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Gesund, aber hilfebedürtig : Valensina sucht Käufer

Bild: Valensina

Die Saftmarke Valensina soll nach Informationen der Sonntagszeitung zum Verkauf stehen. Das Unternehmen dementiert. Aber auch den Wettbewerbern macht der sinkende Saftkonsum zu schaffen.

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          Die Fruchtsaftbranche verspürt seit Jahren Druck. Der Rohstoff Obst wurde teuer, die Verkäufe sanken, Hersteller gingen pleite oder fusionierten. Nun steht eine der bekanntesten Firmen zum Verkauf: Valensina. Die Eignerfamilie Mocken hat die Investmentbank Lincoln mandatiert, einen Käufer zu suchen, wie aus Unterlagen hervorgeht, die der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vorliegen. Die Firma allerdings dementierte.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Valensina stellt die gleichnamigen Säfte, Nektare, Limonaden und Bonbons her - aber auch Getränke der Marken Hitchcock und Wolfra. Der Verkauf der Marke Hitchcock war ohnehin beschlossene Sache; die Investmentbank Freitag sondiert für dieses Geschäft den Markt nach Interessenten.

          Zudem, so richtete der PR-Berater von Valensina aus, „sucht das Unternehmen Valensina mit dem Ziel der weiteren Entwicklung und Expansion einen Partner. Nicht zur Debatte steht hingegen der von Ihnen angefragte Verkauf der Marke oder des Unternehmens Valensina.“ Ebenso hatte Geschäftsführer Wilfried Mocken in der „Lebensmittel Zeitung“ von Ende Oktober Gerüchte über einen Verkauf des Valensina-Kerngeschäfts zurückgewiesen. Das sei „absoluter Quatsch“.

          Jedoch ist die Lage eindeutig: Die von Valensina beauftragte Bank schickte kurz darauf, im November, eine Präsentation an mögliche Interessenten und lud zu vorläufigen Offerten ein - und zwar „für den Erwerb von 100 Prozent der Anteile an der Gesellschaft“, wie es im Begleitbrief heißt. Interessenten werden darin aufgefordert, den Preis zu nennen, „den Sie bereit sind, für 100 Prozent der Unternehmensanteile zu bieten“. Offerten sollten bis Mitte Dezember eingehen, im März solle ein verbindlicher Vertrag unterzeichnet werden. Das Schreiben liegt dieser Zeitung vor. Valensina prüfe alle strategischen Optionen, sagten mit dem Vorgang vertraute Personen.

          Den Saftherstellern geht der Saft aus

          Fruchtsafthersteller sind in den vergangenen Jahren geplagt. Die höheren Kosten im Einkauf können sie meist nicht im selben Umfang auf die Verkaufspreise umlegen, weil die mächtigen Handelskonzerne das nicht zulassen. Außerdem drohen Verbraucher auf günstigere Getränke auszuweichen, wenn es zu teuer wird.

          Die Safthersteller suchten ihr Heil in Fusionen, um ihrerseits mächtiger zu werden. Vor kurzem fusionierten zwei Große der Branche: die niederländische Refresco, die zum Beispiel Rewe mit Saft für die Eigenmarke beliefert, und die britische Gerber-Emig-Gruppe, die ebenfalls Getränke für Supermarktketten herstellt. Beide gehörten für sich allein schon zu den wichtigsten Konkurrenten Valensinas.

          Wesentliche Wettbewerber unter den Markensaft-Herstellern sind Eckes („Granini“, „Hohes C“) und Punica, die zum amerikanischen PepsiCo-Konzern gehört. Kleinere Konkurrenten gehen in die Knie: Elro aus Rostock meldete 2012 Insolvenz an. Der norddeutsche Anbieter Döhle gab im Jahr zuvor auf und nannte als Gründe die Marktkonzentration im Lebensmittelhandel und wachsende internationale Konkurrenz.

          Valensina dagegen begab 2011 eine Anleihe über 50 Millionen Euro, um die Marke weiter aufzubauen und die Finanzierung zu sichern. Sie wurde im Jahr darauf um 15 Millionen Euro aufgestockt, 2016 wird sie fällig. Laut dem damaligen Wertpapierprospekt hält der kürzlich 70 Jahre alt gewordene Wilfried Mocken 85 Prozent an der Firma, sein Sohn Tino Mocken, der in einer Woche 40 wird, 15 Prozent.

          In Deutschland - Kernmarkt von Valensina - geht der Saftkonsum seit Jahren zurück. Laut Branchenverband VdF trank 2012 jeder Deutsche im Schnitt 33,2 Liter, 1,8 Liter weniger als im Jahr zuvor. Deutschland ist demnach aber immer noch Weltmeister - knapp vor Norwegen (31,9 Liter) und Finnland (29,5 Liter). In der EU waren es durchschnittlich 20,6 Liter pro Kopf.

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