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Mittelstandsanleihen : Karlie beantragt Insolvenz

Hund mit Booga-Ball von Karlie Bild: Karlie Group

Die Insolvenzen von Emittenten von Mittelstandsanleihen geht weiter. Die Pleite des Tierbedarfhändlers Karlie kommt allerdings nicht überraschend.

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          Es war absehbar: Nach langem Ringen um die eigene Existenz hat der Tierbedarfshersteller Karlie nun Insolvenz beantragt. Und abermals müssen die Inhaber von rund zehn Millionen Euro an Mittelstandsanleihen darum bangen, was ihnen am Ende noch bleiben wird.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gelitten haben die Gläubiger schon seit einiger Zeit. Karlie, das Dinge wir Hundeleinen oder Kaninchenkäfige herstellt, steckte schon lange in Schwierigkeiten. 2009 hatte der Finanzinvestor Perusa das einst als Pflegesalon für Katzen und Hunde gegründete Unternehmen übernommen. Die Idee war, Karlie mit ähnlichen Firmen wie der belgischen Flamingo und der britischen Sharples & Grant zusammenzuführen und daraus einen großen europäischen Tierbedarfshersteller zu schmieden.

          Nur funktionierte dies aus verschiedenen Gründen nicht. Hatte Karlie für sich noch leidlich Gewinn erwirtschaftet, stürzte es als internationaler Konzern ab. 2013 betrug der Verlust noch rund zwei Prozent des Umsatzes, 2014 schon neun und 2015 fast 14 Prozent. Die Restrukturierungsmaßnahmen fruchteten nicht schnell genug und Ende 2015 stand die Karlie-Flamingo-Gruppe schon kurz vor der Insolvenz. Mittel der Gesellschafter retteten die Gruppe ebenso wenig wie die im Frühjahr vereinbarte Verlängerung der Laufzeit der Anleihe und Senkung der Zinsen.

          Letztlich nahm das nun eingetreten Unheil Mitte Oktober seinen Lauf, als einer der Geschäftsführer der belgischen Tochtergesellschaft Karlie Flamingo Belgium Holding einen Insolvenzantrag stellte. Gegen diesen hatte die Karlie Group eigentlich vorgehen wollen, weil er nicht gerechtfertigt sei.

          Doch Anfang November stellten zwei Banken der belgischen Unternehmen Kredite fällig, und über die Schuldner wurden dann von Amts wegen Insolvenz eröffnet. Damit war der frühere Insolvenzantrag für die Holding spätestens gerechtfertigt. Zu diesem Zeitpunkt schien die Insolvenz der Gruppe schon nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Denn der belgische Teil der Gruppe war eben ein wesentlicher Teil des Konzerns. Vom britischen Teil hatte man sich zu diesem Zeitpunkt schon mit Verlust getrennt.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Die Rating-Sgentur Scope hatte die Bonitätsnote des Konzerns schon kurz nach dem Insolvenzantrag in Belgien auf „SD“ herabgestuft, was einen teilweisen Ausfall der Forderungen bedeutet. Der Kurs der Anleihe war schon kurz nach der Emission im Juni 2013 ins Rutschen gekommen. Dieser Trend beschleunigte sich im Zeitablauf und schon im Februar 2016 wurden für die Inhaberschuldverschreibung nur noch sieben Prozent des Nominalwerts bezahlt.

          Nach der Restrukturierung der Anleihe ging es bis auf 30 Prozent nach oben. Mit den Insolvenzanträgen aber brach der Kurs völlig weg. Mitte November wurden noch 1,1 Prozent des Nominalwerts bezahlt.

          Die Geschäftsführung will das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchlaufen, um die „weit vorangeschrittene bilanzielle Restrukturierung“ fortzusetzen. Das operative Geschäft der werthaltigen (deutschen) Tochtergesellschaft Karlie Flamingo GmbH bleibe unberührt und werde uneingeschränkt fortgeführt.

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