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Ratingagentur S&P : Keine Bestnoten für den Mittelstand

  • -Aktualisiert am

Karl-Heinz Streibich, Vorstandsvorsitzender der Software AG. Sein Unternehmen gehört zu den beiden höchst bewerteten der Studie Bild: dpa

Insgesamt sind deutsche Mittelständler zwar solide finanziert, in die höchsten Bewertungsränge schaffte es nach der Prüfung durch Standard & Poor’s aber keiner. Auch gibt es große Unterschiede zwischen den Unternehmen.

          Wie stark sind die deutschen Mittelständler mit Blick auf ihre Finanzlage wirklich? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht, weil die allermeisten mittelständischen Betriebe eigentümergeführt sind und ihre Zahlenwerke nicht veröffentlichen. Aber der stichprobenartige Befund, den die Ratingagentur Standard & Poor’s nun zum zweiten Mal durchgeführt hat, lässt immerhin die Vermutung zu: Viele Unternehmen sind solide durchfinanziert und können ihre Schulden auch weiterhin bedienen. „In der Tendenz sehen wir sogar eine leichte Verbesserung der Bonitätseinschätzungen, aber es gibt große Unterschiede zwischen den einzelnen Betrieben“, sagte der zuständige S&P-Manager Tobias Mock zur Präsentation der Studie.

          25 deutsche Unternehmen mit Umsätzen zwischen 130 Millionen Euro (der Maschinenbauer Singulus) und knapp 1,5 Milliarden Euro (der Windturbinenbauer Nordex) haben sich die Ratingfachleute angeschaut. Keines davon besitzt bereits eine offizielle Bonitätsbewertung von S&P, und es handele sich auch nicht um eine Auftragsarbeit, erklärte der S&P-Manager Mark Währisch. Es gab für alle Unternehmen aber öffentlich zugängliche Bilanzinformationen. Und es sind viele Betriebe dabei, die ihre Umsätze in den vergangenen anderthalb Jahren kräftig steigern konnten.

          In die höchsten Bewertungsränge, für welche im System der Bonitätsprüfer der Buchstabe „A“ steht, schaffte es jedoch kein einziger Mittelständler. Das aber sei per se kein schlechtes Zeichen, sagte Währisch, weil für diese Bestnoten besonders strenge Anforderungen gelten, die ein Mittelständler schon wegen fehlender Größe nur schwer erfüllen könne. In die „A“-Kategorie fallen zum Beispiel Dax-Konzerne wie Henkel, Bayer oder BASF. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Konzern seine Schulden nicht pünktlich zurückzahlen kann, liegt für die Bonitätsprüfer statistisch bei weniger als 1 Prozent.

          „Wir bewerten mit dem Konjunkturzyklus im Blick“

          Zwei Mittelständler (der Baumaschinenhersteller Wacker Neuson und die Software AG) erhielten in der Untersuchung immerhin eine Note, die der Bonitätsbewertung „BBB“ entspricht – sie zählen damit noch zu den besonders sicheren Schuldnern. 13 weitere Betriebe landeten in der „BB-Kategorie“. „Das bedeutet immer noch eine relativ gute Kreditqualität“, sagte Währisch. Allerdings seien die Ausfallwahrscheinlichkeiten hier im Laufe der Jahre doch schon deutlich höher als in der Spitzenklasse.

          Neun mittelständische Unternehmen stuften die Prüfer mit dem Äquivalent einer „B“-Note und damit als sehr spekulativ ein. Sollten sich die Geschäftsaussichten dieser Unternehmen verschlechtern, werden Zahlungsausfälle sehr wahrscheinlich. Wie schnell das gehen kann, zeigen die Beispiele von S.A.G. Solarstrom und des Chemieunternehmens Hansa Group. Beide hatten in der letztjährigen S&P-Untersuchung bereits eine „B“-Note erhalten, inzwischen sind beide Betriebe in die Insolvenz gegangen.

          Sollten sich die Geschäfte der Unternehmen nun verschlechtern, weil in vielen Ländern dieser Erde das Wachstum nachlässt, bedeute dies nicht automatisch eine Herabstufung der Bonität, erläuterte Währisch. Denn die Unternehmen können Maßnahmen ergreifen, etwa Kosten senken, um ihre finanzielle Stärke auch im Abschwung zu erhalten. „Wir bewerten mit dem Konjunkturzyklus im Blick“, sagte Währisch. Dass die Zeiten härter werden, davon gehen viele Mittelständler jedenfalls aus. In der Umfrage der staatlichen Förderbank KfW und des Ifo-Instituts für Oktober bewerteten viele Betriebe ihre laufenden Geschäfte zwar als stabil. Der Blick nach vorne hat sich jedoch deutlich eingetrübt. „Die Unternehmen sind verunsichert und halten sich wegen der enttäuschten Wachstumshoffnungen in Europa und der zahlreichen geopolitischen Risiken mit Investitionen zurück“, resümierten die KfW-Forscher.

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