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Mittelstandsanleihen : Bei der KTG Agrar gibt es nichts mehr zu ernten

Die Aufräumer von KTG Agrar: Sanierungsvorstand Jan Ockelmann (l) und Sachwalter Stefan Denkhaus Bild: dpa

Teure Helikopterflüge und mit 394 Millionen Euro überschuldet - trotz viel mehr Subventionen als gedacht. Das ist eine Zwischenbilanz der Pleite des Agrarkonzerns KTG.

          Siegfried Hofreiter regierte in seinem Betrieb wie ein König. Wichtige Entscheidungen traf der Unternehmer, der sich über Jahre als Deutschlands größter Bauer gerierte, weitgehend im Alleingang. Und auch nach außen hin gab sich der Gründer und langjährige Chef des Landwirtschaftskonzerns KTG Agrar geradezu selbstherrlich. Hofreiter, 54 Jahre alt, ließ sich mit einem Helikopter zu Geschäftsterminen im ganzen Land fliegen. Allein die Leasing-Kosten für das Fluggerät sollen sich im vergangenen Jahr auf 1,5 Millionen Euro belaufen haben.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Der Höhenflug ist längst vorbei. Seit Anfang Juli ist die KTG Agrar SE zahlungsunfähig, am Donnerstag hat das Amtsgericht Hamburg das offizielle Insolvenzverfahren eröffnet. Hofreiter hat das Unternehmen verlassen, die Geschäfte werden vom Sanierungsvorstand Jan Ockelmann und dem vorläufigen Sachwalter Stefan Denkhaus geführt.

          Das bedeutet aber nicht, dass der Unternehmer aus dem Schneider ist. Im Gegenteil: Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen den früheren Firmenchef und vier weitere Manager eingeleitet. Sie sollen die wirtschaftliche Lage der weitverzweigten Gruppe falsch dargestellt haben. Hofreiter war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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          Allerdings war die Finanzlage des Unternehmens Wochen vor Beginn des Insolvenzverfahrens offensichtlich dramatisch. Im Frühling soll Hofreiter, weil es an Liquidität fehlte, sich bei befreundeten Händlern Pflanzenschutzmittel für viele hunderttausend Euro „geliehen“ haben. Ohne die wäre die Ernte miserabel ausgefallen.

          Zu dieser Zeit stellte sich KTG noch als erfolgreiches und innovatives Agrar- und Bioenergieunternehmen dar. Hofreiter nahm Wochen später lächelnd und braungebrannt in Berlin an einer öffentlichen Podiumsdiskussion teil und berichtete, wie gut KTG aufgestellt sei für eine Zukunft, in der die Menschen mehr biologische und vegetarische Lebensmittel äßen.

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          Die öffentlichen Auftritte des Landwirts standen offenbar schon seit Jahren im krassen Gegensatz zum Missmanagement innerhalb des Konzerns. Darauf lassen auch die ersten Untersuchungen von Denkhaus und Ockelmann schließen, die die beiden Juristen am Donnerstag erstmals vor Journalisten präsentierten. Der KTG-Konzern, der rund 100 Tochtergesellschaften hat und rund 45.000 Hektar Land beackert, sei ein „undurchsichtiges Firmengeflecht“. Er verfüge über „keine transparenten Finanzen- und Controllingsysteme“ und sei stark auf die Führung durch eine einzelne Person, nämlich Hofreiter, zugeschnitten.

          Man bemüht sich den Geschäftsbetrieb aufrecht zu halten

          Um das Dickicht an externen Gesellschaften und Beteiligungen zu durchdringen und professionelle Konzernstrukturen aufzubauen, haben die Insolvenzverwalter nun externe Beratungsfirmen eingeschaltet. Diese sollen auch dabei helfen, die finanzielle Lage der Gruppe genauer zu bestimmen. Für die Gläubiger dürfte wohl wenig bis nichts bleiben.

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          Dabei floss reichlich Staatsgeld in den Konzern. KTG Agrar erhielt weit höhere Agrarsubventionen, als die Bundesregierung bisher mitgeteilt hatte. In der Förderperiode 2014/2015 waren dies knapp 17 Millionen Euro. Das erfuhren die Grünen auf mehrmalige Anfrage hin. Bis dahin war von rund sechs Millionen Euro die Rede gewesen. „Das ist eine Verschwendung öffentlicher Gelder“, sagte der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion Friedrich Ostendorff. Kapitalinvestoren und auch andere Agrarkonzerne wie die KTG sollen nach dem Willen der Grünen nicht so viel Staatsgeld erhalten wie Bauernhöfe.

          Trotz der dramatischen Schieflage gaben sich die Insolvenzverwalter Denkhaus und Ockelmann optimistisch, dass die KTG-Gruppe, die in Summe rund 800 Mitarbeiter beschäftigt, als Unternehmen erhalten bleiben kann. Dies gelte allerdings nur, wenn sich ein Investor finde, der den Betrieb ganz oder zumindest in seinen wesentlichen Teilen übernehmen will. Erste Interessenten hätten sich schon gemeldet, sagte Denkhaus. Bis zum Februar kommenden Jahres soll der Verkaufsprozess abgeschlossen werden.

          Unterdessen bemüht sich das Management nach Kräften, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu halten. Auch wenn die Ernte im laufenden Jahr schlechter ausfallen wird als 2015, werde der Mittelzufluss dabei helfen, den laufenden Betrieb zu finanzieren und die Ausgaben für die nächste Saat stemmen zu können, sagte Ockelmann.

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