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Mittelstandsanleihen : Große Sorgen um German Pellets

Produktion bei German Pellets Bild: Unternehmen

Der Brennstoffhersteller German Pellets möchte von den Gläubigern eine Verlängerung der Laufzeit seiner Anleihe und eine Zinssenkung. Die Anleihenkurse sind stark gefallen.

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          Am Markt für Mittelstandsanleihen sorgt der Hersteller von Holzpellets, German Pellets für Unruhe. Das Unternehmen hat am Dienstag nach einigen Tagen des Rätselratens die Gläubiger zu einer Versammlung eingeladen. Diese sollen dem Ansinnen des Unternehmens zustimmen, die Laufzeit der am 1. April fälligen Anleihe im Volumen von 52 Millionen Euro um zwei Jahre zu verlängern und gleichzeitig den Zinssatz für diesen Zeitraum von 7,25 auf 5,25 Prozent zu senken.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dafür soll die Anleihe durch 50 Prozent der Gesellschafteranteile an German Pellets besichert werden. Daher spricht der Brennstoffhersteller selbst auch von einer „Aufwertung“ der Anleihe, obwohl deren Rendite bei längerer Kapitalbindung von 7,25 auf 6,77 Prozent sinkt.

          Schon im Vorfeld der Ankündigung war der Kurs der Anleihe in den vergangenen zwei Wochen von ursprünglich 95 auf zuletzt 28 Prozent der Nominale gefallen. Auch die Kurse zweier weiterer Anleihen und der mit 8 Prozent verzinsten Genussscheine des Unternehmens fielen stark. Dies hatte zu Spekulationen über Probleme bei der Refinanzierung der Anleihe geführt.

          Ofenbauer-Insolvenz beschleunigt Abwärtstrend

          Beschleunigt wurde der Kursabsturz am Freitag durch den Insolvenzantrag des Ofenbauers Kago. Das Unternehmen aus dem bayerischen Postbauer-Heng hatte, wie bekannt wurde, schon seit November keine Gehälter mehr bezahlt. Laut Mitteilung von Insolvenzverwalter Volker Böhm ist die Lage außerordentlich schwierig. Der Geschäftsbetrieb ruht, ein Erhalt des Unternehmens ist fraglich.

          Alleingesellschafter von Kago ist Peter Leibold, der das Unternehmen 2010 aus der Insolvenz erworben hatte. Gemeinsam mit seiner Frau hält Leibold auch alle Anteile von German-Pellets. Zum 31. August standen laut Genussscheinprospekt von Germans Pellets 27,4 Millionen Euro an Darlehen an Kago aus. Schon damals wies das Unternehmen auf das Risiko hin, dass die Darlehen nicht zurückgezahlt werden könnten.

          German Pellets ist nach den ausgewiesen Zahlen seit der Emission der ersten Anleihe vor fünf Jahren stark gewachsen. Setzte das Unternehmen 2010 noch rund 160 Millionen Euro um, so waren es 593 Millionen Euro im Jahr 2014. Gleichzeitig aber sank die operative Marge von rund 15 auf zuletzt 8,5 Prozent.

          Die Verschuldungskennziffern konnte das Unternehmen dabei einigermaßen im Griff behalten, nicht zuletzt durch die Emission der zum Eigenkapital zählenden, mit 8 Prozent verzinsten Genussscheine. Dennoch hat German Pellets Anleiheschulden in Höhe von 252 Millionen Euro sowie Genussrechte von mehr als 50 Millionen Euro ausstehen.

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          Zu der negativen Einschätzung der Zahlungsfähigkeit trägt zudem der starke Rückgang des Ölpreises bei. Einige Beobachter mutmaßen, dass sich dies nachteilig auf die Nachfrage nach Pellets auswirkt. In ihrem jüngsten Rating-Bericht von Ende November hatte die Agentur Creditreform  konstatiert: „Der Markt für Holzpellets ist nicht zuletzt aufgrund seines bestehenden Preisvorteils gegenüber fossilen Brennstoffen als Wachstumsmarkt anzusehen.“ Seitdem ist der Ölpreis aber um ein weiteres Drittel gefallen.

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