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Berentzen-Anleihe : Hoffen auf türkisch-chinesischen Schnapsdurst

Berentzen: Nach vorn mit Apfelkorn Bild: dpa

Der Finanzinvestor Aurelius hat bei Berentzen in den vergangenen Jahren aufgeräumt. Nun soll der Schnapsbrenner wieder wachsen - nicht zuletzt mit Hilfe einer Anleihe.

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          Der Markt für Mittelstandsanleihen wird immer mehr zu einem Markt für Marken. Genutzt wird dies unter anderem von der Getränkeindustrie. Nach Underberg, Valensina und Karlsberg hat nun auch der Spirituosenhersteller Berentzen eine Anleihe im Volumen von 50 Millionen Euro begeben. Wie immer war auch diese „Marken-Emission“ für das Unternehmen ein voller Erfolg, wurde das geplante Volumen von 50 Millionen Euro in rekordverdächtigem Tempo binnen zwei Stunden abgesetzt. Auch seitdem ist die Anleihe ein Erfolg und notiert bei 104,62 Prozent.

          Erfreuliche Nachricht für den Kapitalmarkt

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seitdem Berentzen einst vor 18 Jahren den Gang an den Aktienmarkt angetreten hatte, ist dieser Erfolg eine schöne Abwechslung. Denn der Ruf des Unternehmens am Kapitalmarkt wurde im vergangenen Jahrzehnt schwer ramponiert. Der anhaltende Streit der früheren Eigentümerfamilien Berentzen, Pabst und Richarz, der den Niedergang des Schnapsbrenners begleitete, lähmte das Unternehmen und verhinderte lange Zeit eine Neuorientierung.

          Von mehr als 280 Millionen Euro im Jahr 1996 sank der Umsatz auf rund 180 Millionen Euro im Jahr 2006. Von mehr als 15 Millionen Euro fiel der Gewinn bis 2008 auf zumeist 3 Millionen Euro oder weniger. Vier Jahre brachten hohe Verluste. Das änderte sich erst 2008, als der Finanzinvestor Aurelius die Mehrheit an Berentzen übernahm. Heute hält die Gesellschaft immer noch direkt und indirekt mehr als 90 Prozent der Stamm- und ein großes Paket an börsennotierten Vorzugsaktien.

          Großreinemachen mit Gesundschrumpfung

          Auch wenn neue Besen üblicherweise gut kehren, so nahm das Reinemachen doch einige Zeit in Anspruch. „Bis zum dritten Quartal 2009 waren wir damit beschäftigt, die Lieferkette effizient zu gestalten“, sagt Stefan Blaschak, seit der Übernahme Vorstandschef bei Berentzen. „Nur wer diese kontrolliert, kann am Wettbewerb teilnehmen.“ In dieser Zeit sei es nicht auf Umsatzwachstum angekommen. Im Gegenteil wurde rund ein Drittel der Artikel aus dem Sortiment gestrichen. Zudem wurde das Lizenzgeschäft aufgegeben, da dies den Fokus von den eigenen Produkten genommen habe.

          Konsequent fiel der Umsatz, der sich 2007 und 2008 erholt hatte, weiter und erreichte 2011 mit 146 Millionen Euro. Ende der siebziger Jahre, noch vor der Fusion mit Pabst und Richarz setzte Berentzen umgerechnet 127 Millionen Euro um. Nach der Fusion kam der neue Konzern 1988 auf einen Umsatz von 256 Millionen Euro.

          Die Spirituosenbranche steckt schon fast chronisch in der Krise. Seit der drastischen Erhöhung der Branntweinsteuer Ende der siebziger Jahre hat sie sich nie mehr dauerhaft erholt. Zu lange habe sie sich auf den Heimatmarkt und die Entwicklung in den Schwellenländern fokussiert, meint Blaschak. Auch Berentzen habe sich die Entwicklung zehn Jahre lang von außen angesehen. Nach der Wiederbelebung der hauseigenen Marken müsse man nun eben schneller wachsen.

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