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Hohes Risiko : Finger weg von Mittelstandsanleihen

Seit Mittwoch pleite: Der Modehersteller Strenesse Bild: Kretzer, Michael

Der Modehersteller Strenesse ist pleite. Die Anleger verlieren viel Geld. Das zeigt: Anleihen von Mittelständlern sind hochriskant.

          Strenesse war lange eine international bekannte Modemarke. Zu seinen besten Zeiten machte das Nördlinger Unternehmen 100 Millionen Euro Umsatz. Doch jetzt ist alles anders: Nach mehr als zehn Jahren Krise muss Firmenchef Luca Strehle den Notschalter drücken. Am Mittwoch meldete er Insolvenz an.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das trifft auch viele Anleger. Sie hatten im vergangenen Jahr die Anleihen von Strenesse gekauft. Zwölf Millionen Euro hatte das Modehaus eingeworben, um sich finanziell Luft zu verschaffen. Neun Prozent Zinsen im Jahr lockten. Schon im Februar musste Luca Strehle die Gläubiger um drei Jahre Zahlungsaufschub bitten, weil er die Anleihe nicht zurückzahlen konnte. Er bekam die Zustimmung, doch er fand keinen Partner, der ihm mit Kapital beigesprungen ist.

          Viele Anleihen haben stark an Wert eingebüßt

          Nun müssen die Gläubiger fürchten, zumindest einen Teil ihres Geldes nie mehr wiederzusehen. Damit sind sie in bester Gesellschaft. Denn im Börsensegment der sogenannten Mittelstandsanleihen, in dem die Strenesse-Papiere notiert sind, wurden schon einige Unternehmen zahlungsunfähig und konnten ihre Anleihen nicht mehr bedienen.

          Von wegen solider Mittelstand! Das Gegenteil ist richtig: Mittelstandsanleihen sind hochriskant und Privatanlegern eigentlich nicht zu empfehlen. Schon 16 Firmen und 21 Anleihen von insgesamt knapp 120 Mittelstandspapieren sind notleidend geworden, werden also nicht mehr ordentlich bedient. Und die Misere bleibt bei weitem nicht auf Solar- und Windfirmen beschränkt, wo das Unheil seinen Anfang genommen hat. Auch abseits der Öko-Ecke haben Anleihen stark an Wert eingebüßt, obwohl noch kein Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Ein aktuelles Beispiel ist der Fahrradhersteller Mifa. Die Kurse sind so stark gefallen, dass die Rendite im Gegenzug auf 20 Prozent hochgeschnellt ist. Was attraktiv klingt, ist ein Alarmzeichen. Mifa hat massive finanzielle Probleme. Hohe Zinsen sind ein untrügliches Signal dafür: Schon Renditen von mehr als vier oder fünf Prozent sollten zur Vorsicht mahnen. Der Mibox-Index spiegelt die schlechte Wertenwicklung vieler solcher Mittelstandsanleihen. Er liegt unter seinem Wert von Anfang 2011. Er umfasst alle an den Börsen in Frankfurt (größter Markt für Mittelstandsanleihen), Stuttgart, Düsseldorf und anderen deutschen Marktplätzen notierten Mittelstandsanleihen, die mindestens zwölf Monate Laufzeit haben. Nur rund die Hälfte der im Index enthaltenen Werte liegt im Plus. Dabei sollten Anleihen eigentlich jedes Jahr positive Erträge erwirtschaften. Zum Vergleich: Der Index der europäischen Hochzinsanleihen stieg mehr als 30 Prozent.

          Bilderstrecke

          Manch einer vergleicht die deutschen Mittelstandsanleihen schon mit den Aktien vom Neuen Markt, der im Jahr 2003 geschlossen wurde. Die Kurse erlebten auch einen tiefen Fall, den Privatanlegern bescherte das große Verluste – der Ruf war ruiniert.

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