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Nach Zinssenkung : Fed macht Hypothekenbanken reich

  • -Aktualisiert am

Enttäuschung an höchster, geldpolitischer Stelle: Fed-Sitz in Washington Bild: AP

Sei Mitte September erwirbt die Fed jeden Monat Hypothekenanleihen von 40 Milliarden Dollar, damit die Zinsen für Immobiliendarlehen sinken. Die Banken haben diesen Zustand zu ihrem eigenen Vorteil genutzt.

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          Für die großen amerikanischen Banken war das Hypothekengeschäft im vergangenen Quartal eine Goldgrube. Niedrige Zinsen sorgten für hohe Nachfrage von Hauskäufern nach Immobiliendarlehen. Kunden, die schon ein Haus besitzen, refinanzierten ihren Kredit zu günstigeren Konditionen. Platzhirsch ist mit einem Marktanteil von 30 Prozent die Großbank Wells Fargo. Deren Hypothekensparte steigerte in nur einem Quartal das Volumen neu vergebener Darlehen um 35 Prozent.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Am Ende stand ein Rekordgewinn für Wells Fargo, deren Aktien auch aus diesem Grund der gewiefte Investor Warren Buffett favorisiert. Knapp ein Fünftel des Aktienportfolios von Buffetts Gesellschaft Berkshire Hathaway besteht aus Wells Fargo. „Wir mögen das Hypothekengeschäft“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Wells Fargo, John Stumpf, bei der Vorlage der Quartalzahlen im Januar.

          Höhere Gewinne und frustrierte Banker

          Ein wichtiger Grund für die sprudelnden Gewinne: das Mitte September ankündigte Anleihekaufprogramm der amerikanischen Notenbank Fed. Um der Wirtschaft Wachstumsimpulse zu geben und den für die Konjunkturentwicklung wichtigen Häusermarkt zu stützen, erwirbt die Fed seither jeden Monat Hypothekenanleihen von 40 Milliarden Dollar. Die Renditen der verbrieften Hypotheken gingen wie erhofft zurück. Allerdings fielen die Zinsen der an Hauskäufer vergebenen Hypotheken nicht so stark wie die Renditen am Anleihemarkt.

          Denn die Banken gaben die niedrigeren Zinsen nicht vollständig an die Kreditkunden weiter. Das sorgte für höhere Gewinnmargen der Banken und frustierte Notenbanker. Das Verhältnis der Zinsen im Primärmarkt für Hypotheken und der Renditen im Markt für verbriefte Hypotheken bezeichnen Fachleute als „Primary-Secondary Spread“ - also als die Zinsspanne zwischen Primärmarkt und Sekundärmarkt. Das ist eine vielbeachtete Messlatte für die Profitabilität von Hypotheken.

          Bild: F.A.Z.

          Banken vergeben Hypotheken an Hauskäufer und verpacken sie als Wertpapiere, die sie an Investoren weiterreichen. Stimuliert durch die Nachfrage der Fed sanken die durchschnittlichen Renditen der Hypothekenanleihen nach Angaben des Informationsdienstes Bloomberg im November auf 2,1 Prozent. Die Zinsen für eine traditionelle Hypothek mit einer Laufzeit von 30 Jahren lagen damals auf einem Rekordtief von 3,3 Prozent.

          Der Zinsabstand betrug also 120 Basispunkte. In anderen Worten: Banken nehmen von Hypothekenschuldnern 3,3 Prozent Zinsen ein, zahlen Investoren aber nur 2,1 Prozent für die Anleihen. Von 1995 bis zum Krisenjahr 2008 hatte sich diese Zinsspanne meist zwischen 30 und 50 Basispunkten bewegt. Nach der Ankündigung der Hypothekenkäufe war die Spanne laut Fed kurzzeitig auf mehr als 150 Basispunkte gestiegen - so hoch wie nie zuvor.

          Notenbanker hatten sich mehr erhofft

          Die Notenbanker hatten sich von ihren Maßnahmen mehr erhofft. Der Präsident der New Yorker Fed, William Dudley, sprach im Dezember zwar von „soliden Belegen“, dass die Anleihekäufe zur Senkung der Renditen beigetragen hätten. Aber es hätte mehr seit können, wenn sich das entsprechend deutlich auf die Hypothekenzinsen niedergeschlagen hätte. „Die Auswirkungen der geldpolitischen Lockerung auf die Konjunktur über den Häusermarkt und die Hypotheken ist zu einem gewissen Grad behindert worden“, räumte Dudley schon auf einer Konferenz am Ende des vergangenen Jahres ein.

          Zuletzt dürften die Gewinnmargen der Banken im Hypothekengeschäft wieder geschrumpft sein. Die Renditen von Hypothekenanleihen sind angesichts der Aussichten auf eine weitere Konjunkturerholung seit November stärker gestiegen als die Hypothekenzinsen. Die Spanne zwischen Primär- und Sekundärmarkt lag zuletzt bei 90 Basispunkten. Dazu verlangen die verstaatlichten Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac auch höhere Gebühren für die von ihnen vergebenen Garantien. „Die Gewinne mit der Ausgabe neuer Hypotheken werden unter Druck geraten“, prognostiziert Kevin Barker, Analyst der Marktforschungsgesellschaft Compass Point.

          Das könnte ein Grund dafür sein, warum die amerikanische Großbank JP Morgan Chase auf Sparkurs geht und bis Ende 2014 bis zu 15.000 Stellen in ihrer Hypothekensparte streichen will (F.A.Z. vom 27. Februar). Innerhalb des Offenmarktausschusses der Fed nimmt das Unbehagen über die Ankäufe von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren unterdessen zu. Eine Minderheit von Ausschussmitgliedern hält es für möglich, dass die Notenbank die Ankäufe schon verringern oder einstellen könnte, bevor sich die Lage am Arbeitsmarkt deutlich verbessert hat. Das gilt bisher als Bedingung für ein Ende der Anleihekäufe.

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