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Hohe Zinsen locken : Mittelstandsanleihen sind plötzlich wieder gefragt

Offenbar scheint das Ausbleiben weiterer Hiobsbotschaften und einige gelungene Refinanzierungen in diesem Jahr Anleger in Sicherheit zu wiegen und ihre Bereitschaft erhöht zu haben, hochverzinste Anleihen zu kaufen. Möglich, dass die jüngste relative Ruhe glauben macht, die Marktbereinigung sei schon vollendet.

EU Optionsschein Call 0.89 2022/06 (SG)

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Misstöne in dieses Konzert bringt allerdings das jüngste Ansinnen des Herstellers von Rohrleitungssystemen, Sanha. Dieser hat am Dienstag den Anleihegläubigern vorgeschlagen, die im Juni 2018 fällige Anleihe um weitere fünf Jahre zu verlängern. Der Zinssatz soll zudem von 7,75 auf 5,5 Prozent sinken. Das entspricht einer drastischen Senkung des Aufschlags auf den Referenzzins von fast 2,4 Prozentpunkten. Das ist weit mehr als die anderen Emittenten gewagt haben.

Dafür bietet Sanha Grundbuchsicherheiten mit einem angegebenen Wert von knapp 10 Millionen Euro sowie eine jährliche Tilgung von 10 Prozent des Volumens ab 2019. Entscheiden sollen die Anleger Ende Juli in einer Abstimmung ohne Versammlung. Die Rating-Agentur Creditreform wertet das Ansinnen negativ und senkte die Bonitätseinschätzung auf die schlechteste Note von „C“. Zuvor hatte dies bei „B-„ und war damit schon recht schwach gewesen.

Sanha räumt ein, in der Vergangenheit mit seinen Markterwartungen nicht richtig gelegen zu haben: Zum Zeitpunkt der Anleiheemission im Juni 2013 sei man von einem schnelleren Return on Invest ausgegangen. Man habe die Einschätzungen zu einzelnen Märkten und Produkten korrigieren müssen. Der Strukturwandel sei unerwartet stark gewesen und habe die Umsatzentwicklung in Deutschland gedämpft. Auch sei die Umstellung auf bleifreie Produkte langsamer als geplant verlaufen.

Dennoch sei man für die anstehenden Marktveränderungen gut gerüstet. Gleichzeitig legte Sanha Zahlen für 2016 vor, nach denen sich das Ergebnis weniger stark verbessert hat, als dies zwei Monate zuvor die vorläufigen Zahlen angaben.

Immerhin sei ein unabhängiges Gutachten zu dem Ergebnis gelangt, dass Sanha ausreichend liquide Mittel generieren werde, um den Kapitaldienst zu leisten und die Anleihe 2023 vollständig zu tilgen.

SANHA ANL 13/26 STZ

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Um eine Refinanzierung bemüht sich auch das Mode-Unternehmen More&More, dessen Anleihe im Volumen von knapp zehn Millionen Euro im Juni 2018 fällig wird. Ende Mai hatte man ein Rückkaufangebot für 3,85 Millionen Euro zu einem Kurs von 35 Prozent angekündigt, das an ein Mindestannahmevolumen gebunden war und bis zum 16. Juni laufen sollte.

Das scheint nicht so gut gelaufen zu sein. Zwei Tage vor Fristende kündigte More&More an, auf das Mindestannahmevolumen zu verzichten. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Das ist allerdings bei More&More auch nicht verwunderlich. Das Unternehmen lässt sich oft Zeit. So werden Jahresabschlüsse üblicherweise erst 15 Monate nach Geschäftsjahresende veröffentlicht. Der letzte Halbjahresbericht datiert aus dem Jahr 2014.

Immerhin hatte man im Mai schon einmal vermeldet, dass sich der Verlust im vergangenen Jahr auf rund 2,6 Millionen Euro mehr als vervierfacht hat. Gewinne machte More&More zuletzt im Jahr 2012. Ende 2015 lag die Eigenkapitalquote bei wenig mehr als einem Prozent.

Der Sinn eines Referenzzinses

Um Finanzierungskonditionen zu vergleichen, bedarf es einer Bezugsgrölße. Will man vergleichen, wie sich Finanzierungskonditionen desselben Schuldners verändert haben, vergleicht man dazu die Konditionen mit einem Referenzzins zum jeweiligen Stichtag.

Der absolute Zins führt in die Irre. Denn während 5 Prozent Zinsen 2017 hoch sind, waren sie es vor zehn Jahren nicht. Der Referenzzins unterliegt dagegen der allgemeinen Marktentwicklung

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