https://www.faz.net/-gvt-8lh0r

Mittelstandsanleihen : KTG Agrar wird verscherbelt

KTG Agrar: Abgewirtschaftet Bild: KTG Agrar

Die Zech-Stiftung übernimmt Teile des Agrargeschäftes und die Mehrheit der Energiesparte. Für deren Aktionäre eine gute Nachricht: Der Kurs der Aktie steigt kräftig.

          2 Min.

          Gut zwei Monate nach der Insolvenz der KTG Agrar SE haben die vom Gericht eingesetzten Sachwalter einen Käufer für die wichtigsten Geschäftsfelder des Konzerns gefunden. Wie KTG am Donnerstagabend in einer Ad-hoc-Meldung mitteilte, übernimmt die Gustav-Zech-Stiftung aus Bremen das Agrargeschäft in Deutschland und den Mehrheitsanteil an der KTG Energie AG, einem großen Produzenten von Biogas. Ausgenommen von dem Geschäft sind zwei frühere Standorte in Kohlberg und Quesitz, und auch die Beteiligungen in Litauen und Rumänien bleiben bei der Übernahme außen vor. Für die beiden Auslandsgesellschaften will der Sachwalter Stefan Denkhaus nun einen separaten Käufer finden.

          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Mit der Übernahme durch Zech wechseln zehn landwirtschaftliche Betriebe den Besitzer, die überwiegend in Ostdeutschland liegen. Sie bewirtschaften den Angaben zufolge rund 20.000 Hektar Pachtfläche und etwa 600 Hektar, die KTG noch im eigenen Besitz hat. Erst Anfang des Monats war bekanntgeworden, dass sich das Unternehmen schon länger von Großteilen seines Flächenbesitzes getrennt hatte. Die Insolvenzverwalter in Hamburg hatten berichtet, KTG habe große Teile ihres Landbesitzes verkauft, und auch die Ernte werde „noch erheblich schlechter ausfallen“ als erwartet.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Über den Kaufpreis für die nun veräußerten Geschäftsteile wurde nichts bekannt, in gut informierten Kreisen ist jedoch von einem sehr niedrigen Betrag die Rede. Für die mehr als zehntausend Gläubiger, bei denen KTG zuletzt mit mehr als 600 Millionen Euro in der Kreide stand, sind das keine guten Nachrichten. Denkhaus hatte schon vor zwei Wochen mitgeteilt, dass sie wohl nur einen sehr geringen Teil ihres Geldes zurückbekommen. An dieser Einschätzung habe sich auch nach dem Verkauf an Zech nichts geändert, heißt es.

          Die Zech-Gruppe mit Hauptsitz in Bremen ist ein weitverzweigtes Familienunternehmen, das auf zahlreichen Geschäftsfeldern unterwegs ist und rund 3000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Konzern, dessen Wurzeln in der Bauindustrie liegen, ist unter anderem in der Immobilienwirtschaft, im Hotelgewerbe und in der Umwelttechnik aktiv. Zuletzt war Zech als Käufer der Deutschlandsparte des insolventen Baukonzerns Imtech in Erscheinung getreten.

          Mit KTG kauft sich der Konzern nun in den Markt für Agrarprodukte und Bioenergie ein. Ob und wenn ja, wie sich dieses Geschäft mit den bestehenden Tätigkeiten verzahnen lässt, dazu wollte ein Sprecher am Freitag noch nichts sagen: „Wir sehen das als langfristiges Investment, müssen aber erst einmal genau in die einzelnen KTG-Unternehmen hineinschauen, bevor wir uns zu Details äußern.“

          N InlineOs 500-675 2021/10 (UCB) quanto

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Ob Siegfried Hofreiter, der Gründer und langjährige Vorstandsvorsitzende der KTG Agrar, nach dem Verkauf des Mehrheitsanteils der KTG Energie auch seinen verbliebenen Aufsichtsratsposten dort aufgeben wird, blieb am Freitag unklar. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft. Hofreiter scheint verantwortlich für eine diffuse Bilanzierung und ein Geschäftsgebaren, das wie eine bewusste Verschleierung finanzieller Engpässe über längere Zeit anmutet.

          Die KTG Agrar ist mit 394 Millionen Euro überschuldet. Forderungen, die die Holding gegenüber den eigenen Konzerngesellschaften und gegenüber Dritten aufgebaut hat, sind nicht viel wert. Die Wirtschaftsprüfer hatten ihr Testat für den letzten Jahresabschluss erst kürzlich zurückgezogen.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Für die Aktionäre der KTG Energie hingegen gibt es wieder Hoffnung auf Wertzuwächse ihrer Beteiligungen. Stattete der neue Mehrheitseigentümer sie mit frischem Geld aus, könnte der Betrieb, der großteils staatlich garantierte Energieeinspeisevergütungen erhält, wieder Gewinne erwirtschaften. Der Kurs der Aktie des Stromerzeugers stieg am Freitag gleich zum Handelsbeginn um mehr als 60 Prozent an. Gegenüber diesem Preis steht bei einem aktuellen Kurs von 3,98 Euro ein Plus von 185 Prozent. Der Kurs der Aktie der KTG Agrar stieg seitdem von 12,8 auf 34 Cent.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Weitere Themen

          Keine Angst vor dem Bitcoin

          FAZ Plus Artikel: Standpunkt : Keine Angst vor dem Bitcoin

          Bitcoin ist das Gold des 21. Jahrhunderts. Vertreter der Zentralbanken stehen ihm jedoch ängstlich gegenüber – sie befürchten den Verlust der Währungssouveränität. Deutschland sollte diese Chance aber nicht verpassen. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Der Rückbau schreitet unaufhaltsam voran: Sprengung der Kühltürme des Atomkraftwerks Philippsburg.

          Energiewende : Die Zweifel am Atomausstieg wachsen

          Ist der Klimawandel riskanter als die Kernkraft? Ein Mitglied der Kommission zum Atomausstieg hat jetzt Zweifel an der Entscheidung von damals. Doch keine der möglichen Regierungsparteien möchte den Ausstieg rückgängig machen.
          Julian Reichelt am 30. Januar 2020 auf einer Messe in Düsseldorf

          Bild-Chef Julian Reichelt : Sex, Lügen und ein achtkantiger Rauswurf

          Erst bringt die New York Times eine Riesenstory über Springer. Vorher stoppt der Verleger Ippen eine Recherche über den Bild-Chef Reichelt. Der ist seinen Job plötzlich los. Er hat wohl den Vorstand belogen. Die Chaostage sind perfekt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.