https://www.faz.net/-gvt-8f4r8

Modekonzern : Steilmann meldet Insolvenz an

  • Aktualisiert am

Kaum gefragt: Mode von Steilmann Bild: dpa

Der Modekonzern meldet kurz nach Börsengang seine Zahlungsunfähigkeit. Erst vor wenigen Monaten hatte sich das Unternehmen mühsam aufs Parkett geschleppt.

          Das Bekleidungsunternehmen Steilmann, zu dem unter anderem die Adler Modemärkte gehören, ist insolvent. „Der Vorstand der Steilmann SE ist nach umfassender Prüfung heute zu der Überzeugung gelangt, dass im Zuge des aktuellen Geschäftsverlaufs die Steilmann SE zahlungsunfähig ist“, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Bergkamen in einer Pflichtmitteilung mit. Sanierungsverhandlungen hätten keinen Erfolg gehabt. „Der Vorstand wird vor diesem Hintergrund nunmehr unverzüglich den Insolvenzantrag stellen“, hieß es weiter. Das Unternehmen war zunächst nicht für Nachfragen zu erreichen.

          Das Unternehmen mit international mehr als 8300 Mitarbeitern war erst im November 2015 an die Börse gegangen - mit geringem Erfolg. Damit der Börsengang überhaupt stattfinden konnte, hatte sich der Modekonzern mit der Zielgruppe „Best Ager (45+)“ dazu entschlossen, die Zahl der angebotenen Aktien auf die Mindestvoraussetzungen für die Zulassung zum regulierten Markt an der Frankfurter Börse zu verringern. Letztlich schrumpfte der Emissionserlös von erhofften 98 Millionen Euro auf weniger als 9 Millionen Euro.

          Seit den Neunzigern in der Krise

          Das Unternehmen, das Klaus Steilmann einst in Wattenscheid gegründet hatte, war 2006 von italienischen Unternehmerfamilien übernommen worden, die das Unternehmen bis zuletzt führten.

          Allerdings war Steilmann zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich heruntergewirtschaftet. Die Gruppe war einst Europas größter Konfektionär. 1989 hatte Steilmann noch 1,5 Milliarden D-Mark umgesetzt. 1999 zog sich Klaus Steilmann zurück. Im Wechsel folgten sowohl familienfremde Manager als auch seine drei Töchter an die Unternehmensspitze. 2004 war der Umsatz unter 200 Millionen Euro gefallen und das Unternehmen von der Insolvenz bedroht.

          Zu dem Unternehmen, das sich auf die Altersgruppe der über 45-Jährigen konzentriert, gehören neben "Steilmann" und “Adler“ unter anderem die Marken "Apanage" und "Kapalua" sowie die Boecker-Modehäuser.

          Die Insolvenz der Steilmann-Gruppe passt zu einer Reihe negativer Meldungen aus der deutschen Bekleidungsbranche. So haben Branchenschwergewichte wie Gerry Weber und Hugo Boss über schwache Geschäfte 2015 berichtet. Gerry etwa streicht jeden zehnten der 7000 Arbeitsplätze. Bei Hugo Boss musste der Vorstandschef Claus-Dieter Lahrs nach einer Prognoseherabsetzung abtreten.

          Auch Steilmann hatte im Dezember die Prognosen gesenkt. Statt eines Umsatzwachstums im niedrigen einstelligen Prozentbetrag sowie einer Erhöhung des bereinigten operativen Ergebnisses um einen niedrigen zweistelligen Prozentbetrag stellte die Gesellschaft nur noch Umsatzerlöse auf Vorjahresniveau und einen bereinigten operativen Gewinn von 40 bis 45 Millionen Euro in Aussicht. Das wäre indes immer noch eine leichte Steigerung gewesen.

          Im außerbörslichen Handel bei Lang & Schwarz fiel der Aktienkurs bis zum Donnerstagmorgen um 71 Prozent auf 0,1 zu 1,20 Euro.

          Steilmann hatte zudem 2012, 2014 und 2015 drei sogenannte Mittelstandsanleihen im Gesamtvolumen von 88 Millionen Euro begeben. Deren Kurse waren im Januar zum Teil bis unter 50 Prozent gefallen, hatten sich aber seit dem wieder deutlich erholt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Umfrage : Union und SPD legen zu

          Die Wahl Annegret Kramp-Karrenbauers zur CDU-Vorsitzenden hilft der Union offenkundig in den Umfragen – sie kommt nun auf 31 Prozent. Die SPD liegt wieder zwei Punkte vor der AfD.
          Die Pubertät beginnt immer früher, heute oft schon im Alter von zehn Jahren.

          Konservierungsstoffe : Frühe Pubertät durch Pflegeprodukte?

          Die Pubertät beginnt heute im Durchschnitt sechs Jahre früher als vor 150 Jahren. Eine Langzeitstudie zeigt nun, dass die Nutzung von Pflegeprodukten durch Mütter und Töchter eine Erklärung sein könnte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.