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Nach Zinssenkung der EZB : Rendite der Bundesanleihe fällt auf Rekordtief

EZB: senkt den Leitzins von 0,75 auf 0,5 Prozent Bild: dapd

Die Renditen von Bundesanleihen liegen seit längerem auf historisch niedrigem Niveau - nun ist ein neuer Tiefstwert erreicht. Im vergangenen Jahr ist das Handelsvolumen der Schuldtitel um 13 Prozent gesunken.

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          Die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag für ein Renditetief der Bundesanleihen gesorgt. In der zehnjährigen Laufzeit sank die Rendite unter 1,16 Prozent. Das alte Rekordtief hatte die zehnjährige Bundesanleihe am 20. Juli 2012 mit 1,17 Prozent erreicht. Damals waren die Anspannungen im Euroraum wegen der spanischen Bankenkrise und der Lage in Italien hoch.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wenige Tage später läutete der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, die Erholung an den Finanzmärkten ein, als er unbegrenzte Käufe von Staatsanleihen im Notfall angekündigt hatte. Nun sorgte Draghi für ein neues Rekordtief, als die EZB den Leitzins von 0,75 auf 0,5 Prozent senkte. Ende Januar erreichte die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe noch ein Niveau von 1,7 Prozent.

          Der Handel mit Bundesanleihen ist im vergangenen Jahr um fast 13 Prozent auf 5,3 Billionen Euro gesunken. Dies geht aus Daten der für die Schuldenverwaltung des Bundes zuständigen Finanzagentur vom Donnerstag hervor. Sie beruhen auf den monatlich von der 38 Banken umfassenden Bietergruppe Bundesemissionen gemeldeten Umsätze mit Bundeswertpapieren. Im Jahr 2011 wurden noch 6,03 Billionen Euro gehandelt, und im Jahr 2010 waren es 5,7 Billionen Euro. Im Jahr 2009 lag das Handelsvolumen aber mit 4,6 Billionen Euro unter dem des Vorjahres.

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          Oft nennt die Finanzagentur bei enttäuschenden Auktionsergebnissen das schwierige Marktumfeld mit den sehr niedrigen Zinsen als Ursache. Doch das rückläufige Handelsvolumen wollte ein Sprecher der Finanzagentur nicht darauf zurückführen. Er sprach von einer Normalisierung nach den rekordverdächtigen Zahlen der beiden Vorjahre. Ihm zufolge lag das Nominalvolumen der umlaufenden Bundesanleihen bei 1,1 Billionen Euro. Mit einem täglichen Handelsvolumen von 20 Milliarden Euro seien die Wertpapiere der Bundesrepublik das bedeutendste Segment des europäischen Anleihemarktes.

          London bleibt das Zentrum des Handels mit Bundesanleihen. Denn dort dürften im vergangenen Jahr mehr als 3 Billionen Euro oder 57 Prozent umgesetzt worden sein. Die Londoner City ist einer der wichtigsten Finanzplätze der Welt. Dort sitzen wichtige Kapitalmarktteilnehmer wie Investmentbanken, Vermögensverwalter und Handelshäuser. Im Euroraum waren es 1,2 Billionen Euro oder 23 Prozent. Die wichtigsten Handelsplätze für Bundesanleihen sind danach mit jeweils rund 500 Milliarden Euro Asien und Amerika.

          Laut Finanzagentur werden Bundesanleihen von Investoren in erster Linie als Sicherungsinstrumente für festverzinsliche Wertpapiere mit vergleichbaren Laufzeiten herangezogen. Dagegen sei die Rendite nicht das Hauptmotiv. Für Banken und institutionelle Investoren dienen die Titel auch als Bargeldersatz. Sie reichen sie als Sicherheit bei Notenbanken oder anderen Geschäftsbanken ein, um sich mit frischer Liquidität zu versorgen.

          Jedoch könnte die Finanztransaktionssteuer diese sogenannten Repo-Geschäfte deutlich verteuern. Bankenkreise befürchten möglicherweise ein Absterben des Repo-Marktes in Europa, weil sich diese Transaktionen nicht mehr lohnen könnten. Sie schätzen, dass zwischen 30 und 40 Prozent der Bundesanleihen von den Investoren zu Repo-Zwecken gehalten werden.

          Die Renditen liegen für Bundesanleihen seit längerem auf historisch niedrigem Niveau. Damit verbunden sind hohe Kursgewinne, weil Bundesanleihen zu den wenigen Schuldtiteln gehören, die bei allen drei Ratingagenturen die höchste Einstufung („Aaa“/„AAA“) besitzen und als nahezu ausfallsicher gelten. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt gegenwärtig unter denen der Vereinigten Staaten (1,63 Prozent), Großbritanniens (1,63 Prozent) oder Frankreichs (1,66 Prozent). Allerdings zahlen die Schweiz und Japan mit jeweils rund 0,5 Prozent in dieser Laufzeit noch weniger Zinsen.

          Mit 2,65 Billionen Euro entfiel im Jahr 2012 die Hälfte des Handels auf die zehnjährige Bundesanleihe. Dahinter folgt die fünfjährige Bundesobligation mit 1,2 Billionen Euro oder 23 Prozent. Das Handelsvolumen zweijähriger Schatzanweisungen erreichte 692 Milliarden Euro. Deren Rendite sank am Donnerstag wieder in den negativen Bereich.

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