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Mittelstandsanleihen : Weiter Probleme bei Mini-Bonds

Behindertenheim Luisenhof St. Benedikt der Senivita-Gruppe Bild: Senivita GmbH

Einst hatte der Pflegeheimbetreiber Senivita Sozial das beste Rating aller Mittelstandsanleihen. Kurz vor Fälligkeit ist es tief im Ramsch. Nur dank Verkäufen an Tochtergesellschaften soll es keinen Ausfall geben.

          Die Ratings von Mittelstandsanleihen waren von Anfang an umstritten. Die Rating-Agenturen nutzten die gängige Skala der amerikanischen Agentur Standard & Poor’s, wendeten diese aber auf Unternehmen an, die von den amerikanischen Agenturen gar nicht bewertet wurden. Dadurch mochten zwar die Abstufungen untereinander stimmen, doch erwiesen sich viele Noten einfach im absoluten Maßstab als zu gut. In dieser Woche nun senkte die Agentur Creditreform des Pflegeheimbetreibers Senivita Sozial Gemeinnützige GmbH (SVS) auf die Note „B+“ und bescheinigte dem Unternehmen, dessen Anleihe Mitte Mai fällig wird, ausreichende Bonität mit einem höheren Insolvenzrisiko. Zuvor war das Unternehmen mit „BB“ noch zwei Noten besser eingestuft worden.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Pikante an dieser Änderung ist, dass Senivita bei der Emission im Jahr 2011 mit „A-“ nicht nur die beste Bonitätsnote aller Emittenten erhalten hatte, sondern auch als einziges Unternehmen eine Bewertung mit der Note „A“. In den fünf Jahren der Anleihenlaufzeit wurde dieses Rating regelmäßig herabgestuft - insgesamt um sieben Stufen.

          Kaum etwas ist so sinnfällig für die Entwicklung der Ratings von Mittelstandsanleihen: 157 Herabstufungen gab es in den vergangenen knapp fünfeinhalb Jahren - und nur ganze neun Heraufstufungen.

          Im Falle Senivita kritisieren Analysten vor allem, dass die erwirtschafteten Gewinne der vergangenen Jahre aus dem Verkauf von Immobilienvermögen und vor allem von Betrieben an Tochterunternehmen resultierten. Diese wiesen ihrerseits hohe Verluste aus. Die Innenfinanzierungskraft sei anhaltend negativ. Die Umstrukturierungen hätten bislang nicht zu dem seit Jahren angekündigten wirtschaftlichen Erfolg geführt.

          SVS wird die Anleihe im Volumen von rund 13 Millionen Euro aber wohl dennoch tilgen können. Das beteuert nicht nur das Unternehmen selbst. Creditreform liege ein entsprechender Kontoauszug zum 21. März vor, heißt es in der Analyse. Auch die Inhaber von Genussrechten und Genussscheinen könnten wieder die volle gewinnabhängige Vergütung erhalten, so SVS. Nicht fristgerecht tilgen können wird dagegen der Händler von Tieraccessoires, Karlie. Der Eigner Perusa, ein Münchener Finanzinvestor, hatte versucht, im Wesentlichen aus Karlie und dem belgischen Wettbewerber Flamingo einen europäischen Konzern zu schmieden. Das Unterfangen hatte sich jedoch als kostspieliger erwiesen als geplant. Anfang des Jahres hatte Karlie kurz vor der Insolvenz gestanden. Nun sollen die Gläubiger Anfang Mai einer Verlängerung der Laufzeit der Anleihe im Volumen von 6,7 Millionen Euro um drei Jahre bis 2021 und einer Senkung des Zinskupons von 6,75 auf 5 Prozent zustimmen.

          Aber es gibt auch positive Nachrichten: Der saarländischen Brauerei Karlsberg gelang es am Dienstag, innerhalb von nur fünf Stunden eine neue Unternehmensanleihe zu plazieren, mit der die 2017 fällige Anleihe refinanziert werden kann.

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