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Mittelstandsanleihen : Große Nachfrage nach Hörmann-Anleihe

DOSB-Präsident Alfons Hörmann war bis Februar noch Geschäftsführer des Familienunternehmens. Bild: dpa

Mittelstandsanleihen sind nicht immer Katastrophen. Zumindest ist die neue Anleihe des Autozulieferers Hörmann momentan extrem gefragt.

          Mittelstandsanleihen werden gern mit Insolvenzen, Ausfällen und hohen Verlusten für die Anleger assoziiert. Das geschieht nicht zu Unrecht, auch wenn man ebenso konstatieren muss, dass rund 850 Millionen Euro an Anleihen ordnungsgemäß oder vorzeitig getilgt wurden. Es ist also nicht alles schlecht.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dass das auch die Anleger so sehen, zeigt die Reaktion auf ein neues Anleihenangebot des Autozulieferers Hörmann Finance. Dies stieß bei den Investoren auf so großes Interesse, dass die Emission schon am Dienstag, dem ersten Tag der Zeichnungsfrist, um 15 Uhr vorzeitig beendet wurde. Ursprünglich sollte die Frist bis zum Donnerstag währen.

          Hörmann bot die fünfjährige Anleihe mit einem Volumen von bis zu 30 Millionen Euro zu einem Zinssatz zwischen 4,25 und 4,75 Prozent an. Diese Spanne war das Resultat von Investoren-Gesprächen und wie die Nachfrage zeigt, scheint dies den Anlegern akzeptabel. Am Ende wurde der Zins auf 4,5 Prozent festgelegt. Den Erlös will Hörmann dazu verwenden, seine 2013 begebene und mit 6,25 Prozent deutlich höher verzinste Anleihe im Volumen von 50 Millionen Euro ablösen. Die restliche Tilgungsleistung soll aus Barmitteln erfolgen.

          Solide Bilanz

          Bekannt ist der Name Hörmann nicht nur von der Bandenwerbung bei Fußballspielen. Das Familienunternehmen ist auch anderweitig dem Sport verbunden: Alfons Hörmann, bis Februar noch Geschäftsführer, ist Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Börsianern ist Hörmann als Großaktionär der Funkwerk AG bekannt.

          Hörmann kann mit seinen Verschuldungszahlen punkten. Da der Konzern rund 20 Millionen Euro an eigenen Mitteln aufwenden will, sinkt die Verschuldung. Bis zu 30 Millionen Euro sind dann geringer verzinst und kosten rund 500.000 Euro jährlich weniger.

          Das kann sich das Unternehmen leisten, weil es bilanziell gut aufgestellt ist. Zur Jahresmitte verfügte Hörmann bei einem Jahresumsatz von rund 400 Millionen Euro nicht nur über Barmittel in Höhe von 71 Millionen Euro. Vielmehr waren diese auch um rund 20 Millionen Euro höher als die Finanzschulden. Geht die Emission so über die Bühne wie erhofft, wird Hörmann diesen Überhang erhalten. Der Bestand an liquiden Mitteln wird mit dem Schuldenstand sinken. Dies ist eine Botschaft, die bei den Investoren offenbar verfängt. Mit zuletzt 33 Prozent verfügt Hörmann zudem über eine solide Eigenkapitalquote.

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          Darüber scheinen die Anleger auch zu akzeptieren, dass Hörmann für das laufende Jahr einen Rückgang des Umsatzes um 5 bis 7 Prozent und des operativen Gewinns um 15 Prozent prognostiziert hat.

          2014 hatte Hörmann unter einer schwachen Nachfrage in Westeuropa, dem Ukraine-Konflikt und der Einführung der EURO-VI-Abgasnorm für Lkw zu leiden gehabt. Das Unternehmen leitete daraufhin im größten Geschäftsbereich, der Autozulieferung, eine Restrukturierung ein.

          Unter anderem wurden Kapazitäten reduziert und Produktion in die Slowakei verlegt. Daneben wird wohl der Umsatz mit Ingenieurdienstleistungen deutlich sinken. Der Geschäftsbereich gehe in eine Konsolidierungsphase, in der neue, in der Regel mehrjährige Projekte starteten.

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