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Mittelstandsanleihen : Sorgen um Anleihen der Enterprise Holdings

Gibraltar bot dem Geschäft der Enterprise Holdings bislang Schutz. Bild: Wittershagen

Die wichtigste operative Tocher der Enterprise Holdings ist insolvent und wird von der Aufsichtsbehörde abgewickelt. Das neue Geschäftsmodell scheint noch unklar, die Anleihenkurse sind drastisch gefallen.

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          Es soll nicht verschwiegen werden: Nicht alles ist schlecht am Markt für Mittelstandsanleihen. So hat die Rating-Agentur Creditreform seit Ende Juni in immerhin drei Fällen Unternehmens-Ratings um eine Stufe heraufgesetzt – unter anderem für den Immobilienprojektentwickler Eyemaxx, der Ende Juli seine Erste Anleihe aus dem Jahr 2011 fristgerecht tilgte. Ein anderes positives Beispiel ist der Eigenheimbauer Helma, der am 19. September seine 2013 begebene Anleihe zwei Jahre früher als vorgesehen zurückzahlt. Das sind dann immerhin 45 Millionen Euro, die anstandslos getilgt wurden.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Anderenorts aber brauen sich dagegen Gewitterwolken zusammen. Dabei geht es um knapp 40 Millionen Euro, die der Spezialversicherer Enterprise Holding in Form von zwei Anleihen ausstehen hat. Diese sind zwar erst 2017 und 2020 fällig, doch haben sich zuletzt Entwicklungen beim Unternehmen ergeben, die Beobachter ratlos zurücklassen. Das gilt auch für die Rating-Analysten von Creditreform, die vor einigen Tagen ihr Rating aussetzte, weil man im Augenblick die Informationslage als nicht ausreichend ansehe, um das Rating aufrecht zu halten.

          Probleme mit Solvency II

          Die Enterprise Holdings ist eine in Jersey ansässige Versicherungsholding. Ihre operativen Gesellschaften bieten sogenannte „White-Label Versicherungen“ außerhalb des Lebensversicherungsbereichs an, vor allem Autohaftpflicht, Rechtsschutz, Hausrat und Garantieleistungen. Spezialisiert ist sie dabei vor allem auf Nischen, in der andere Versicherer kein Geschäft machen wollen.

          Dabei hatte das Unternehmen schon längere Zeit damit zu kämpfen, dass die in Gibraltar ansässige operative Tochtergesellschaft EIC nicht vermochte, die Solvenzanforderungen für Versicherer (Solvency II) zu erfüllen. Hatte nun der Vorstandsvorsitzende Andrew Flowers noch im April in einem Interview angekündigt, man werde „innerhalb des Kalenderjahres 2016 alle Vorgaben aus Solvency II vollumfänglich erfüllen“, so überraschte das Unternehmen dann Ende Juli mit einer Meldung: Man habe bei der Aufsichtsbehörde Gibraltar Financial Services Commission (GFSC) einen Antrag auf Übernahme der Geschäfte durch die Behörde und Abwicklung der EIC gestellt. Grund sei eine wesentliche Verschlechterung der Situation der Gesellschaft gewesen. Dies die beste Lösung zum Schutz der Versicherungsnehmer, sagte Flowers.

          Nach Prüfung insolvent

          In britischen Branchenmedien und seitens der Aufsichtsbehörde liest sich dies etwas dramatischer. Vom „Kollaps“ des Versicherers ist hier die Rede. Vor Gericht sei das Unternehmen als „hoffnungslos insolvent“ beschrieben worden, berichtete die „Irish Times“: 11 bis 18 Millionen Pfund fehlten dem Unternehmen. Die Aufsichtsbehörde selbst berichtet, man habe dem Unternehmen das Neugeschäft und jegliche Auszahlungen ohne Genehmigung untersagt, nachdem sich dieses für zahlungsunfähig erklärt habe.

          EIC habe aufgrund von Sorgen um seine finanzielle Lage schon seit Jahresbeginn unter Beobachtung der Behörde gestanden. Diese habe vom Unternehmen die „unabhängige Verifizierung wichtiger Positionen“ gefordert. Nach Vorlage dieser Prüfung habe sich EIC für insolvent erklärt. Die Situation zeige, wie wichtig es sei, unabhängige Informationen zu erhalten. Das habe die GFSC in die Lage versetzt, umgehend zu handeln, um Schaden von den Versicherungsnehmern abzuwenden, sagte Samantha Barrass, Chefin der Kommission laut Pressemeldung.

