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„Brand-Bonds“-Pleiten : Viele Mode-Anleihen waren eine schlechte Wahl

Schick, aber pleite: Rene Lezard hat gerade Insolvenz angemeldet. Bild: Imago

Mit René Lezard geht der fünfte Emittent in die Insolvenz. Der Absprung von verunsicherten Investoren ist ein großes Problem. Auf welche Faktoren kann man also bei Mittelstandsanleihen vertrauen?

          In den Hochzeiten des Marktes für Mittelstandsanleihen galten die sogenannten „Brand-Bonds“, also Anleihen von Unternehmen mit bekannten Namen, einst als die bessere Wahl. Auch etliche Mode-Unternehmen deckten damals ihren Finanzbedarf am Kapitalmarkt. Mit der Modemarke René Lezard ging nun das fünfte dieser Unternehmen in die Insolvenz.Gut ein halbes Jahr lang hatte das Unternehmen um eine Anschlussfinanzierung für im März fällige Bankkredite und die im November fällige Anleihe im Volumen von 15 Millionen Euro gerungen. Dreimal hatten die Anleihegläubiger Zinsen gestundet und auf mehr als 40 Prozent ihrer Forderungen verzichtet.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Ende war es vergeblich. Nachdem ein Investor, mit dem man sich in fortgeschrittenen Verhandlungen befunden hatte, diese abbrach, stellte René Lezard nun einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Geplant ist dabei zunächst ein sogenanntes Schutzschirmverfahren. In der Praxis mündet dieses stets in die Insolvenz in Eigenverwaltung.

          Das Abspringen von Finanzierungspartnern

          Es war das zweite Mal, dass ein Geldgeber die Verhandlungen abbrach. Schon im vergangenen September war laut René Lezard eine Folgefinanzierung „verbindlich“ vereinbart. Auf dieser Grundlage bewog man die Anleihegläubiger zum teilweisen Forderungsverzicht – nicht ohne den Hinweis, dieser sei „alternativlos“ und anderenfalls drohe eine Insolvenzquote von null Prozent. Doch wie jetzt platzte damals die Finanzierung.

          Die Reihe der Insolvenzen unter den Emittenten von Mode-Anleihen hatte 2014 mit dem Händler Strenesse begonnen, beschleunigte sich aber in den vergangenen zwölf Monaten. Vor einem Jahr ging zunächst das Modehaus Steilmann unter, im September folgte die Modekette Rudolf Wöhrl und kurz darauf der Escada-Nachfolger Laurèl. Alle Unternehmen hatten in den Jahren davor mit stagnierenden und rückläufigen Umsätzen zu kämpfen. Vor allem aber gelang es ihnen nicht, ihre Ertragssituation hinreichend zu stabilisieren. Die Modemarken kamen nicht aus den roten Zahlen, die Margen der Händler schrumpften zu nichts zusammen. Vor allem der wachsende Online-Handel machte den Unternehmen zu schaffen, die sich dort nicht hatten etablieren können. Für René Lezard und Laurèl entwickelte sich zudem der Großhandel schlecht. In beiden Fällen gab zuletzt das Abspringen von Finanzierungspartnern den Ausschlag.

          Aufgrund einer „schlechten Lieferperformance“

          Besser scheint die Lage der Hersteller zu sein. Dem Hemdenfabrikanten Eterna gelang es Anfang des Monats sogar, eine neue Anleihe im Volumen von 25 Millionen Euro zu plazieren und sich dadurch ein Schuldscheindarlehen von 33 Millionen Euro zu sichern. Dabei verbucht auch Eterna nur minimale Umsatzsteigerungen und hat aufgrund anhaltender Verluste eine wachsende Eigenkapitallücke. Zugute kommt Eterna indes der Rückhalt des Großaktionärs, des Finanzinvestors Quadriga, der immer wieder mit Nachrangdarlehen aushilft.

          Der Rückhalt des Hauptgesellschafters ermöglichte auch das Überleben des Herrenausstatters Peine. Der jüngste Geschäftsbericht, den das Unternehmen nach langem Schweigen Mitte Dezember für das Jahr 2014 vorlegte, liest sich dramatisch. Demnach brach der Umsatz um rund 60 Prozent ein, der Verlust stieg um 85 Prozent. Die Eigenkapitalquote lag bei minus 52 Prozent. Kunden und Lieferanten seien nicht zuletzt aufgrund einer „schlechten Lieferperformance“ misstrauisch gewesen.

          Nur durch die vom chinesischen Hauptgesellschafter Schandong Ruyi seit Ende 2013 bereitgestellten Darlehen und Waren zu günstigen Zahlungskonditionen habe eine Insolvenz abgewendet werden können. Mittlerweile habe sich die Lage verbessert. Auch im Fall des Modehändlers Hallhuber sorgte ein neuer Gesellschafter für Ruhe. Nach der Übernahme durch Gerry Weber beseitigte die vorzeitige Kündigung der Anleihe alle Zweifel.

          Klare Konturen helfen

          Um die meisten anderen Mode-Emittenten ist es derzeit ruhig geworden. Der Eterna-Konkurrent Seidensticker konnte nach Jahren verlustreichen Wachstums in jüngster Zeit Gewinne erwirtschaften. Zudem ist die Unternehmensanleihe wie auch die der Modemarke More&More erst 2018 fällig. Unter den Mode-Emittenten, deren Anleihen 2017 fällig werden, ist es neben Eterna nur dem Golfmode-Hersteller Golfino gelungen, eine Refinanzierung zu bewerkstelligen. Von einer Anleihe im Volumen von nur vier Millionen Euro konnten zwar nur drei Millionen abgesetzt werden. Die Zukunft sicherte aber dann ein umfangreicher Konsortialkredit.

          Name Kurs %
          ETERNA MODE HLD 17/22 -- --
          COMMERZBANK INTRAD 1 -- --
          Teva Optionsschein Put 12 2019/10 (GS) -- --

          Insgesamt scheinen die entscheidenden Faktoren der Fokus der Marke zu sein, der bei Eterna, Golfino oder Seidensticker klarere Konturen hat als bei eher breit gefächerten Modemarken wie René Lezard oder Laurèl sowie Handelsketten wie Steilmann oder Wöhrl. Klare Zusagen eines Finanzierungspartners scheinen darüber hinaus ebenso hilfreich, wohingegen der Verlust dieses Rückhalts kaum zu bewältigen zu sein scheint.

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