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Mittelstandsanleihen : Wird Windreich der siebte Zahlungsausfall?

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Kann Balz’ Windreich seine Anleihen tilgen? Bild: dpa

Der Handel mit den Anleihen des Windparkentwicklers Windreich wurde am Montag ausgesetzt. Mittlerweile notieren sie noch bei weniger als 30 Prozent der Nominale.

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          Die Anleihen des Windparkentwicklers Windreich AG notieren nicht mehr im Mittelstandssegment Bond-M. Nachdem die Börse wegen nicht bezahlter Zinsen und eines unveröffentlicht gebliebenen Folgeratings den Handel am Montag ausgesetzt hatte, trat Windreich selbst den Rückzug an. Grund sei ein umfassendes Effizienzsteigerungsprogramm.

          Das Unternehmen hat zwei Anleihen über insgesamt 125 Millionen Euro mit einem Zinskoupon von 6,5 Prozent in dem Mittelstandssegment begeben. Die Kurse hatten in den vergangenen Monaten stark nachgegeben. Bei einer der beiden Anleihen - sie läuft bis zum Jahr 2015 - waren am 1. März die Zinsen fällig gewesen.

          Geld für Zinsen anderweitig disponiert

          Die Zinsen an die Anleger wurden mittlerweile bezahlt. Windreich-Alleinaktionär und Vorstandsvorsitzender Willi Balz entschuldigte sich der Vorstand via Internet bei den Inhabern für die Verspätung von zwei Bankarbeitstagen.

          Man habe alle Vorkehrungen getroffen gehabt, die Zinsen pünktlich zu zahlen, habe jedoch „die entsprechenden Mittel anderweitig disponieren müssen“. Daher habe Balz sich kurzfristig entschlossen, sein privates finanzielles Engagement für die Windreich AG weiter zu erhöhen.Hierzu sei es unter anderem erforderlich gewesen, auf lastenfreie Immobilien Grundschulden zu bestellen, was letztlich der Grund für die Verzögerung um zwei Tage gewesen sei.

          Akute Liquiditätsnöte?

          Diese Entschuldigung lässt doppelte Sorgen aufkommen: Erstens benötigte Windreich die für die Zinszahlung vorgesehen 3,25 Millionen Euro anderweitig. Das zeigt, dass sich das Unternehmen zumindest kurzfristig in einem Liquiditätsengpass befand, wenn es zu einer solchen Maßnahme greifen muss. Zum 30. Juni 2012 hatte das Unternehmen noch liquide Mittel von mehr als 10 Millionen Euro ausgewiesen. Zweitens lässt die Bestellung von Grundschulden den Schluss zu, dass Balz offenbar Kredite aufgenommen hat, um das Unternehmen zu stützen. Das wiederum weckt Zweifel an der Fähigkeit des Großaktionärs, das Unternehmen zu finanzieren.

          Balz hatte sich in der Vergangenheit vom schottischen Lord Irvine Laidlaw wegen akuter Liquiditätsnot mehrfach Geld geliehen, für das er zeitweise mehr als 20 Prozent Zinsen zahlte. Zur Ablösung des Kredits hatte er ihm das Windparkprojekt Deutsche Bucht vermacht und weitreichende Rechte und Forderungen abgetreten. Die Anleger der Anleihen hatten erst durch die Berichterstattung der FAZ von der Transaktion erfahren.

          Mittlerweile hat Balz gegenüber dem „Handelsblatt“  Liquiditätsprobleme eingeräumt. Er hofft aber auf einen Befreiungsschlag durch den Verkauf des ersten Teils des Offshore-Windparks MEG 1 vor der Insel Borkum für 120 Millionen Euro. Es gebe einen Käufer, den er nicht nennen könne. Balz bezifferte die Schulden der AG mit 308 Millionen Euro, denen Sicherheiten und Bürgschaften von ihm in Höhe von 225 Millionen Euro entgegenstünden.

          Veröffentlichung des Ratings untersagt

          Die Sorgen werden noch weiter dadurch verstärkt, dass Windreich nach Angaben der Ratingagentur Creditreform der Veröffentlichung des jüngsten Ratings nicht zugestimmt hat. Die Stuttgarter Börse hatte bereits Ende letzter Woche einen Hinweis auf die Ratingproblematik auf ihrer Homepage veröffentlicht, wenn man nach den Windreich-Anleihen suchte. „Der Emittent verstößt gegen die Folgepflicht, ein aktuelles und gültiges Folgerating (...) zu veröffentlichen und zu übermitteln. Diese Information erfolgt (...) aufgrund der Nichtveröffentlichung und -übermittlung eines (...) Folgeratings.“

          Balz sagte dazu, er sei mit ein paar Einschätzungen nicht einverstanden. Creditreform sei zu einem schlechten Ergebnis gekommen. Zuletzt war das Unternehmen mit „BB+“ bewertet. Creditreform hatte das Rating im vierten Quartal letzten Jahres aber schon einmal ausgesetzt. Vor der Neueinstufung kurz vor Weihnachten war das in Wolfschlugen bei Stuttgart ansässige Unternehmen besser bewertet: mit „BBB+“.

          Darüber hinaus ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen den Windparkentwickler wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation, des Kapitalanlagebetrugs, der Marktpreismanipulation und des Kreditbetrugs. Rund 35 Beamte des Landeskriminalamts haben am Dienstag die Hauptverwaltung des  Unternehmens sowie vier Privatwohnungen durchsuchten. Die Ermittlungen richten sich gegen fünf amtierende und ehemalige Vorstandsmitglieder. Die Ermittler prüfen, ob in den Jahresabschlüssen des durchsuchten Unternehmens Vermögenspositionen durch Überbewertung geschönt wurden.

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