          Der britische Einlagensicherungsfonds für Finanzdienstleister FSCS erklärte kurz darauf den Zahlungsausfall für EIC und erklärte sich zum Einspringen bereit. Nach einer Meldung des Branchendienstes „InsuranceAge“ unter Berufung auf den Liquidator des Unternehmens könnte das Vermögen von EIC nicht ausreichen, um alle Verbindlichkeiten zu erfüllen. Versicherte sollten neue Policen abschließen.

          Agentur und Restaurant

          Künftig will die Enterprise Holdings über die Tochtergesellschaft Andeva Versicherungen anbieten. Diese ist im Unterschied zu EIC aber kein Großhändler, sondern eine Agentur, die Leistungen eines anderen Versicherers mit Unterstützung eines Rückversicherers anbietet. Diese Lösung bietet zwar womöglich den Vorteil, dass Enterprise Versicherungsleistungen mit geringeren Kosten anbieten kann. Hans-Jürgen Friedrich, Vorstand der Fondsgesellschaft KFM Deutsche Mittelstand, rechnet dennoch mit eher geringeren Margen.

          Zudem ist diese Lösung offenbar noch nicht operationsbereit. Man plane Gespräche mit dem Versicherungsmarkt um zu ermitteln, wie man „die Leistungsstärke durch Unterstützung eines Rückversicherers“ sicherstelle, heißt es von Unternehmensseite. Stand der Dinge ist also wohl, dass das bisherige Versicherungsgeschäft in die Abwicklung geht und eine Ersatzlösung noch nicht steht.

          Dafür möchte der Konzern in den Freizeitsektor zu diversifizieren und noch im September ein Restaurant, das „Oxford Blue“ in Windsor, eröffnen. Anfang November soll eine zweiter Betrieb folgen, beide sollen von Anfang an einen deutlichen Gewinnbeitrag bringen.

          Von „Investment Grade“ zur Aussetzung

          Derzeit ist noch unklar, wie es mit Enterprise Holdings weitergehen wird. Das scheint auch für die Rating-Analysten der Agentur Creditreform zu gelten. Diese hat das Rating der Anleihen ausgesetzt. Vor dem aktuellen Hintergrund sehe man die Informationslage als nicht ausreichend an, um das Rating aufrecht zu halten. Pikanterweise war die erste Enterprise-Anleihe einst mit der guten Note „A-„ mit die am besten bewertete Anleihen am Markt für Mittelstandsanleihen gewesen. Auch unmittelbar vor der Rating-Aussetzung lagen sie mit „BBB“ bzw. „BBB-„ noch im Bereich besserer Bonität.

          Die nächste Zinszahlung im September scheint allerdings gesichert, da das Unternehmen zu diesem Zweck Geld auf Sonderkonten geparkt hat. Dieser beträgt nach Unternehmensangaben für die 2017 fällige Anleihe aktuell 3,427 Millionen Euro bei einer fälligen Zahlung von 1,37 Millionen. Für die 2020 fällige Anleihe sind im kommenden März sind rund 2,17 Millionen Euro fällig. Das Sonderkonto enthält derzeit aber nur 735.000 Euro.

          Name Kurs %

          Die Anleger reagierten jedenfalls betroffen. Der Kurs der 2017 fälligen Anleihe stürzte von rund 100 auf 38 Prozent ab, der der 2020 fälligen Papiers von rund 75 auf 29 Prozent. Schon der in der Ausgangslage deutliche Bewertungsabschlag kann so bewertet werden, dass sich die Anleger vor allem auf den Stand der Sonderkonten verließen, während das Geschäftsmodell als eher schwer durchschaubar galt.

          „Andrew Flowers muss schnellstens genau erklären, wie das neue Geschäftsmodell der Enterprise Holdings aussehen soll und wie er auskömmliche Erträge erwirtschaften will“, sagt KFM-Vorstand Friedrich. „Derzeit können die Anleger das Geschäftsmodell nicht mehr greifen. Es liegt in der Verantwortung des Emittenten, das zu ändern.“

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