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Gebr. Sanders insolvent : Beds are burning

Auch mit edlen Kissen und Decken ist wohl nicht so gut Geld zu verdienen. Bild: Picture-Alliance

Es geht Schlag auf Schlag am Markt für Mittelstandsanleihen: Mit der Anleihe des Bettwarenherstellers Gebr. Sanders gerät die fünfte Anleihe in dieser Woche in Bedrängnis.

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          Es geht Schlag auf Schlag am Markt für Mittelstandsanleihen: Mit dem Bettwarenhersteller Gebr. Sanders wird am Donnerstag die fünfte Anleihe in Bedrängnis geraten. Nach der Versicherungsholding Enterprise und der KTG Energie hat nun auch das Unternehmen aus Bramsche bei Osnabrück einen Insolvenzantrag. Die Prolongation einer morgen auslaufenden Kreditlinie sei ungewiss geworden, daher sei der Schritt erforderlich. Gewählt hat das Unternehmen ein Schutzschirmverfahren, so dass Sanders also noch zahlungsfähig ist.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Schutzschirmverfahren hat das Unternehmen dann drei Monate Zeit, einen Insolvenz- und Sanierungsplan auszuarbeiten. Die Geschäftsführung geht davon aus, dass die Produktion weiterlaufen wird und Kundenaufträge ordnungsgemäß abgewickelt werden.

          Dauerhaft in roten Zahlen

          Sanders hatte 2013 eine Anleihe im Volumen von 22 Millionen Euro mit einem Zinssatz von 8,75 Prozent begeben. Diese hochverzinsliche Anleihe machte zuletzt 57 Prozent der Unternehmensschulden aus. Der Bettwarenhersteller hatte seit 2012 zwar den Umsatz um 20 Prozent auf 51,5 Millionen Euro im Jahr 2015 steigern können, war aber unter dem Strich praktisch nicht aus den roten Zahlen gekommen. Lediglich 2014 gab es einen kleinen Gewinn von 170.000 Euro.

          Wenigstens zum Teil dafür verantwortlich waren die Finanzierungsaufwendungen, die sich zwischen 2011 und 2015 auf 2,84 Millionen Euro mehr als verdoppelt hatten. Die betriebliche Marge vor Zinsen und Steuern hatte seit der Anleihenbegebung aber durchschnittlich bei wenig mehr als fünf Prozent gelegen. Am Freitag soll das Unternehmen plangemäß Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2016 vorlegen. Auch von diesen erwarteten Investoren keine Verbesserungen.

          Tatsächlich gab es einen Rekordverlust von 2,2 Millionen Euro bei stagnierenden Umsätzen von 22 Millionen Euro. Der operative Gewinn halbierte sich auf 326.000 Euro.

          Rating-Note „C“

          Ende August hatte zudem ein Überspannung im Werk Bramsche zum Ausfall einer Produktionslinie geführt. Wegen eines zerstörten Schaltschrankes sei die Fertigung zum Stillstand gekommen. Laut Halbjahresbericht stand die Fertigung längere Zeit, nämlich nauch noch im September still. Welche Folgen der Vorfall für Umsatz und Ergebnis hatte, wurde bis dato noch nicht kommuniziert.

          Noch am Donnerstag stufte die Rating-Agentur Creditreform Sanders Kreditwürdigkeit mit „C“ ein,. Zu diesem Zeitpunkt war der Schutzschirm-Antrag aber noch nicht vom Amtsgericht angenommen. Für diesen Fall hatte Creditreform schon eine Herabstufung auf „SD“ (Selective Default - teilweiser Zahlungsasufall) angekündigt.

          Probleme mit der Commerzbank?

          Bei der fraglichen Kreditlinie handelte es sich um die Borrowing Base Finanzierung der Commerzbank. Mit dieser hatte es schon in der Vergangenheit Schwierigkeiten gegeben. Die Aufrechterhaltung Borrowing-Base-Finanzierung hatte Sanders im Jahresabschluss als „zwingend“ bezeichnet. Dennoch war diese zuletzt nur kurzfristig verlängert worden – vom August 2015 bis März 2016, dann nur bis zum 13. Mai. Dann hatte Sanders nur noch über eine Fortschreibung informiert, ohne ein Datum zu nennen.

          Schon im Januar hatte Sanders den Gläubigern Zugeständnisse bei den Anleihebedingungen abgerungen. Diese hatten damals auf die sogenannte Negativverpflichtung verzichtet. Sanders hatte das damit begründet, dass dieser Passus das Unternehmen daran hindere, günstigere Finanzierungskonditionen zu erhalten, weil keine Sicherheiten gestellt werden konnten. Ob dies auf die Borrowing-Base-Finanzierung zielte, ist zwar nicht bekannt, hat aber angesichts des hohen Stellenwerts, die Sanders selbst dieser Finanzierungsart einräumt, eine hohe Wahrscheinlichkeit.

          Der Kurs der wenig gehandelten Sanders-Anleihe ist seit Emission im Trend gefallen. Im laufenden Jahr fiel er von 93 Prozent auf 60 Prozent der Nominale. Am Donnerstag brach er in Frankfurt auf 48 und in Düsseldorf auf 30 Prozent ein, bevor der Kurs ausgesetzt wurde.

          Nach Ansicht von Sanierungsexperten ist das Schutzschirmverfahren nur ein Vorspiel zu einer Insolvenz in Eigenverwaltung oder einem Regelinsolvenzverfahren. Daher werden die Anleihengläubiger von Sanders voraussichtlich einen zumindest teilweisen Zahlungsausfall hinnehmen müssen.

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