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Mittelstandsanleihen : Viele Anleihen bleiben liegen

Voll in die Solarkrise: Sic Processing Bild: SiC Processing

Das Geschäft mit Mittelstandsanleihen läuft nicht gut. Die meisten Plazierungen erfolgen unvollständig, die Ratings sinken. Travel24 versucht es trotzdem.

          4 Min.

          Die Nachrichtenlage aus dem Bereich der Mittelstandsanleihen scheint den Pessimisten Recht zu geben, die das Segment schnell als Spekulationsblase klassifizierten und ein böses Ende prophezeiten. Zum einen läuft das Emissionsgeschäft an den Mittelstandsbörsen eher schleppend.

          Plazierungsvolumina und Ratings sinken

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gab es im Februar und März offenbar noch ein Plazierungsfenster ist es seitdem nur noch dem Brühwürfelhersteller Zamek gelungen, eine Anleihe im vollen Umfang abzusetzen. 146 Millionen Euro an verkauften stehen 64 Millionen an liegen gebliebenen Anleihen gegenüber. Das ist nicht eben eine Erfolgsbilanz.

          Bild: FAZ

          Auch die Entwicklung der Bonitätsratings hat nicht eben einen positiven Verlauf genommen. Lag im Dezember 2011 noch fast die Hälfte der Unternehmensratings im Bereich dessen, was als investmentwürdig angesehen wird (also „BBB“ oder „A“), so ist es derzeit noch wenig mehr als ein Viertel. Der Anteil der schwachen Noten, woraus auf ein hohes Risiko der Emissionen geschlossen werden kann („B“ oder „CCC/CC“) ist mittlerweile größer als 20 Prozent. Einer einzigen Hochstufung stehen Herabstufungen in hohem Ausmaß gegenüber.

          Bild: FAZ

          Sic Processing schockt

          Jüngstes Beispiel ist der Solarzulieferer Sic Processing, der gebrauchte Sägesuspension (Slurry) aufbereitet. Zum Emissionszeitpunkt im Februar 2011 noch von Creditreform mit der Note „BBB+“ bedacht, die von amerikanischen Rating-Agenturen etwa Bertelsmann oder der Deutschen Post zuerkannt wird, fiel das Rating im Frühjahr auf „BBB-„. Diesem Urteil schloss sich Scope im Mai bei Erteilung eines Finanzstärkeratings an. Vor wenigen Tagen folgte ein regelrechter Schock: Creditreform senkte das Rating um sechs Stufen auf „B-„, Scope suspendierte es.

          Grund war die Halbjahresbilanz: In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres fiel der Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent auf nur noch 68 Millionen Euro. Nach einem Gewinn von 9,5 Millionen Euro fiel ein Verlust von 6,8 Millionen Euro an. Über seine norwegische Tochter ist das Unternehmen voll in die Branchenkrise geraten, der es sich bisher zu entziehen können schien.

          Der Standort Norwegen ist komplett stillgelegt worden, allen Mitarbeitern gekündigt. Der norwegische Modulhersteller REC hat seine Wafer-Tochter in die Insolvenz geschickt, die einziger Kunde der Werke von Sic war. Da diese noch Forderungen über sieben Jahre an die REC-Tochter hat, droht nun Sic in Norwegen ebenfalls die Insolvenz. Das könnte im konzern zu einem Liquiditätsabfluss von rund 34 Millionen Euro sowie Regressforderungen von 7,4 Millionen Euro führen. Gleichzeitig stehen in Bautzen nach Ablauf der Kurzarbeit Entlassungen an.

          Immerhin war Sic operativ im ersten Halbjahr noch profitabel, wenngleich der Gewinn auf 21,9 Millionen Euro von 30,3 Millionen Euro zurückging. Zudem entfielen 11,4 Millionen Euro auf die im stillgelegte norwegische Tochter. Sic hofft nun auf den Erfolg der neuen chinesischen Werke. Im September wird der Halbjahresbericht hoffentlich weiteren Aufschluss über die finanziellen Auswirkungen geben.

          Verlängert, verschoben, Schweigen

          Dennoch gibt es weiter Emittenten, die um die Gunst der Zeichner buhlen. Aber sie tun sich schwer: Das österreichische Pharma-Unternehmen Sanochemia verlängerte die ursprünglich bis 5. August terminierte Zeichnungsfrist für eine Anleihe von nur 15 Millionen Euro „bis auf weiteres“, das heißt maximal bis zum Juli 2013 – obwohl sich der Vorstandsvorsitzende Werner Frantsits zwischenzeitlich mit der Nachfrage zufrieden gezeigt hatte.

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