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Mittelstandsanleihen : KTG Agrar ist pleite

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Der Agrarkonzern KTG Agrar ist pleite. Bild: FAZ.NET

Das Desaster am Markt für Mittelstandsanleihen geht weiter. Mit dem Insolvenzantrag des Agrarkonzerns KTG Agrar fällt nun der 28. Emittent an diesem Markt aus.

          Der Insolvenzantrag des Agrarkonzerns KTG Agrar ist für das in Verruf geratene Marktsegment der Mittelstandsanleihen ein weiterer Schlag, war das Unternehmen doch mit einem ausstehenden Anleihevolumen von mehr als 340 Millionen Euro nicht nur ein großer, sondern auch ein prominenter Schuldner. Die KTG Agrar zählt sich zu den größten landwirtschaftlichen Produzenten in Europa. Am Dienstag stellten Vorstand und Aufsichtsrat nun beim Amtsgericht Hamburg den Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.

          Bei einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung müssen angeschlagene Unternehmen die Führung nicht an einen Insolvenzverwalter abgeben, stattdessen überprüft ein vom Gericht bestellter Sachwalter die Sanierung. Bei KTG Agrar ist dies der Hamburger Anwalt Stefan Denkhaus.

          Das Unternehmen will durch den Schritt „eine zukunftsfähige Restrukturierung zur Fortführung der Unternehmensgruppe“ erzielen, bei der die Gläubiger eng eingebunden werden sollen, so KTG Agrar. Entsprechend werde man in den nächsten Monaten einen Restrukturierungsplan erarbeiten und einen Chief Restructuring Officer in den Vorstand berufen. Betroffen von dem Insolvenzverfahren sind den Angaben eines Sprechers zufolge 15 Mitarbeiter in der Holding. Zur Zahlung der Löhne und Gehälter werde umgehend eine Vorfinanzierung in die Wege geleitet.

          Statt Zinsen gab es nur weitere Vertröstungen

          Am Markt war über die Insolvenz schon seit Wochen spekuliert worden, nachdem das Unternehmen die Anleihezinsen von knapp 18 Millionen Euro per 6. Juni nicht aufbringen konnte. Vollmundig hatte der Konzern seinerzeit in Aussicht gestellt, die Zinsen, die Anlegern schon gut geschrieben worden waren, dann bis zum 20. Juni nachzuzahlen. „Wir entschuldigen uns für die Zahlungsverzögerung und werden diese schnellstmöglich leisten“, teilte  der Vorstandsvorsitzende Siegfried Hofreiter per Pressemeldung mit. „Die KTG Agrar ist seit dem Jahr 2010 ein verlässlicher Anleiheemittent und ihren Zahlungsverpflichtungen stets pünktlich nachgekommen.“

          Doch statt Zinsen gab es dann nur weitere Vertröstungen. „Wir möchten uns erneut aufrichtig für die Verzögerung entschuldigen und versichern, dass wir mit Hochdruck an einer Lösung arbeiten“, hieß es von Hofreiter am 10. Juni. Am 19. Juni verschob man die Zahlung bis zur Hauptversammlung am 30. Juni. Hofreiter trat nicht mehr in Erscheinung, sondern nur noch anonym „der Vorstand“.

          Als zum zweiten Mal dabei die Slogans fielen „Wir ackern für’s Leben“ und „Gegessen wird immer“, hatten Branchenkenner dafür schon nur noch Spott parat. „Wir ackern ums Überleben“ war noch eines der nettesten Dinge, die zu hören waren. Am 27. Juni verschob KTG dann die Hauptversammlung auf den 26. August. Auffällig war, dass die Entschuldigung da nicht mehr von Hofreiter kam, sondern vom Aufsichtsratsvorsitzenden Henning von Reden, der bis dahin eigentlich nie in Erscheinung getreten war.

          Der operative Betrieb wird, so das Unternehmen, fortgeführt, insbesondere die Einbringung der Ernte auf über 45.000 Hektar. Die Tochtergesellschaften der KTG Agrar SE sind den Angaben zufolge von dem Antrag nicht betroffen.

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