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Mittelstandsanleihen : Verwirrung um Windreich

Bild: dpa

Der schillernde Chef des insolventen Windkraftkonzerns Windreich, Willi Balz, war immer schon für Alleingänge gut. Seine jüngste Eskapade sorgt bei der Insolvenzverwaltung für Verstimmung.

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          Mehr als zweieinhalb Jahre ist es her, seit das Windkraft-Unternehmen Windreich Insolvenz anmelden musste. Seitdem bemüht sich die Insolvenzverwaltung teils mit, teils ohne den frühren Chef Willi Balz um Investoren für die Windparks des Unternehmens.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach einigen Teilerfolgen der Insolvenzverwaltung sorgt Unternehmensgründer Balz jetzt für Verwirrung. Dieser hat in der vergangenen Woche die Anleihegläubiger für den 31. Mai zu einem Treffen eingeladen. Tagesordnung ist die Vorstellung eines Angebots der Aeolus Offshore für drei Windkraftprojekte.

          Bloß war diese Einladung weder mit dem Insolvenzverwalter noch mit den gemeinsamen Vertretern der Gläubiger abgestimmt. Das hat zur Folge, dass es sich dabei nicht um eine Gläubigerversammlung handelt, sondern nur um ein private Veranstaltung.

          Erschwerend kommt hinzu, dass weder der Insolvenzverwaltung noch den Gläubigerausschüssen nach eigenem Bekunden ein bindendes Angebot der
          Aeolus Offshore ohne Vorbehalte und mit wirksamen Finanzierungsbestätigungen vorliegt. Daher haben beide mitgeteilt, dass sie an diesem Treffen nicht teilnehmen werden.

          Die Kurse der Anleihen der Windreich AG legten dennoch seit Balz' Ankündigung deutlich zu: Mit rund 14 Prozent des Nominalwerts werden diese so teuer gehandelt wie seit 28 Monaten nicht mehr.

          Das Verhältnis zwischen Balz und der Insolvenzverwaltung ist stets schwierig gewesen. Im Jahr 2014 etwa erklärte Insolvenzverwalter Holger Blümle, er begrüße Balz Bemühungen um Investoren. Gleichzeitig sagte Blümle, er könne nicht mit „dem grenzenlosen Optimismus von Herrn Balz“ zu Werke gehen, sondern dürfe keine Erwartungen wecken, die sich später als nicht erfüllbar herausstellten. Dies zeigte schon damals deutlich, dass Balz und der Insolvenzverwalter getrennte Wege gehen. Zumal Balz Blümle unterstellte, er habe die Absicht, Windreich zu zerschlagen.

          Balz‘ Versprechen waren immer groß: Die Inhaber der beiden Mittelstandsanleihen über 125 Millionen Euro sollten ihr Geld in vollem Umfang zurückerhalten, hieß es etwa vor zwei Jahren. Blümle argumentierte, es handele sich bei den Vorschlägen nur um Prognosen und somit fehlten für wirkliche Entscheidungen die Grundlagen.

          Telefonkonferenz für Gläubiger

          Wie es scheint, liegen die Positionen von Balz und Blümle noch immer weit auseinander. Es scheint sich auch, um das alte Problem zu handeln: Während Balz hier den Retter vor der Tür wähnt, sieht Blümle dies erheblich nüchterner und will daher keine Hoffnungen wecken.

          Sein eigene Einschätzung der Situation will er nun auf einer Gläubigerversammlung vorstellen, die auch rechtlich eine solche ist. Stattfinden soll diese als Telefonkonferenz am 23. Mai, also noch vor der Veranstaltung von Willi Balz. Auf Initiative der gemeinsamen Vertreter hat der Insolvenzverwalter schon am Dienstag neue Informationen zum Projektstand Merkur Offshore (vormals MEG I) im Gläubigerinformationssystem eingestellt.

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