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Solarworld-Insolvenz : „Zu Asbeck und Qatar gab es keine Alternative“

  • Aktualisiert am

Solarworld-Insolvenzverwalter Horst Piepenburg (Archivbild) Bild: dpa

Insolvenzverwalter Piepenburg plaudert aus dem Nähkästchen: Das Interesse an Solarworld war groß, doch erschöpfte sich meist in Worten. Geld war praktisch keins mehr da.

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          Herr Piepenburg, was haben Sie nach der Insolvenz bei Solarworld vorgefunden?

          Es war praktisch keine Liquidität verfügbar, die Kontenbestände waren komplett verpfändet. Wir bekamen keinen Zugriff. Aber Pfandrechte lagen nicht nur auf Konten und den Geschäftsanteilen an Tochtergesellschaften, sondern sogar auf Vorräten und Produktionsmitteln. Es war nicht einfach, den Produktionsbetrieb unter diesen Umständen aufrechtzuerhalten.

          Warum ist die Lösung mit Asbeck und Qatar Solar die beste?

          Sie sichert mehr als 500 Arbeitsplätze und die Finanzierung einer Transfergesellschaft für weitere 1200 Mitarbeiter. Ich muss niemanden an den Produktionsstandorten in die unmittelbare Arbeitslosigkeit entlassen. Nur im Rahmen dieses Verkaufes besteht für die Gläubiger jetzt die Chance auf eine Quote, weil er den Wegfall von Masseschulden in Millionenhöhe zur Folge hat.

          Womit können die Sicherungsgläubiger rechnen, jene Fonds und Investoren also, denen die Pfandrechte gehören?

          Sie werden ebenfalls auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen. Ein Teil des Kaufpreises fließt jetzt unmittelbar an diese Gläubigergruppe, der andere Teil in die Insolvenzmasse, aus der im weiteren Verfahren die Ansprüche zu bedienen sind.

          SOLARWORLD IS.14(14-19)

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          Was können Sie von der alten Solarworld AG jetzt noch verwerten?

          Der wichtigste Posten sind die Anteile der AG an der amerikanischen Tochtergesellschaft. Der Verkaufsprozess läuft, die ersten Gebote sind da. Außerdem verwerten wir die Anteile an der Solarparc GmbH und der Deutschen Lithium, also der Explorationsgesellschaft im Erzgebirge.

          Gab es Alternativen zur Lösung mit Asbeck und Qatar?

          Die einzige Alternative wäre die Schließung und Abwicklung der Firma gewesen. Asbeck und Qatar kamen mit ihrer Initiative in praktisch letzter Minute. Als am 19. Juli die Idee zu einem gemeinsamen Gebot entstand, war das Stilllegungsszenario für die beiden Werke schon in der Planung. Für eine sichere Schließung der Werke, in denen ja mit gefährlichen Chemikalien gearbeitet wird, und die anschließende Standortsanierung hätte die öffentliche Hand im Wege der Ersatzvornahme vermutlich mit einem zweistelligen Millionenbetrag einspringen müssen. Die Gläubiger wären auf jeden Fall leer ausgegangen.

          Es soll viele andere Interessenten gegeben haben. Wie stand es mit denen?

          Es gab vier weitere Gebote für das Gesamtunternehmen, die aber alle einen großen Haken hatten. Die Finanzierung war ungeklärt, angebliche Mitinvestoren existierten nicht, es gab Fragen zum Hintergrund der Interessenten. Oder die Bieter hätten noch viele Wochen gebraucht, um ein verbindliches Angebot auszuarbeiten. Dafür war keine Zeit, weil wir kein Geld mehr hatten, um den Betrieb so lange aufrechtzuerhalten. Außerdem hatten wir eine Handvoll Angebote für Maschinen und andere Vermögensteile, die aber ebenfalls nicht mithalten konnten.

          Es war zwischendurch viel von einer Offerte der niederländischen Prisma Systems die Rede. Angeblich hätte sie viel mehr Arbeitsplätze bewahren wollen.

          Ich sage dazu nur so viel: Bieter, die in der Öffentlichkeit für sich werben, haben in aller Regel große Defizite. Es gab von Prisma nie ein zeitgerechtes und verbindliches Angebot. Davon abgesehen, ließen sich Angaben zu Projektvolumina des Unternehmens nicht verifizieren und wurden auch nicht durch Prisma erhärtet.

          Herr Asbeck gilt als eigensinnig. Wie kommen Sie miteinander aus?

          Es hat sich eingependelt. Am Anfang gab es Situationen, in denen es auf beiden Seiten sehr laut wurde. Aber dann hat er auf die Lage sehr professionell reagiert. Es war sehr förderlich, dass er die Produkte, den Markt und das weltweite Umfeld in großer Detailschärfe kennt.

          Wie steht es um Haftungsansprüche gegen Asbeck? Zum Beispiel wegen zu später Information über die Lage des Unternehmens?

          Sein Engagement für die Rettung eines Teils des Unternehmens ändert nichts daran, dass ich pflichtgemäß Haftungsansprüche prüfen werde.

          Asbeck hat das Unternehmen schon mal vor die Wand gefahren. Warum soll er jetzt der Richtige sein?

          Als Insolvenzverwalter ist es nicht meine Aufgabe, das künftige Geschäftsmodell des einzigen realistisch in Frage kommenden Bieters zu beurteilen. Aber die Sicherungsgläubiger sind von der Richtigkeit der Entscheidung ebenso überzeugt wie die in der Versammlung am Freitag beim Amtsgericht Bonn vertretenen Arbeitnehmer, Lieferanten, Versorger und Dienstleister. Und Asbeck kann ohne jede Einarbeitungsphase sofort starten.

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