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Mittelstandsanleihen : Kampf um Sanders

Behaglich geht es beim Bettwarenhersteller Sanders derzeit nicht zu. Bild: Picture-Alliance

Eine Gruppe von Gläubigern des insolventen Bettwarenhersteller Sanders will den Konzern übernehmen. Doch so einfach ist es nicht. Schon gar nicht für private Gläubiger.

          Im Insolvenzverfahren über den Bettwarenhersteller Gebr. Sanders zeichnet sich eine dramatische Zuspitzung ab: Am Freitag wurde im Bundesanzeiger ein Antrag einer Gläubigergruppe veröffentlicht, die eine übertragende Sanierung anstrebt. Sollte dieser Antrag angenommen werden, erhielten die teilnehmenden Gläubiger zumindest einen wesentlichen Teil der Vermögenswerte der Firma.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gestellt hat den Antrag der Vermögensverwalter Robus Capital, der auf Anleihen mittelgroßer Firmen, nicht zuletzt in Bedrängnis, spezialisiert ist. Robus hält knapp elf Prozent der Sanders-Anleihe, die ein Gesamtvolumen von 22 Millionen Euro hat.

          Der Vermögensverwalter hat allerdings laut des Angebots Inhaber hinter sich, die über rund 40 Prozent des Gesamtvolumens der Schuldverschreibungen verfügen. Diese gehören einem sogenannten Ad-hoc-Komitee an. Dazu zählt offenbar auch der Restrukturierungsberater One Square. Dieser hatte schon am 11. November über die Gründung eines Ad-hoc-Komitees berichtet.

          Dabei will die Gläubigergruppe Sanders im Zuge eines Anleiheumtauschs übernehmen. Die Gläubiger würden ihre Sanders-Anleihe gegen ein „Neues Fremdkapitalinstrument“ (wohl eine Anleihe) einer Zweckgesellschaft tauschen. Diese erhält im Gegenzug die „wesentlichen Vermögenswerte“ von Sanders.

          Für die beteiligten Gläubiger wäre dies wohl eine gute Lösung, mit deren Hilfe sie einen deutlich höheren Teil ihrer Forderungen einbringen könnten als im Falle einer Liquidation. Allerdings soll diese Quote auch dann vergleichsweise hoch ausfallen. Von den bei Mittelstandsanleihen bislang häufigen Quoten von null bis 20 Prozent soll man weit entfernt sein.

          Großgläubiger abgesprungen?

          Sanders hat das Potential, ohne drückende Schuldenlast gewinnbringend zu arbeiten. Immerhin hatte der Bettwarenhersteller seine operative Marge seit 2012 von 2,5 auf zuletzt 9,5 Prozent verbessern können. Was letztlich zur Insolvenzanmeldung geführt hatte, war neben der immens hohen Verzinsung der Anleihe von 8,75 Prozent die Nicht-Verlängerung einer Betriebsmittelkreditlinie (Borrowing-Base-Finanzierung) durch die Commerzbank.

          Allerdings scheint der Vorschlag erst einmal nicht durchzukommen: Am Sonntagnachmittag ließ Sanders verlautbaren, dass die für diesen Montag einberufene erste Anleihegläubiger-Versammlung nicht beschlussfähig sein werde. Nur 39,43 Prozent der Schuldverschreibungen seien angemeldet. Laut Gesetz muss aber die Hälfte anwesend sein.

          Beobachter zeigen sich verwirrt. Denn am 11. November hatte One Square vermeldet, 40 Prozent der Schuldverschreibungen hinter sich zu haben. Da war von Robus noch keine Rede. Mit den Anteilen von Robus aber hätte das „Ad-hoc-Komitee“ schon mehr als 50 Prozent der Schuldverschreibungen gehalten. Es hat den Anschein, als ob ein wesentlicher Gläubiger in der Zwischenzeit abgesprungen ist.

          Kampfansage

          Offenbar tobt hinter den Kulissen eine heftige Auseinandersetzung. Darauf weist auch der Schlusssatz in der Vorlage von Robus hin: „Die vorgegebene Struktur (…) soll es unter anderem auch Herrn Hans-Christian Sanders ermöglichen, entweder selbst oder durch entsprechende Finanzierungspartner ein entsprechendes (…) Angebot zu stellen.“ Dies liest sich wie eine Kampfansage an den Geschäftsführer und Haupteigentümer des Unternehmens.

          Welches dieser möglichen Szenarien für die privaten Anleihegläubiger das größte Potential bietet, ist kaum zu beurteilen. Sicher scheint, dass allenfalls ein Teil an der geplanten Übernahme durch das „Ad-hoc-Komitee“ wird partizipieren können und auch das nur mittelbar.

          Anleihe der Gebr. Sanders

          GEBR.SANDERS IHS.13/18

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          Dieses will zum einen höchstens 75 Prozent der ausstehenden Sanders-Anleihe auf die neue Gesellschaft übertragen lassen. Die restlichen Anteile, mindestens also 25 Prozent verblieben als Schulden bei Sanders; das Unternehmen wäre aber wesentlicher Vermögenswerte beraubt. Geringeren Schulden stünden auch eine geringere Insolvenzmasse gegenüber. Es kommt also darauf an, was wo verbleibt.

          Zum anderen soll das „Neue Fremdkapitalinstrument“ der übernehmenden Firma eine Stückelung von mindestens 100.000 Euro haben. Niedrigere Forderungen wären damit nicht eintauschbar. Zwar ist für diesen Fall eine Barabfindung vorgesehen. Aber nicht, wie groß diese ausfallen könnte. Ob für die privaten Anleihegläubiger dabei mehr oder weniger herauskommen würde als infolge einer Liquidation oder einer übertragenden Sanierung durch andere Kreise, ist nicht seriös zu prognostizieren.

          Erinnerungen an Rena

          Die Entscheidung über das Schicksal des Unternehmens ist nun auf den 12. Dezember vertagt. Während dieser zweiten Versammlung müssen nur 25 Prozent der Schuldverschreibungen vertreten sein, so dass dann wohl eine Entscheidung fallen wird.

          Es wäre nicht die erste übertragende Sanierung eines zahlungsunfähigen Emittenten von Mittelstandsanleihen. Auch der süddeutsche Anlagenbauer Rena wurde im vergangenen Jahr auf diesem Wege saniert. Damals hatte sich zwar ein großer Teil der Gläubiger für die Fortführung des Unternehmens unter dem Insolvenzplan ausgesprochen. Am Ende aber entschieden die Eigenverwalter, der Sachwalter und der auch damals von One Square Advisors geführte Gläubigerausschuss, die Vermögenswerte von Rena an den Schweizer Investor Capvis und das ehemalige Management zu verkaufen.

          Rena flossen aus diesem Verkauf Mittel zu, die an die Gläubiger ausgeschüttet werden konnten - es waren jedoch nur 4,6 Prozent der Forderungen. Bis zu 15 Prozent könnten es wohl im besten Fall noch werden. Ob dies die beste Lösung für die Gläubiger war, ist schwer zu sagen.

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