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Neue Käufe von Staatsanleihen : Banken rechnen mit niedrigeren Anleiherenditen

  • Aktualisiert am

Europäische Zentralbank in Frankfurt Bild: dpa

Viele Banken senken ihre Prognosen für die Rendite von Bundesanleihen. Ökonomen erwarten nun Käufe von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank.

          Banken senken ihre Prognosen für die Rendite von Bundesanleihen erheblich. Ihre Volkswirte wetten darauf, dass das jüngste Stützungsprogramm der Europäischen Zentralbank auch auf Käufe von Staatsanleihen aus den Euroländern ausgeweitet wird. Die EZB teilt am Donnerstag in Frankfurt das erste Geld ihres vierjährigen Kreditprogramms zu. Notenbankpräsident Mario Draghi kündigte Anfang des Monats an, die Notenbank werde auch forderungsbesicherte Papiere (ABS) und gedeckte Anleihen kaufen, um ihre Bilanz auf das Niveau von 2012 zu bringen. Das würde einem Anstieg von bis zu einer Billion Euro entsprechen.

          Ökonomen sehen einer aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen zum Jahresende im Median bei 1,10 Prozent, verglichen mit 1,45 Prozent zuvor. Der gewichtete Durchschnitt der Jahresendprognosen ist in der vergangenen Woche um 21 Prozent auf 1,09 Prozent reduziert worden. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen rentierten zuletzt bei 1,07 Prozent. In diesem Jahr haben Bundesanleihen bisher einen Ertrag von 7,6 Prozent eingebracht, verglichen mit einem Verlust von 2,3 Prozent für 2013, wie aus Indizes von Bank of America Merrill Lynch hervorgeht.

          Expansive Geldpolitik als Gefahr für die Stabilität

          Morgan Stanley hat die Jahresend-Prognose für die Renditen von zehnjährigen Papieren angesichts des neuen Niedrigzins-Umfelds von 1,70 Prozent im August auf 1,20 Prozent gesenkt, erklärte Anthony O’Brien, Stratege für festverzinsliche Papiere bei der Bank in London. Die Reduzierung spiegele auch die höhere Wahrscheinlichkeit wider, dass die Notenbank ein Programm zur quantitativen Lockerung einführen müsse, fügte er hinzu.

          Seit Bekanntgabe der neuen Kredite im Juni hat die EZB die Zinsen gesenkt sowie ein Aktiva-Kaufprogramm angekündigt. Die Rendite der Bundesanleihen hat sich in diesem Jahr halbiert und ist im August unter 1 Prozent gesunken. Investoren, die an der Sicherheit der Bundesanleihen festgehalten haben, profitierten. Analysten spekulieren nun, ob die Notenbank Staatsanleihen kaufen wird. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat eine zu expansive Geldpolitik als Gefahr für die Stabilität bezeichnet. Andere Währungshüter zweifeln die Wirksamkeit einer quantitativen Lockerung an.

          Die EZB dürfte am Donnerstag den Banken 150 Milliarden Euro zuteilen, erwarten Ökonomen durchschnittlich in einer separaten Bloomberg-Umfrage, die am 15. September veröffentlicht wurde. Das gesamte Volumen der längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte bis Ende 2016 sowie der Aktiva-Kaufprogramme wird sich der Bloomberg-Umfrage zufolge auf 985 Milliarden Euro summieren. Das entspricht einem Nettovolumen von etwa 635 Milliarden Euro. Dabei ist die Rückzahlung von Krediten berücksichtigt, die Banken von der EZB auf dem Höhepunkt der Euroraum-Krise erhielten. Das liegt unter der Summe, die das Bilanzziel von Draghi impliziert.

          „Das gesamte Volumen dürfte unter dem liegen, was die EZB insgesamt erreichen will, und das Kaufprogramm für ABS und gedeckte Anleihen zielt auch auf Märkte ab, die relativ klein sind”, sagte Felix Herrmann, Analyst der DZ Bank. „Wenn diese Programme nicht ausreichen, muss die EZB mehr unternehmen.“ In einer Bloomberg-Umfrage hatten zwei Drittel der Befragten gesagt, dass die EZB nicht so weit gehen würde, großvolumige Käufe von Staatsanleihen vorzunehmen.

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