https://www.faz.net/-gvt-8nmj4

Mittelstandsanleihen : 3W Power will von Gläubigern abermals Zugeständnisse

  • Aktualisiert am

Bei der AEG Power Solutions Bild: Jimmy Williams

Der Stromversorgungsspezialist 3W Power hat seine Gläubiger schon 2014 zur Kasse gebeten. Nun sollen diese abermals Zugeständnisse machen. Eine Tochtergesellschaft geht derweil ins Insolvenzverfahren.

          2 Min.

          Der Spezialist für Stromversorgungsanlagen, 3W Power hat am Dienstagmorgen vermeldet, für seine defizitäre Tochtergesellschaft AEG Power Solutions im Rahmen des Insolvenzrechts ein Schutzschirmverfahren zu beantragen. Diese ist eine der fünf Produktionsstätten der Gruppe. Gleichzeitig sollen die Gläubiger der beiden Anleihen des Unternehmens mit einem Gesamtvolumen von 64 Millionen Euro voraussichtlich noch in der ersten Dezemberhälfte zu einer Abstimmung ohne Versammlung eingeladen werden.

          Die Inhaber beider Anleihen sollen vor allem darüber abstimmen, die künftigen Zinszahlungen bis zum Ende der Laufzeiten zu stunden. Nach dem Willen des Unternehmens soll dieses zudem zusätzliche Flexibilität bei der Aufnahme neuer Finanzmittel erhalten, das heißt sich weiter verschulden dürfen. Damit allerdings nicht genug: Auch über „weitere Anpassungen“ soll abgestimmt werden, deren Details in Kürze veröffentlicht werden sollen.

          Im Rahmen des Schutzschirmverfahrens soll das deutsche Tochterunternehmen verschlankt, die Profitabilität gesteigert und die Bilanz restrukturiert werden. Das Verfahren soll innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen werden. Gleichzeitig tritt Großaktionär Dirk Wolfertz als Vorsitzender des Verwaltungsrats zurück und wird von Verwaltungsratsmitglied Klaus Schulze ersetzt. Wolfertz bleibt aber im Verwaltungsrat.

          3W Power gehörte zu den ersten Emittenten am Mittelstandsmarkt, der im November 2013 in die Krise schlitterte. Das Unternehmen war ursprünglich mit viel Prominenz gegründet worden: Zu den Anteilseignern der ersten Stunde gehörten neben dem Unternehmensberater Roland Berger und dem Ex-Investmentbanker Florian Lahnstein auch der frühere Karstadt- und Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Im Dezember 2010 begab 3W Power dann eine Mittelstandsanleihe im Volumen von 100 Millionen Euro. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hatte die Bonität damals mit der Note „B-„ als sehr schwach bewertet. Entsprechend hoch fiel mit 9,25 Prozent der Zinskupon aus.

          Die Restrukturierung sorgte damals für Aufsehen, nicht nur wegen eines ausgiebigen Hick-Hacks im Vorfeld, sondern auch weil eine Gläubigerliste veröffentlicht wurde, auf der sich die Namen einiger gemeinnütziger Stiftungen fanden. Dies schadete deren Ruf seinerzeit sehr.

          Im Mai 2014 akzeptierten die Gläubiger dann die Hälfte ihrer Anleihen gegen Aktien und die andere Hälfte gegen eine neue Anleihe mit einem Zinskupon von nur noch vier Prozent und halbem Nennwert einzutauschen. Damit verzichteten sie auf rund ein Viertel ihrer Forderungen.

          Nun stehen also weitere Einschnitte bevor. Eigentlich ist es das dritte Mal, dass 3W Power um Erleichterungen nachsucht. Im Oktober 2015 waren die Gläubiger schon einmal aufgefordert worden, einer Änderung der Anleihebedingungen zuzustimmen. Damals ging es allerdings nur um die Emission einer Wandelanleihe.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Der Umsatz von 3W Power ist seit 2011 in Folge der Restrukturierung und Verkleinerung von einst 428 Millionen Euro auf 170 Millionen Euro im Jahr 2015 drastisch gesunken. Dennoch ist das Unternehmen seit 2013 operativ nicht aus den roten Zahlen gekommen. Für 2017 erwartet 3W Umsätze von rund 160 Millionen Euro. Bis 2018 soll eine operative Marge von 10 Prozent erreicht werden.

          Zuvor benötigt das Unternehmen allerdings bis zu 15 Millionen Euro an Finanzierungsmitteln. Zum 30. Juni war das Eigenkapital des Unternehmens schon mehr als aufgezehrt, die Finanzverschuldung war seit dem Schuldenschnitt 2014 wieder um gut ein Drittel angestiegen.

          Der Kurs der Umtauschanleihe aus dem Jahr 2014 fiel am Dienstag deutlich auf nur noch 26 Prozent des Nominalwerts. Schon in der Vorwoche war er deutlich gefallen, nachdem das Unternehmen für die ersten neuen Monate stagnierende Umsätze und einen leicht rückläufigen Auftragseingang vermeldet hatte. Zudem hatte sich die bereinigte operative marge weider verschlechtert.

          Weitere Themen

          Zusatzrente vom Chef

          FAZ Plus Artikel: Betriebsrenten : Zusatzrente vom Chef

          Die Regierung macht Betriebsrenten attraktiver: Künftig werden weniger Krankenkassenbeiträge fällig. Vier Millionen Rentner dürfen sich freuen. Und was ist mit dem Rest?

          Topmeldungen

          Abwärtstrend der Union : Die verlorene Heimat

          Für viele in der Union war Schwarz-Grün mal eine moderne Idee. Jetzt wächst die Angst, dass die Grünen übermächtig werden – und sie selbst als Juniorpartner enden.
          Unser Sprinter-Autor: Oliver Georgi

          F.A.Z.-Sprinter : Wer kann SPD-Vorsitz?

          Während es bei der SPD zum nächsten Duell um den Vorsitz kommt, läuft es bei den Grünen prächtig. Es steht sogar die Frage nach der Kanzlerkandidatur im Raum. Was sonst noch wichtig wird, der F.A.Z.-Sprinter.
          Ein gepanzerter Polizeiwagen versucht in der Nacht eine Barrikade zu durchbrechen und wird von den Protestlern an der Polytechnischen Universität in Brand gesteckt.

          Krise in Hongkong : Unter Belagerung

          Hunderte Hongkonger Aktivisten harren auf dem Campus der Polytechnischen Universität aus. Die Polizei hat das Gelände umstellt – und droht mit dem Einsatz scharfer Munition.

          DFB-Team vor EM 2020 : Der Zauber lässt sich nicht zurückholen

          Vor der EM 2020 sollen bei der DFB-Elf die Kräfte von 2010 reanimiert werden. Die Analogie liegt auf der Hand. Wie damals wurde die Auswahl verjüngt, Hierarchien wurden aufgebrochen. Doch so leicht ist das nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.