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Kaum noch Neuemissionen : Hohe Kursverluste mit Mittelstandsanleihen

  • -Aktualisiert am

Größter Handelsplatz für Mittelstandsanleihen: die Börse Stuttgart Bild: Wohlfahrt, Rainer

Das junge Marktsegment hat erste Kratzer bekommen: Die meisten Mittelstandsanleihen werden riskanter eingestuft als ein Aktienengagement im Dax. Die Börse Stuttgart führt eine Risikoklassifizierung ein.

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          Die Anleger in Mittelstandsanleihen haben turbulente Wochen hinter sich. Im Zuge der allgemeinen Risikoaversion seit dem Sommer haben auch viele Anleihen mittelständischer Unternehmen erheblich an Wert verloren. So fiel der Kurs der Payom Solar-Anleihe mit der Wertpapierkennnummer (WKN) A1H3M9 von 100 Prozent bis auf 30 Prozent. Zuletzt stieg er wieder auf rund 40 Prozent. Die Anleihe von Centrosolar (WKN: A1E85T) notierte am Donnerstag bei 50 Prozent, jene der Windreich AG (WKN: A1H3V3) auf 67 Prozent.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer als Anleger Payom Solar zutraut, im April 2016 zur Fälligkeit der Anleihe noch zahlungsfähig zu sein, der kann mit einer hohen Rendite rechnen. Neben dem jährlichen Kupon von 7,5 Prozent winken Kursgewinne von derzeit 40 auf 100 Prozent. Das Unterfangen ist jedoch riskant. Am Donnerstag stellte die Börse Stuttgart auf einer Pressekonferenz in Frankfurt eine Risikoklassifizierung für ihre 20 im Mittelstandssegment Bond M notierten Anleihen vor. Die zum Finanzdatenanbieter VWD gehörende EDG nimmt auf Basis eines adjustierten Value at Risk (VaR) eine Risikoeinstufung der Anleihen vor. Payom Solar wird wie sieben andere Anleihen aus Bond M in die als spekulativ eingestufte, höchste Risikoklasse eingeordnet. Die Wahrscheinlichkeit für einen Totalverlust binnen eines Jahres wird auf 23 Prozent beziffert.

          Nicht einfach nur Unternehmensanleihen kleinerer Unternehmen

          Da EDG mit ihren seit sechs Jahren erprobten, standardisierten Rechenmodellen auch das Risiko für andere Anlageklassen berechnet, lässt sich hier ein Vergleich bilden. Nur besonders schwankungsanfällige Einzelaktien werden ebenfalls der höchsten Risikoklasse zugeordnet. Einem Engagement im Dax wird nur ein mittleres Risiko zugeschrieben. Unternehmensanleihen, die ähnliche Laufzeiten wie Bond M-Papiere aufweisen, aber mindestens mit dem Rating A versehen sind, werden ebenso wie Bundesanleihen der geringsten Risikoklasse zugeordnet.

          Der Vergleich zeigt, dass Mittelstandsanleihen nicht einfach nur Unternehmensanleihen kleinerer Unternehmen sind und deswegen höhere Kupons zahlen. Vielmehr wird deutlich, dass mit der Anlage in den Papieren im Gegensatz zu klassischen Anleihen von Unternehmen guter Bonität eine signifikant höhere Ausfallgefahr einhergehen kann.

          Die erste Emission einer Mittelstandsanleihe in diesem Jahr

          Die Kursturbulenzen, die sich auch im Verlauf des Bond M-Index zeigen (siehe Grafik), haben zuletzt zu einer Zurückhaltung der Unternehmen bei neuen Anleiheplazierungen geführt. Seit Oktober gab es keine neuen Anleihen mehr. „Wir haben eine etwas schwierige Zeit hinter uns, aber in den vergangenen Wochen hat sich das Bild gewandelt, der Käuferstreik ist beendet und es müssten bald auch neue Anleihen kommen“, sagt Sabine Traub, Leiterin des Anleihesegments der Börse Stuttgart. „Wir haben mit drei bis vier Unternehmen sehr konkrete Gespräche geführt.“ Darüberhinaus arbeitet Traub an einem neuen Anleihesegment mit strengeren Kriterien als für Mittelstandsanleihen. Der Start mit ersten Anleihen ist noch vor der Sommerpause geplant. „Es soll die Lücke zwischen den großen Benchmarkanleihen und den Mittelstandsanleihen schließen“, sagt Traub.

          Bond M-Index
          Bond M-Index : Bild: F.A.Z.

          Bond M ist das erste Segment für Mittelstandsanleihen in Deutschland und mit einem Emissionsvolumen von 1,4 Milliarden Euro auch das größte. Später folgten die Börsen Düsseldorf und Frankfurt mit eigenen Mittelstandssegmenten. Alle neun Anleihen im Düsseldorfer „Mittelstandsmarkt“ notieren derzeit mindestens bei 98 Prozent. Von den zehn Anleihen in Frankfurt notieren drei niedriger als 93 Prozent. Die Scholz Gruppe bietet von nächstem Mittwoch an die Zeichnung einer Anleihe im Volumen von 150 Millionen Euro und mit einem jährlichen Kupon von 8,5 Prozent bei einer Laufzeit von fünf Jahren an. Die Papiere des Essinger Metall-Recyclers wären die erste Emission einer Mittelstandsanleihe in diesem Jahr. Der Handelsstart in Frankfurt ist für den 8. März geplant.

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