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Mittelstandsanleihen : Solarkrise belastet den Markt

Kein Vertrauen mehr: Investoren setzen weniger auf Solarenergie Bild: REUTERS

Die Agentur Creditreform senkt viele Bonitätsnoten aus der Branche der erneuerbaren Energien. Die Kurse sinken um bis zu 70 Prozent, nur noch zwei Drittel der Ratings haben Bestand.

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          Anleger, die auf Mittelstandsanleihen setzen, brauchten in den letzten Monaten starke Nerven. Der Bond-M-Index der Stuttgarter Börse, ein wichtiges Handelssegment für diese Anleihen, machte in den letzten Monaten eine wahre Berg- und Talfahrt durch. Nach der Insolvenz des Windkraft-Zulieferers Siag im März schwand das Vertrauen der Investoren weiter in die einst so beliebten Mittelstandsanleihen. Besonders Unternehmen aus der Branche der erneuerbaren Energien traf es hart: Einzelne Indexwerte wie der Kurs der Payom-Solar-Anleihe fielen von 100 auf 30 Prozent des Nennwerts, auch andere Anleihen wie die des Windanlagenbauers Windreich gerieten stark unter Druck.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor allem Hersteller von Anlagen, die erneuerbare Energieträger nutzen, werden sich kaum noch über den Markt für Mittelstandsanleihen finanzieren können. „Der gesamte Green-Economy-Bereich leidet, da wird auch in Zukunft mit Zahlungsausfällen zu rechnen sein“, schätzt René Parmantier, Vorstandsvorsitzender der Close Brothers Seydler Bank, ein. Neben dem Vertrauensverlust führt auch die gesamtwirtschaftliche Lage zu einem deutlichen Abflauen der Investorennachfrage.

          Fünf befristete Bewertungen sind ausgelaufen

          Das spiegelt sich nun offenbar auch in den Ratings wider. Von den 38 Ratings, die die Agentur Creditreform zum Zeitpunkt der jeweiligen Anleiheemission vergeben hatte, haben derzeit nur noch etwa zwei Drittel Bestand. Fünf der ursprünglich auf ein Jahr befristeten Bewertungen sind ausgelaufen, sechs weitere Ratings wurden geändert. Dabei gab es vor allem für Unternehmen der Photovoltaik-Branche drastische Abwertungen.

          Der Zulieferer Sic Processing verlor zwei Stufen auf „BBB-“ und hielt sich damit noch am besten. In mehreren Schritten um insgesamt vier Stufen auf nur noch „B“ ging es für den Dresdner Modulhersteller Solarwatt nach unten, um mittlerweile sieben für den Systemanbieter Payom Solar. Dessen Rating steht zu allem Überfluss auch weiter unter Beobachtung. Nach einer Umbesetzung des Aufsichtsrates Mitte März verließen Anfang des Monats die drei Vorstände das Unternehmen, „um sich neuen beruflichen Herausforderungen zuzuwenden“. Zudem wird in erheblichem Umfang Personal abgebaut. Spekulationen, dass Payom die Zinsen auf die Anleihe nicht werde bedienen können, seien absolut nicht richtig, sagt der neue Alleinvorstand Detmar Dettmann.

          Um drei Stufen abwärts ging es auch für das Rating des Werkzeugmaschinenherstellers MAG IAS, dessen Bonität nur noch mit der Note „B+“ beurteilt wird. Das Unternehmen habe 2011 zwar einen außergewöhnlich hohen Auftragseingang verzeichnet, diesen aber bislang nicht gewinnbringend umsetzen können. Zudem befinde sich der Konzern in der Umstrukturierung, was nicht störungsfrei ablaufe, sagt Michael Munsch, Vorstand der Creditreform Rating AG. „Das konnten wir nicht unberücksichtigt lassen.“ Munsch sieht kein generelles Problem im Segment der Mittelstandsanleihen, sondern einen Effekt der Krise der Photovoltaikbranche. „Niemand hatte erwartet, dass sich die Situation der Branche so rasch und so dramatisch zuspitzt.“

          Marktbeobachter vermuten Verzögerungen im Prozess

          Was dagegen die in Bearbeitung befindlichen sowie abgelaufenen Ratings angehe, so handele es sich vornehmlich um Verzögerungen. „Wir gehen davon aus, dass es sich um einen Lernprozess handelt und die Emittenten künftig frühzeitiger den Rating-Prozess aufs Neue anstoßen, als das bisher der Fall war.“ Marktbeobachter vermuten gerade in Bezug auf die Photovoltaik-Branche, dass die Unternehmen den Prozess in der Hoffnung auf Besserung verzögern, um einer drastischen Abstufung zu entgehen.

          Eine Abstufung blieb auch dem Getränkehersteller Valensina nicht erspart, dessen Bonität nur noch mit „BB-“ statt „BB“ eingeschätzt wird, nachdem das Unternehmen 2011 aufgrund hoher Rohstoffpreise und Kosten für den Aufbau des Markengeschäfts einen Verlust von 3 Millionen Euro vor Sonderfaktoren verbuchte und in diesem Jahr ein Verlust in gleicher Höhe anfallen soll. Trotzdem rät René Parmantier, die Ratings nicht überzubewerten und alle Mittelstandsanleihen für die schlechten Solar- und Windwerte zu bestrafen. „Wichtiger als das Rating sind Dinge wie die Eigenkapitalausstattung und die Bilanzzahlen sowie ein solides Geschäftsmodell.“

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