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Insolvenz : Anlegern von German Pellets könnte nichts bleiben

Säcke voll Sorgen: Bei German Pellets wird vor allem Geld verbrannt. Bild: Tobias Schmitt

Den Anlegern des Brennstoffherstellers droht der Totalverlust. Mittlerweile häufen sich die Berichte über dubiose Vorgänge.

          Seit Montag können die Gläubiger des insolventen Brennstoffherstellers German Pellets sich als Gläubiger des Konzerns registrieren. Dabei beschäftigt die Anleihekäufer wohl eine Frage: Was wird übrigbleiben? In den bisherigen Insolvenzfällen bei Mittelstandsanleihen sind die Quoten sehr unterschiedlich ausgefallen, die meisten Verfahren schweben noch. Die Prognosen liegen zwischen 70 Prozent und gar nichts.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Fall von German Pellets müssen sich Anleger wohl eher mit der zweiten Variante vertraut machen. Schon kurz vor dem Insolvenzantrag hatte die Investmentbank Houlihan Lokey eine „illustrative Wertaufholung“ für diesen Fall erstellt und dabei eine Quote von 0,4 Prozent der Gläubigerforderungen errechnet.

          Erlöse sanken um mehr als elf Prozent

          Kurz zusammengefasst, hat sich German Pellets, als es ohnehin schon nicht gut lief, offenbar immer tiefer in die Misere geritten. Die Erlöse aus der Pelletproduktion sanken von 2012 bis 2014 um mehr als elf Prozent. Und während sich das Defizit der ebenfalls insolventen sächsischen Tochtergesellschaft auf 7,7 Millionen Euro versiebenfachte und der Gewinn der Tochtergesellschaft Firestixx langsam auf weniger als eine Million Euro schrumpfte, steckte man Geld in neue Großprojekte.

          So etwa in den German-Pellets-Chef Peter Leibold gehörenden, nun auch insolventen Ofenbauer Kago. Mitte 2014 wurden die Darlehen noch auf 16,7 Millionen Euro beziffert. Im März 2015 waren es schon 21,5 Millionen, im August 27,4 Millionen, im Januar 2016, kurz vor dem Konkursantrag, sollen es 30 Millionen gewesen sein. Zur gleichen Zeit kaufte German Pellets aber noch ein Kraftwerk.

          Die Hauptlast indes sind die beiden in Amerika gebauten Pelletwerke. Diese befinden sich jedoch nicht im Eigentum von German Pellets, sondern von zwei Bauträgergesellschaften, die mittelbar der österreichischen PELE-Privatstiftung gehören. Deren Vorstand, in dem Leibold bis 2014 selbst saß, besteht aus mit dem Unternehmen verbundenen Personen (F.A.Z. vom 3. Februar). Die Bauträgergesellschaften finanzierten sich durch von der Stiftung bereitgestelltes Eigenkapital, die dieses wiederum als Darlehen von rund 140 Millionen Euro von German Pellets erhalten hatte. Mit Hilfe dieses Eigenkapitals wurden in Amerika weitere Anleihen begeben, wovon mindestens 23 Millionen Euro von German Pellets garantiert wurden.

          350 Millionen Euro Schulden

          Die Schulden von German Pellets lassen sich auf rund 350 Millionen Euro taxieren. Die ausgereichten Darlehen gelten als uneinbringlich. Da sich die amerikanischen Werke nicht im Besitz der German Pellets befinden, dürften diese nicht in die Insolvenzmasse eingehen. Und weil wegen der Zahlungsausfälle bei den amerikanischen Anleihen Klagen vorbereitet werden, könnte German Pellets hier womöglich drauflegen müssen.

          Immer mehr verdichten sich die Anzeichen, dass in den vergangenen Monaten kein ordnungsgemäßer Produktionsbetrieb mehr stattgefunden hat, offenbar weil es an Geld mangelte. „Insofern wird die vordringliche Aufgabe der Insolvenzverwalterin sein, diesen wieder in Gang zu bringen“, sagt Restrukturierungsexperte Andreas Ziegenhagen von der Wirtschaftskanzlei Dentons. Dazu werde sie allerdings das Vertrauen der Lieferanten wiederherstellen müssen, um mangels Liquidität ohne Vorauszahlung oder Massedarlehen wieder beliefert zu werden.

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