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Insolvenz : Anlegern von German Pellets könnte nichts bleiben

Auch die für die Pelletwerke zu erzielenden Preise dürften nicht in den Himmel schießen. Die deutsche Pelletproduktion ist seit 2013 um elf Prozent gefallen. Mit einer Gesamtkapazität von etwa 800.000 Tonnen entfallen 40 Prozent der Kapazität auf die Werke von German Pellets. Zudem ist die Ölpreisentwicklung für alternative Brennstoffe ungünstig.

Unwahrscheinlich, dass für die Gläubiger etwas übrigbleibt

Ob die Masse ausreichen wird, um Verfahrenskosten und Verbindlichkeiten zu decken, ist daher noch unklar. Für die Geldgeber sei das Unternehmen momentan wie eine Blackbox, sagt Marvin Müller-Blom von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Ich gehe davon aus, dass das Insolvenzverfahren für die operativen Gesellschaften eröffnet wird“, sagt Ziegenhagen, der mit einem langwierigen Verfahren rechnet. „Bei kleineren Gesellschaften wie der Genussrechte-GmbH wird die Masse unter Umständen nicht ausreichen.“ Kenner der Materie sehen so eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass für die Gläubiger der Anleihen und Genussscheine etwas übrigbleibt.

Ob Gesellschafter und Geschäftsführung haftbar gemacht werden können, wird letztlich nur von den Gerichten geklärt werden können und Jahre in Anspruch nehmen. Es gibt Gerüchte über strafbare Handlungen. So soll German Pellets bereits fakturierte Ware anderweitig verkauft haben.

Einige Beobachter zweifeln, dass Geschäftsführer Peter Leibold noch bereit war, die tatsächliche Lage des Unternehmens zu akzeptieren. Das Werk in Louisiana ist wegen eines Software- oder Elektronikfehlers offenbar nicht betriebsbereit. Anstatt den Fehler zu beheben, soll das Personal aber abgezogen worden sein, um das Kohlekraftwerk im belgischen Langerlo umzurüsten. Zu diesem Zeitpunkt hätte aber klar sein müssen, dass die dafür erforderlichen geschätzten 125 bis 250 Millionen Euro gar nicht aufgebracht werden konnten.

Stattdessen habe German Pellets wegen des nicht behobenen Fehlers 30 Millionen Dollar an öffentlichen Zuschüssen in Louisiana verloren. Leibold sei ab Frühjahr 2015 für Investoren praktisch nicht mehr ansprechbar gewesen. Zu anberaumten Gesprächen mit Eigenkapitalgebern sei er bisweilen einfach nicht erschienen.

Trotz Insolvenz am Umbau festhalten

Dubios erscheinen auch die Vorgänge um das im Januar gekaufte Kraftwerk Langerlo. Auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung soll Leibold nach Berichten belgischer Medien am Dienstag der vergangenen Woche angekündigt haben, German Pellets werde trotz Insolvenz am Umbau festhalten. Das hat er aber gar nicht mehr zu entscheiden.

Auch soll das Kraftwerk German Pellets gar nicht mehr gehören. Vielmehr soll es an die österreichische Bclever GmbH weitergereicht worden sein. Deren Geschäftsführer Stefan Malaschofsky ist auch Aufsichtsrat einer Finanzbeteiligungsgesellschaft, in deren Vorstand mit Wolfgang Zronek auch der Vorstandsvorsitzende der PELE Privatstiftung sitzt, der mittelbar die Eigentümergesellschaften der amerikanischen Pelletwerke gehören. PELE, VCP und Bclever habe alle ihren Sitz im selben Bürohaus in Wien.

So könnte der Kraftwerksumbau sogar erfolgen. Zumal der Betrieb in Belgien angeblich aus öffentlichen Mitteln jährlich mit 200 Millionen Euro bezuschusst wird. Davon hätten die Anleger von German Pellets allerdings nichts.

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