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Mittelstandsanleihen : Brühwürfel-Pionier Zamek ist insolvent

Brühwürfel: Die Keimzelle des Unternehmens Zamek Bild: dpa/picture-aliance

In den Zwanziger Jahren erfand Zamek den fettangereicherten Brühwürfel. Nach Jahren des Schlingerns ist der Würzmittelhersteller nun insolvent.

          3 Min.

          Es war lange befürchtet worden: Der Düsseldorfer Lebensmittelhersteller Zamek hat wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet. Gestellt wurden Anträge für die Günther Zamek Produktions- und  Handelsgesellschaft sowie für die operativen Tochtergesellschaften Zamek Nahrungsmittel GmbH, Zamek  Nahrungsmittel Dresden GmbH und Dr. Lange & Co. GmbH. Für die nicht operativ tätigen Gesellschaften sollen Anträge im  Laufe der Woche folgen. Nicht betroffen sind offenbar die Lamarc Feinkost GmbH und die WPR Gesellschaft für Werbung und Public Relations. Ebenfalls beantragt wurde die Eröffnung von Insolvenzverfahren in  Eigenverwaltung, die vom Amtsgericht genehmigt wurde. Zamek produziert mit rund 600 Beschäftigten in Düsseldorf und Leipzig unter anderem Würzmischungen für die verarbeitende Industrie und beliefert Kantinen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zamek hatte im Mai 2012 eine Anleihe im Volumen von 35 Millionen Euro begeben und diese neun Monate später um 10 Millionen Euro aufgestockt. Die damit zufließenden Mittel aber hatten den Niedergang nicht aufhalten können. Die Eigenkapitalquote, die im Juni 2011 noch bei 28 Prozent gelegen hatte, fiel ein Jahr später auf 11 und wieder ein Jahr danach auf nur noch 4 Prozent. Der operative Gewinn sank von 3,4 Millionen zunächst auf 107.000 Euro, im Geschäftsjahr 2012/2013 fiel ein Verlust von 12 Millionen Euro an. Unter dem Strich wuchsen die Verluste. Der bei 80 Millionen Euro stagnierende Umsatz fiel zuletzt auf 74 Millionen Euro.

          Vieles lief falsch: Im Oktober 2012 kam es zu Streiks, die den Mittelständler 18 Werktage kosteten, die er sich eigentlich nicht leisten konnte. Zudem war der mit Anfeindungen, Kündigungen und Klagen gespickte Arbeitskampf für das Betriebsklima wohl kaum förderlich. Schon 2009 war das Unternehmen in Konflikt mit der Gewerkschaft NGG geraten, nicht zuletzt weil Zamek 2011 aus dem Manteltarifvertrag ausgetreten war.

          Offenbar strategische Fehler

          Im September 2013 trennte sich die Familie Zamek dann von Mitgeschäftsführer Michael Krüger, übernahm vorübergehend selbst das Ruder. Die Tatsache, dass dann im November Kostensenkungsmaßnahmen ergriffen und unter anderem rund 600 (!) unprofitable Artikel aus dem Sortiment genommen wurden, ließ eine Krise erahnen. Die hergestellten Kleinstmengen sollen die Produktion enorm verteuert haben, weil sie einen hohen Umstellungs- und Reinigungsaufwand erforderten. Offenbar hielt man zulange an einer nicht erfolgversprechenden Innovationsstrategie fest.

          Anfang diesen Monats gab dann Petra Zamek die Geschäftsführung an Reiner Wenz ab. Dieser war zuletzt Geschäftsführer des gleich zweimal in die Insolvenz geratenen Saarbrücker Wurstherstellers Höll. Dort wurde er allerdings vom Insolvenzverwalter entlassen. Zudem leitete seinerzeit die Staatsanwaltschaft Saarbrücken im September 2013 ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung ein. Laut Auskunft der Staatsanwaltschaft dauern diese Ermittlungen auch weiter an.

          Der Insolvenzantrag für Zamek wurde jetzt nicht von Wenz gestellt, sondern von den schon in der vergangenen Woche neu berufenen neuen Geschäftsführern Wolf-Rüdiger von der Fecht und Nikolaos Antoniadis. Diese sind Anwälte für die auf Sanierungen in der Insolvenz spezialisierten Kanzlei von der Fecht.

          Zamek war einst eine durchaus bekannte Marke für Fertigsuppen. Seit 1965 hatten die Werbemelodien„Mit Zamek fängt die Mahlzeit an“ ebenso wie „Zamek schmeckt“ in die Ohren der Verbraucher geschmeichelt. Selbst die Eishockey-Fans aus Düsseldorf, das das Unternehmen lange Jahre sponserte, pflegten über ihre Konkurrenz aus Köln zu singen: „Mit Zamek fängt die Mahlzeit an, / die Haie sind als Nachtisch dran.“

          2006 stellte Zamek den Verkauf seiner Fertigsuppen, -soßen und Brühwürfel unter dem eigenen Markennamen im Einzelhandel aber hintan und konzentrierte sich auf die Produktion für die Eigenmarken der großen Lebensmitteleinzelhandelsketten. 2009 musste mit den Banken eine Neustrukturierung der Finanzierung ausgehandelt werden.

          Insgesamt also hat Zamek eine jahrelange Restrukturierung hinter sich, die deutliche Spuren in Bilanz und Erfolgsrechnung hinterlassen hat. Die Bemühungen bleiben bisher fruchtlos und nun ist der vorläufige Tiefpunkt erreicht. Wie es weiter geht, ist natürlich offen. Bekannt ist indes, dass Zamek seit Jahren wegen des Standorts Düsseldorfs mit der Gewerkschaft im Clinch liegt.

          Eine Insolvenz bietet unter Umständen die Gelegenheit, den unliebsamen Standort zu schließen und die Produktion nach Dresden oder noch weiter nach Osten zu verlagern, so Spekulationen von Marktteilnehmern. Der Insolvenzantrag komme insofern rechtzeitig, als genügend Zeit bleibe, den Anleihengläubigern Zugeständnisse hinsichtlich der im Mai fälligen Kupon-Zahlung von knapp 3,5 Millionen Euro abzunötigen. Außer den Anleiheschulden hat Zamek kaum andere Finanzverbindlichkeiten. In der Bilanz wurden zum 30. Juni zudem Immobilienwerte von knapp 22 Millionen Euro ausgewiesen.

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