziell auf den Libor, sondern auch auf vergleichbare Indizes wie dem Euro-Pendant des Libor, Euribor. Insgesamt würde die in Paris sitzende Wertpapieraufsicht damit die oberste Kontrolle über Hunderte von Indizes und Referenzzinsen übernehmen.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Die Berechnung des Libor war in Verruf geraten, nachdem zahlreichen Banken in der Londoner City nachgewiesen worden war, dass Mitarbeiter über Jahre versucht hatten, die Sätze mit verzerrten Dateneingaben zu manipulieren. Ähnliche Vorwürfe gibt es für den Euribor. Beide Indizes werden täglich ermittelt und zeigen an, zu welchen Konditionen sich die beteiligten internationalen Banken untereinander Geld leihen. Überwacht wurden sie dabei bis zu diesem Jahr nicht.

          Keine grundlegende Reform vorgenommen

          Die Indizes dienen als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und andere Finanztransaktionen. Allein vom Libor sollen Finanzprodukte von 500 Billionen Dollar abhängen. Obwohl von amerikanischer Seite seit Jahren Druck auf die Londoner City ausgeübt worden war, die Berechnung der Sätze zu ändern, hatte der Britische Bankenverband (BBA) keine grundlegende Reform vorgenommen. Selbst die von den Amerikanern alarmierte Bank von England hatte es versäumt, die BBA zur Reform zu drängen.

          Die Regierung und die Regulierer in Großbritannien arbeiten seit dem Bekanntwerden der Manipulationen Mitte vergangenen Jahres an neuen Regeln. Martin Wheatley, der neue Vorsitzende der für die Londoner Marktaufsicht und Einhaltung von Marktregeln zuständigen Behörde FCA, hatte im März in einem Untersuchungsbericht gewarnt, dass die Aufsicht über die Berechnung des Libor von seiner neuen Behörde übernommen werden würde. Unabhängig davon verkündeten die Esma und die europäischer Bankenaufsicht EBA am Donnerstag neue Regeln für die Erstellung des Libor. Sie sollen vor allem sicherstellen, dass es für die Mitarbeiter der Banken keinen Anreiz mehr für die Übermittlung falscher Daten gibt.

          Wichtiger als das Thema, wer die Berechnung des Libor beaufsichtigt, ist indessen eine Entscheidung darüber, wie die Sätze ermittelt werden sollen. Der die Branche selbst regulierende Verband BBA hatte es über Jahre zugelassen, dass Banken Refinanzierungs-Zinssätze zur Berechnung des Libor meldeten, die eher geschätzte Zinssätze waren als Zinssätze, zu denen die Banken tatsächlich am Geldmarkt Transaktionen vorgenommen hatten. In vielen anderen Ländern wie Australien müssen jedoch Sätze gemeldet werden, die mit aktuellen Geldmarktgeschäften übereinstimmen.

          Die Meldung von fiktiven Zinssätzen öffnete indessen Tür und Tor zu Manipulationen. Dies wurde zum Teil von der Bank von England und vom Markt auf dem Höhepunkt der Bankenkrise geduldet, weil die Meldung niedrigerer Refinanzierungssätze dem Markt eine höhere Liquidität von Banken vorspiegelte als sie eigentlich gegeben war. Die Meldung bewusst niedrigerer Refinanzierungssätze war zum Beispiel Barclays vorgeworfen worden, hatte zu einem schweren Krach zwischen der Bank von England und dem Management von Barclays und letztlich zum Rücktritt des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Barclays, Bob Diamond, geführt.

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