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Russland-Krise : Ekotechnika will Anleihe in Aktien umtauschen

Ekotechnika handelt vor allem mit John-Deeere-Maschinen Bild: AFP

Der Verfall des Rubels hat den Landmaschinenhändler Ekotechnika in Schieflage gebracht. Anleihengläubiger sollen nun ihre Forderungen in Aktien tauschen.

          Die Ekotechnika GmbH, die deutsche Holding des russischen Landmaschinenhändlers Ekoniva-Technika, muss die Sanierung einleiten. Durch die massive Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation infolge des Kursverfalls des russischen Rubels und des starken Anstiegs der Finanzierungskosten ist die Gesellschaft in Schieflage geraten.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zunächst soll nun das Stammkapital der GmbH im Verhältnis 25 zu 1 von 2,025 Millionen auf 81.000 Euro herabgesetzt werden. Zur anschließenden Kapitalerhöhung in der künftig als AG fungierenden Gesellschaft will Ekotechnika die Inhaber seiner Mittelstandsanleihe heranziehen. Die mit 9,75  Prozent verzinste und eigentlich 2018 fälligen Inhaberschuldverschreibung mit einem Volumen von 60 Millionen Euro soll samt aufgelaufener Zinsen in eine Sachkapitaleinlage von 1,539 Millionen Euro umgewandelt werden.

          Dazu sollen die Gläubiger der Anleihe für je 1.000 Euro Nominalwert  25,65 Ekotechnika-Aktien erhalten können. Verzichten sie darauf, sollen die Aktien bestmöglich verwertet und der Verkaufserlös ausgeschüttet werden. Nach Durchführung dieser Sachkapitalerhöhung könnten bis zu 95 Prozent des Stammkapitals der Gesellschaft den Anleihegläubigern gehören.

          Gründer Stefan Dürr kehrt zurück

          Anschließend soll das Kapital durch Bareinlage des Alleingesellschafters Ekotechnika Holding auf 3,14 Millionen Euro  weiter erhöht werden. Die Aktien sollen künftig im Freiverkehr gehandelt werden.

          Diesem Vorschlag sollen die Gläubiger in einer Abstimmung ohne Versammlung zwischen dem 30. März und dem 2. April 2015 zustimmen. Sollte mangels Beschlussfähigkeit eine zweite Gläubigerversammlung erforderlich werden, so ist diese auf den 6. Mai terminiert. Der Gründer und bisherige Mehrheitsgesellschafter, Stefan Dürr, löst zudem Olga Ohly als Geschäftsführerin ab. Wolfgang Bläsi bleibt Finanzvorstand.

          Die Rating-Agentur Creditreform hatte die Bonitätsnote der Ekotechnika am 27. Februar auf  „CC“ weiter gesenkt. Hintergrund der Krise ist vor allem der Wechselkursverfall des russischen Rubels. Ekotechnika handelt mit Landmaschinen und Ersatzteilen, größtenteils des amerikanischen Unternehmens John Deere. Dadurch entstehen Kosten zum großteils in Dollar, hinzu kommt die Finanzierung über die Mittelstandsanleihe in Euro. Dagegen fallen die Erlöse in Rubel an.

          Im vergangenen Geschäftsjahr war der Umsatz deutlich gesunken, der  Verlust hatte sich vervielfacht. Zudem entstand in der Bilanz eine hohe  Eigenkapitallücke. Dabei hatte der Rubel nach Geschäftsjahresende weiter drastisch abgewertet. Erste Sanierungsversuche waren offenbar nicht ausreichend gewesen.

          Der Kurs der Anleihe hat sich schon seit Emission im April 2013 schlecht entwickelt, stürzte aber seit dem Sommer des vergangenen Jahres von rund 90 auf zuletzt knapp 25 Prozent ab. Ekotechnika war im April 2013 von Creditreform mit „BB-“ noch sieben Noten besser eingestuft worden. Derzeit findet in der Anleihe kein Handel statt.

          Ekosem-Agrar zeigt sich stabil

          Der Schwesterkonzern Ekosem-Agrar, Holdinggesellschaft des russischen Milchproduzenten Ekoniva zeigt sich dagegen trotz einer schwachen Rubelentwicklung stabil. Nach am Mittwoch veröffentlichten vorläufigen, ungeprüften Zahlen soll der Jahresüberschuss von 2,1 Millionen Euro im Vorjahr auf deutlich mehr als 10 Millionen Euro steigen. Das starke operative Geschäft überkompensiere negative Währungseffekte, insbesondere auf der Finanzierungsseite.

          Letztere seien deutlich geringer ausgefallen als bei Ekotechnika. Zudem seien die Rubelpreise für Milch und Getreide durch ihre Kopplung an die Weltmarktpreise in Dollar und Euro deutlich gestiegen. Auch wenn sich in den  Euro-Bilanzen von Ekosem-Agrar die Rubel-Schwäche auf der Eigenkapitalseite ebenfalls bemerkbar mache, verzeichne die Gruppe in der vorläufigen Bilanz zum 31. Dezember eine Eigenkapitalquote von rund 15 Prozent.

          Ekoniva gehöre darüber hinaus zu den 199 Unternehmen, die im Februar 2015 von der russischen Regierung als strategisch wichtig eingestuft worden seien. Die Unterstützung dieser Unternehmen soll die Wirtschaft stabilisieren und die Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise minimieren.

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