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Mittelstandsanleihen : Hoffnung für Zamek-Gläubiger?

Zamek-Werk in Dresden im Jahr 2006 Bild: dpa/picture-aliance

Der Brühwürfel-Pionier Zamek ist schon lange pleite, die Insolvenzmasse vernachlässigbar. Jetzt macht die Kanzlei Nieding + Barth den Anlegern Hoffnung, auf einen kostengünstigen Klageweg noch an Geld zu kommen.

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          Die skandalös anmutende Insolvenz des Suppenherstellers Zamek liegt bereits einige Jahre zurück. Das Unternehmen hatte im Mai 2012 eine Anleihe im Volumen von 35 Millionen Euro begeben und diese neun Monate später um 10 Millionen Euro aufgestockt, damit den Niedergang des angeschlagenen Unternehmens aber nicht aufgehalten. Der Umsatz fiel, der Verlust wuchs, das Eigenkapital löste sich in Wohlgefallen auf. Keine zwei Jahre danach kam die Insolvenz und 45 Millionen Euro an Anleihegeldern zerrannen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das einzig Werthaltige, was die Schuldnerin Zamek besaß, war ein Firmengrundstück, doch das endete dann in der Insolvenzmasse der operativen Tochtergesellschaften, so dass die voraussichtliche Insolvenzquote vernachlässigbar ist, wenn es überhaupt eine geben sollte.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Hoffnung macht den Anlegern nun indes die auf Kapitalmarktthemen spezialisierte Kanzlei Nieding+Barth. „Nach derzeitigen Erkenntnissen sehen wir mögliche Schadenersatzansprüche gegen sechs Organmitglieder und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft“, sagt Klaus Nieding, Vorstand der Rechtsanwalts-AG. „Uns liegen Erkenntnisse vor, dass der Emittentin bereits zum 31. Dezember 2012 die Zahlungsunfähigkeit drohte.“

          Tatsächlich war die Zamek schon lange vor der Begebung der Anleihe angeschlagen gewesen. 2008 hatte sich der frühere Geschäftsführer Ben Zamek um eine Finanzspritze von 8 Millionen Euro aus Dubai bemüht. Dabei war Zamek offenbar betrogen worden. Brisant sind dabei die Details über die damalige Lage von Zamek. Das Unternehmen war offenbar gemäß einem damals selbst in Auftrag gegeben Gutachten nur noch wenig mehr als 10 Millionen Euro wert.

          Zwischenzeitlich soll nur noch ein Privatkredit dem Unternehmen über die Runden geholfen haben, weil die Banken schon damals nicht mehr hätten helfen wollen. Angeblich soll der Kreditgeber der mit der Familie Zamek freundschaftlich verbandelte Franz Beckenbauer gewesen sein. Dieser gab dazu seinerzeit aber keine Auskunft.

          Nieding sieht zudem weitere Anhaltspunkte dafür, dass eine Aufstockung der Anleihe im Nachgang zur ursprünglichen Emission erfolgte, um die erste Zinszahlung an die Anleihegläubiger überhaupt leisten zu können. „Wir stehen hier in Kontakt mit der ermittelnden Staatsanwaltschaft, um Einsicht in die Ermittlungsergebnisse zu erhalten“, sagt Nieding.

          Schon früher war ruchbar geworden, dass die Anleihegelder wohl dazu verwendet wurden, den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten. Zamek soll schon Monate vor dem Insovenzantrag nicht mehr in der Lage gewesen sein, ordnungsgemäß zu produzieren. Ganz als Luftnummer stellte sich der angebliche Standort Polen heraus, dessen Inbetriebnahme Zamek für 2013 angekündigt hatte. Dort gebe es wenig mehr als eine angemietete Lagerhalle.

          Nieding+Barth bereiteten aktuell eine Klage für die Zamek-Anleihegläubiger vor. Oftmals hindert geprellte Anleger der geringe Streitwert bei ungewissen Aussichten daran, eine Klage einzureichen. Die Kanzlei will die Klage nun aber als sogenannte „streitgenossenschaftliche Geltendmachung“ einreichen. Das senke die Kosten massiv, weil sich hier mehrere Geschädigte mit identischen Ansprüchen zusammenschließen könnten. Zu beachten sei allerdings, dass Ende des Jahres die Verjährung der Ansprüche drohe.

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