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Insolvenzantrag : Gewa stürzt ab

Der Gewa-Tower in Fellbach Bild: Unternehmen

Nur fünf Tage nach dem Baustopp ist die Immobiliengesellschaft Gewa insolvent. Am Montag stürzt der Anleihenkurs ab.

          2 Min.

          Mit der Immobilienprojektgesellschaft „GEWA 5 to 1” geht der nächste Emittent von Mittelstandsanleihen in die Insolvenz. Die Anleihe im Volumen von 35 Millionen Euro diente der Finanzierung des Baus eines Wohnturms in Fellbach bei Stuttgart. Am Freitag veröffentlichte das Unternehmen nun eine Mitteilung, wonach man unverzüglich einen Insolvenzantrag stellen werde.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diese Entwicklung ist um so überraschender, als GEWA bis zum Montag der Vorwoche noch jegliche Probleme bestritten hatte. Dann aber hatte das Unternehmen einen Baustopp angekündigt. Jedoch wurde seinerzeit mit der Formulierung, es gebe „Abstimmungsbedarf hinsichtlich der weiteren Finanzierung und Bauplanung“ mit dem Generalunternehmer Baresel, suggeriert, dass die Probleme lösbar seien. Am Freitag folgte dann unvermittelt die Insolvenzankündigung mit der knappen Begründung, die Gespräche zur Wiederaufnahme der Bautätigkeiten seien gescheitert.

          Im Nachhinein zeigt sich, dass offenbar der Verkauf der Wohnungen erst ins Stocken geriet und dann ganz zum Erliegen kam. Zum Zeitpunkt der Anleihebegebung im März 2014 waren 28 der seinerzeit 65 Wohnungen verkauft. Zehn weitere wurden in den darauf folgenden zehn Monaten veräußert, in den anschließenden 13 Monaten bis Februar diesen Jahres nur noch sechs. Seit dem war es nur noch eine, im Oktober. Auch die Teilung einer Wohnung scheint rückblickend der Not geschuldet zu sein.

          Da obendrein der Kaufpreis für das in dem Turm befindliche und vorab verkaufte Hotel erst im ersten Quartal 2017, nach Fertigstellung und Abnahme des Hotelprojektes, fließen soll, scheint es schon länger ein Finanzierungsproblem abgezeichnet zu haben. Von den rund 33 Millionen Euro Nettoerlös aus der Anleihe sind bei unterstellter prospektgemäßer Verwendung rund neun Millionen zur Tilgung eines Alt-Darlehens und für Zinszahlungen verwendet worden. Zum 30. Juni betrugen die liquiden Mittel des Unternehmens noch 5,2 Millionen Euro.

          Gewa will weiterbauen, Generalunternehmer auch

          In Fellbach hatte es wohl schon früher Gerüchte gegeben, wonach die Arbeiten am Turm stockten. Dies hatte Bauherr Michael Warbanoff zunächst bestritten, bevor Baresel eine Fristverlängerung beantragte. Warbanoff will das Projekt im Rahmen eines geordneten Insolvenzverfahrens fertigstellen. Dazu liefen schon Gespräche auch unter Einbeziehung des Generalunternehmers.

          Ob darauf angesichts der bisher schon kargen Kommunikation und der sich überstürzenden Ereignisse Verlass ist, muss sich noch zeigen. Laut den „Stuttgarter Nachrichten“ will Generalunternehmer Baresel nun das Projekt übernehmen und fertigbauen. Auch die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull wolle sich einschalten, eine Bürgschaft wolle die Stadt aber nicht übernehmen.

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          Der Anleihenkurs fiel am Montag von 79 auf rund 26 Prozent. Die Anleihe ist mit einer Grundschuld besichert, die Mittelverwendung stand unter Treuhandschaft. Auch wenn die Erfahrungen mit Sicherheiten im Fall von anderen Mittelstandsanleihen nicht positiv sind, so können sich Gläubiger in diesem Fall wohl mehr Hoffnungen machen als bei den bisherigen Insolvenzen. Bei der Insolvenz der Golden Gate GmbH, der bisher einzigen Insolvenz einer Immobiliengesellschaft im Bereich der Mittelstandsanleihen, können die Gläubiger laut Insolvenzverwalter Axel Bierbach mit einer vergleichsweise hohen Auszahlung auf ihre Forderungen von 49 bis 70 Prozent rechnen.

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