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Mittelstandsanleihen : Die erste Insolvenz

SIAG: Arbeiten für die Windenergie
          5 Min.

          Niemand konnte ernsthaft annehmen, dass unter den zahlreichen Emittenten von Mittelstandsanleihen keiner sein würde, der seine Anleihe nicht würde bedienen können, noch bevor diese zur Tilgung anstünde. Nun hat es den ersten erwischt: Der Windkraft-Zulieferer Siag Schaaf Industrie wird an diesem Montag beim Amtsgericht Montabaur Insolvenzantrag stellen.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          SIAG baute Türmen sowie Maschinen- und Generatorträger für Windkraftanlagen sowie Gründungsstrukturen für Windkraftanlagen im Meer, zudem eine schwimmende Umspannplattform. Just dieses Geschäft ist derzeit in der Krise, vor allem die Skepsis über eine schnelle Anbindung der Windparks an das Festland wächst von Tag zu Tag. Das macht es schwierig, für die an diesen Projekten Beteiligten, eine ausreichende Finanzierung zu erhalten, weil die Amortisationsdauer der Investitionen ungewiss ist.

          Ungünstige Voraussetzungen in einem Krisenmarkt

          Im Falle SIAG waren die Voraussetzungen ungünstig. Zum einen ist das Unternehmen klein und verzeichnete 2010 auch noch einen Rückgang der Gesamtleistung auf 133 Millionen Euro sowie einen operativen Verlust von 3,7 Millionen Euro. Der Auftragseingang war zusammengeschmolzen.

          Gleichzeitig setzte SIAG auf Wachstum, übernahm in den Vereinigten Staaten den Turmbauer Aerisyn Energy, gründete in Ägypten in Form eines Gemeinschaftsunternehmens mit El Sewedy Cables ein Rohrturmwerk und kaufte für einen Euro von Thyssen-Krupp die auftragslose Werft Nordseewerke.

          Emission mit Hindernissen

          2011 verzeichnete SIAG zwar einen Rekordauftragseingang, doch das finanzielle Fundament war schwach. Dieses wollte man mit der Anleihenemission Ende Juni 2011 verbessern. Doch die schwache Eigenkapitalausstattung führte dem Vernehmen nach dazu, dass auf Mittelstandsanleihe spezialisierte Emissionshäuser nicht zu gewinnen waren. Begleitet wurde die Emission dann schließlich von der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB.

          Vertrauen hatte wohl ein Rating der amerikanischen Agentur Standard & Poor’s (S&P) gewinnen sollen, doch diese gewährte dem Unternehmen nur die schwache Note „B-“ und der Anleihe sogar nur ein „CCC+“. Im langjährigen Durchschnitt fällt nach Daten der Agentur jede vierte bis fünfte Anleihe in dieser Rating-Klasse innerhalb eines Jahres aus. Das dürfte wohl auch bei SIAG so kommen, wobei der Zahlungsverzug erst im Juli eintreten wird.

          Negativ bewertet Analystin Anna Steigert seinerzeit vor allem einen hohen Fremdkapitaleinsatz und ein anfälliges Geschäftsmodell. Die Nachfrage sei zyklisch, die Rentabilität schwach, das Verhältnis von bereinigter Verschuldung und operativem Gewinn werde Ende 2011 voraussichtlich zwischen 5 und 6 betragen und erst 2012 unter 5 sinken können. Zudem habe SIAG in den vergangenen drei Jahren im Durchschnitt fast die Hälfte seines Umsatzes mit dem Generatorenbauer Repower getätigt und weise daher eine ziemlich konzentrierte Kundenbasis auf.

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