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Mittelstandsanleihe : Singulus-Anleihe erscheint marktüblich bewertet

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Das macht Hoffnung. Indes weckt Singulus solche nicht zum ersten Mal. Vor zwei Jahren versprach der damalige Vorstandschef Roland Lacher für 2010 einen kleinen Betriebsgewinn – tatsächlich fiel eineVerlust von 80 Millionen Euro an. Lacher hatte seinen Optimismus damals aus einem wie heute höheren Auftragseingang gezogen, wohingegen wie heute der Auftragsbestand deutlich geschrumpft war. Vor allem Blu-ray hatte es schon seinerzeit bringen sollen. Indes könnte es sein, dass Lacher damals einfach zu früh Hoffnungen geweckt hatte.

Anleiheemission hinterlässt Spuren

Mit dem Emissionserlös soll vor allem der Solar-Bereich ausgebaut werden, aber auch die Entwicklung von Anlagen der nächsten Blu-ray-Generation finanziert werden. Darüber hinaus will man, gegebenenfalls durch Akquisitionen neue Geschäftsfelder erschließen.

Was Anleiheinvestoren indes Anlass zu vertrauen geben sollte, ist die bisherige Entwicklung der Bilanzkennziffern. Diese zeigt eine Tradition zu einer soliden Ausstattung. Geht man allerdings von der letzten Bilanz zum 30. September aus, würde die Schuldenaufnahme die Eigenkapitalquote auf rund 53 Prozent fallen lassen – ein sehr guter Wert, aber die niedrigste Eigenkapitalquote seit 1999. Auch die Zinsaufwendungen werden sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppeln und den von Analysten durchschnittlich prognostizierten Gewinn vor Zinsen und Steuern von 9,325 Millionen Euro zu rund 85 Prozent aufzehren.

Kein Markenartikler-Bonus

Letztlich kommt es darauf an, dass Singulus das Geschäft stabilisieren kann und die mit dem Anleiheerlös finanzierten Projekte Erfolge werden. Im Telefonhandel wird die Anleihe derzeit mit Kursen knapp unter pari und damit mit einer Rendite von rund 8 Prozent gehandelt. Das deutet Zurückhaltung an. Der Name Singulus ist zwar bekannt, aber nicht so vertraut wie Markennamen à la Underberg, Valensina oder Katjes. Das bewirkt, dass diese für viele Anleger einfach nicht aus dem Alltag wegzudenken sind, so dass die Betrachtung von Risiken zuweilen deshalb vernachlässigt wird.

Ein kurzes Reflektieren über Markenunternehmen wie Märklin oder Schiesser, die in den vergangenen Jahren in die Insolvenz rutschten, sollte eigentlich genügen. Große Konzerne wie Philip Holzmann, Walter Bau oder Quelle sind auch gescheitert. Insofern sollte es Anleiheinvestoren nicht genügen, dass auf dem Rentenpapier Underberg oder Katjes steht – vor allem dann nicht, wenn wie im letzten Fall die bekannte deutsche Katjes nur sehr lose damit verknüpft ist.

Solar-Misstrauen

Das ist im Falle Singulus anders, weil das Unternehmen vor allem finanzmarktaffinen Menschen bekannt ist und diese aus den vergangenen Jahren einen eher zwiespältigen Eindruck mitgenommen haben.

Ein Übriges dürfte das Misstrauen gegenüber den Solar-Aktivitäten als Wachstumsfeld tun, vor allem nicht am Mittwoch, an dem mit Solarhybrid ein weiteres Photovoltaik-Unternehmen in die Insolvenz geht und die amerikanischen Anti-Dumping-Zölle gegen chinesische Konkurrenz eher lax ausgefallen sind. Zudem ist die Halbleiterbranche extrem zyklisch.

Dies dürfte Kursgewinne wohl auch weiter begrenzen. Eine Kreditvergabe über fünf Jahre ist eine lange Zeit. Anleger sollten also Singulus im Auge behalten, wenn sie in der Anleihe investiert sind. Aber das gilt letztlich für alle (Mittelstands-)Anleihen.

Insofern erscheint der Kupon von 7,75 Prozent nicht zu hoch. Mit einem Aufschlag von 6,2 Prozentpunkten gegenüber dem Banken-Referenzzins liegt die Bewertung im Rahmen der jüngsten Emissionen und auf fast demselben Niveau wie die Anleihen des Immobilienprojektentwicklers Eyemaxx und des Autozulieferers Mitec. Auf der Creditreform-Skala haben diese Unternehmen ein Rating von BBB+ bzw. BBB-. Dort sollte auch Singulus trotz des höheren Bekanntheitsgrades zu verorten sein.

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