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Insolventer Konzern : So kaufte sich die KTG Agrar ihr eigenes Getreide ab

  • -Aktualisiert am

Als die Welt scheinbar noch in Ordnung war: Maisernte der KTG Agrar Bild: Gunter Kloetzer/laif

Das langjährige Wachstum der insolventen Agrarkonzerns KTG beruhte nicht auf Ernten, sondern auf Schulden. Wie und mit wessen Hilfe die KTG ihre Bilanzen aufblies, wird erst jetzt klar.

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          Vom Acker bis auf den Teller, alles aus einer Hand. Das war seit ihrem Börsengang 2007 über neun Jahre die Geschäftsidee der KTG Agrar, die im Sommer Deutschlands wahnwitzigste und teuerste Insolvenz des Jahres geliefert hat. Konkret äußerte sich das Glück, die ganze Lieferkette in der Hand zu haben, im Geschäftsalltag der KTG so: Man war ganz frei vom Markt. Man machte die Preise einfach selbst. Etwa für Weizen und Mais. Siegfried Hofreiter, der Chef, entschied einsam und allein, wie viel Geld die KTG Agrar SE erlöste. Ein praktikables Vehikel, um die Umsätze zu schönen.

          Diese stiegen und stiegen von Jahr zu Jahr. Meist im zweistelligen Prozentbereich. 326 Millionen Euro Umsatz wurden zuletzt für die KTG Agrar SE ausgewiesen, nochmal 89 Millionen Euro für die Tochtergesellschaft KTG Energie AG. Je gut ein Drittel Ebitda-Marge. Ein Investorentraum.

          Ein Albtraum war es am Ende, mit rund 600 Millionen Euro Schulden und einer Überschuldung von 400 Millionen Euro. Dokumente, die dieser Zeitung zugespielt wurden, legen davon Zeugnis ab, wie das ging: Die KTG Agrar SE verkaufte die Ernte ihrer vielen Dutzend Agrarbetriebe einfach zu einem im Vergleich zum Marktpreis überhöhten Preis - an zwei Gesellschaften namens KTK. Davon, dass diese als eine Finanzdrehscheibe fungierte, berichtete die F.A.Z. schon mehrfach. Aber wie es genau ging, war noch schleierhaft.

          Künstlich aufgeblähte Bilanzsumme

          Jetzt scheint es klar. Die internen Buchungen ließen den Umsatz der Muttergesellschaft zuverlässig steigen. KTK - formal unabhängig, faktisch von Hofreiter-Getreuen und seinen finanziell begünstigten Vasallen geführt - verkaufte die Ernte dann zum Marktpreis weiter an die KTG Energie AG und/oder deren Tochtergesellschaften. Bei KTK, dessen Bilanzsumme mehr und mehr künstlich aufgebläht war, verblieben die Schulden. Sie wurden bei der KTG Agrar als Darlehen an die beiden KTK verbucht. Die Darlehen wuchsen im Laufe der Jahre auf mehr als 80 Millionen Euro an.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Und wohin flossen die rund 400 Millionen, die als Überschuldung zu Buche stehen? Eine im Verborgenen gehaltene „Bad Bank“ der KTG Agrar spielte eine gewisse, bisher öffentlich nicht beleuchtete Rolle. Sie hieß „Sampi Verwaltungs AG“, geführt von Eugen Schwab, einem der vielen treuen Weggefährten des mehrfach wegen Konkursverschleppung vorbestraften bayerischen Kleinbauernsohnes Hofreiter. Bei Sampi waren zuletzt rund 25 Gesellschaften gebündelt, an die oder aus denen heraus über all die Jahre eine Menge Geld geflossen war - das waren rund 140 Millionen Euro Bankschulden und zudem vor allem das Geld der gut 10.000 Anleger, die zwei Mittelstandsanleihen der KTG gezeichnet hatten.

          Zu Sampi gehörten Unternehmen, die für KTG-Gesellschaften als Generalunternehmer den Bau von Biogasanlagen durchführten, etwa eine „N.E.W. Organic Energy“. Die Rechnungen dafür sollen ausnehmend hoch ausgefallen sein, es blieben allein hier rund 14 Millionen Euro offene Forderungen. An wen das Geld letztlich floss, ist unklar. Nicht nur N.E.W. oder der Lohndienstleister Agroservice A.M.S., der der früheren Ehefrau Hofreiters und Mehrheitseignerin der KTG Agrar, Beatrice Ams, gehörte, sondern auch andere Gesellschaften dürften über überhöht abgerechnete Dienstleitungen Geld abgesaugt haben, berichten Insider.

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