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Mittelstandsanleihen : Exodus vom Markt

Von der Bundeswehr zu Golden Gate: Krankenhaus Amberg Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Kurse einiger Mittelstandsanleihen scheinen im freien Fall. Am Mittwoch hat es nach einer Rating-Abstufung die Golden Gate AG getroffen. Fondsmanager warnen davor, in Panik zu geraten.

          3 Min.

          Die Nervosität am Markt für Mittelstandsanleihen scheint zu wachsen. Am Mittwoch ist die Anleihe von Golden Gate in den Fokus geraten, nachdem die Rating-Agentur Creditreform die Bonitätsnote für Anleihen des Unternehmens am Dienstag heruntergestuft hatte.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Golden-Gate-Anleihe wird nach ursprünglich „BBB“ nun mit „BB+“ eingestuft. Die Ratingnote der Emittentin Golden Gate AG wurde von „BB“ auf „B+“ abgesenkt, nachdem das Rating im Mai noch bestätigt worden war. Der Kurs fiel seitdem zeitweilig auf nur noch 75 Prozent, erholte sich aber wieder.

          Anlass waren die vom Unternehmen vorgelegten Zahlen für das Geschäftsjahr 2012/2013, das am 30. Juni abgelaufen war. Demnach fiel die Gesamtleistung der Immobiliengesellschaft von 4,2 Millionen auf 710.000 Euro, unter dem Strich steht ein Fehlbetrag von 2,6 Millionen Euro nach einem Überschuss von 400.000 Euro im Vorjahr. Die Eigenkapitalquote ging von 31,8 Prozent auf 23,3 Prozent zurück. 

          Es liege in der Natur des Immobilienprojektgeschäfts, dass  umfangreiche Vorleistungen erbracht würden, so Vorstand Uwe Rampold. Das beeinflusse die Ertragslage, bis die Projekte veräußert würden. Die wesentlichen Projekte und die ehemaligen Bundeswehrkrankenhäuser in Amberg und Leipzig entwickelten sich positiv, wenn auch mit einer im Projektgeschäft nicht unüblichen Verzögerung.

          Nicht alles wie geplant

          Für das Immobilienprojekt ‚Mittelweg‘ in Hamburg-Harvestehude liefen derzeit Verkaufsgespräche für Teilflächen. Das Projekt „Landhäuser im  Friesenstil“ auf Sylt werde vermarktet. Die-Rating-Anpassung sei eine stichtagsbezogene Beurteilung der Erlös- und Kostensituation, so  Rampold weiter.

          Einige Projekte hatten sich auch wie geplant entwickelt. Ursprünglich sollten in den ehemaligen Bundeswehrkrankenhäusern auf Sepsis-Erkrankungen spezialisierte Fachkliniken entstehen und 2012 und 2013 eröffnet werden. Amberg wird mittlerweile stückweise genutzt. Unter anderem sitzen dort jetzt eine Entwicklungsabteilung von Siemens und eine Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

          Absturz ohne Anlass

          Die Öffentlichkeitsarbeit der Mittelständler lässt manchmal zu wünschen übrig. Und das führt nach einigen zum Teil sehr rasch erfolgten und überraschenden Insolvenzen mittlerweile zu panikartigen Reaktionen. Unerklärlich findet beispielsweise Ralf Meinerzag, Manager des Fonds Steubing German Mittelstand, den Kursverfall der Anleihe des Brühpulver-Herstellers Zamek. Dessen Kurs rutschte von September bis zum vergangenen Freitag von rund 90 auf knapp 50 Prozent und fiel am Montag wie ein Stein auf nur noch 29 Prozent.

          Die Nachrichten waren im Frühherbst nicht gut: So verließ im September Mitgeschäftsführer Michael Krüger das Unternehmen, und die Familie nahm die Geschäfte stärker selbst in die Hand. Die Hintergründe blieben für Außenstehende unklar. Doch nachdem die Geschäftszahlen für die zweite Hälfte des Jahres 2012 einen deutlichen Umsatzrückgang, hohe Verluste, ein Schwinden der Eigenkapitalquote und deutlich höhere Schulden ausgewiesen hatten, wurde dies nicht positiv aufgenommen. Zudem war zuvor das Rating zweimal gesenkt worden. In einem Interview im Oktober kündigte Zamek dann weitere Stellenstreichungen an. Doch seitdem herrscht nachrichtlich Ruhe.

          Kommunikative Desaster

          Unter Druck stehen auch die Anleihenkurse vieler Textil-Hersteller. Deren Ratings wurden in den vergangenen Monaten zum Teil deutlich gesenkt. Am härtesten traf es die Peine GmbH. Noch im Juni hatte Creditreform das Unternehmen mit „B-“ beurteilt und nur fünf Monate später das Rating auf B zurück genommen und unter Beobachtung gestellt. Auf den Internetseiten von Peine ist aber immer noch der alte Rating-Bericht zu finden. Negativ ausgelegt wurde Peine Anfang Oktober, dass Kreativberater Marc Biggemann das Unternehmen verlässt. Der Kurssturz setzte allerdings erst zwei Wochen später ein.

          Eine extreme Kommunikationspanne leistete sich auch der Personaldienstleister HKW, der am Freitag seine Zinszahlung um einen Monat verschob. Der Handel der Anleihe wurde ausgesetzt - und erst im Laufe des Wochenendes hörten Anleger dann, dass eine Restrukturierung der Grund gewesen sei. Erst am Montag erschien eine Pressemeldung. Kein Wunder also, wenn der Kurs bis auf 15 Prozent fiel und sich bisher nur auf 38 Prozent erholt hat.

          Warnung vor Panik

          Alles in allem scheinen derzeit viele private und halbprofessionelle Anleger auszusteigen, sagt Meinerzag. Dem steht auf dem wenig liquiden Markt derzeit wenig bis gar keine Nachfrage gegenüber. Derzeit laufe eine Marktbereinigung und es werde weitere Ausfälle geben. Das Segment der Mittelstandsanleihen aber werde gebraucht und man dürfe nicht alles pauschal verdammen. Der Markt müsse aber erwachsen werden und das heiße, die Risiken müssten höher entlohnt und die Anleihen besser besichert werden.

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