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Mittelstandsanleihen : Vorsichtige Bonitätsnoten von Scope

  • Aktualisiert am

Air Berlin: Viel Anleihen aufgelegt, doch die Finanzlage ist nicht gut Bild: REUTERS

Die Rating-Agentur Scope legt erstmals unbeauftragte Bonitätsnoten für Mittelstandsanleihen vor. Sie betrachtet die Anlageklasse mit Vorsicht.

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          Die von mittelständischen Unternehmen in jüngster Zeit begebenen Anleihen stoßen wegen ihrer hohen Zinsen auch bei institutionellen Investoren auf großes Interesse. Doch die Unsicherheit über die Bonität der Emittenten ist groß, fehlten doch bislang unabhängige Beurteilungen.

          Die Rating-Agentur Scope Credit Rating legt nun an diesem Dienstag als erste Agentur unbeauftragte Bonitätsurteile für diese Emittenten vor. „Die Aufgabe einer Rating-Agentur ist es, für Transparenz an einem Markt zu sorgen“, sagt Chefanalyst und Geschäftsführer Thomas Morgenstern. „Diese wollen wir mit unserem Vorstoß schaffen.“ Dass es daran hapert, musste auch Scope erfahren. Denn auch Scope kann derzeit nur für rund ein Drittel der Emittenten Ratings abgeben, da es für die anderen keine aktuellen Geschäftszahlen gibt.

          Teilweise deutlich schwächere Noten

          Scope ist zum Teil zu deutlich anderen Urteilen gelangt als andere Agenturen, die im Zuge der Emissionen mit Bonitätsurteilen beauftragt worden waren. So etwa bewertet Scope den Textilkonzern Seidensticker nur mit der Note „B“, mithin im mittleren Bereich dessen, was als spekulatives Investment gilt. Dagegen hatte Creditreform das Unternehmen im vergangenen Oktober mit „BB+“ vier Noten besser bewertet.

          Allerdings sind die Ratings in allen Fällen nur bedingt vergleichbar. „Unsere Ratings sind Finanzstärkeratings, die auf Basis von Zahlen erstellt werden“, sagt Morgenstern. In die bisher vorliegenden Ratings waren dagegen auch qualitative Kriterien eingeflossen, wie die Bewertung von Controlling-Systemen oder der Management-Kompetenz.

          Doch Morgenstern glaubt nicht, dass die Berücksichtigung qualitativer Kriterien, wie sie auch Scope bei Erstellung eines beauftragten Gesamt-Ratings verwenden würde, zu großen Veränderungen der Gesamtnote führen würden. „Die Beurteilung der Finanzstärke macht bis zu 70 Prozent der Gesamtnote aus. Und ein gutes Controlling oder Personalmanagement kann eine schlechte Ertragskraft nicht einfach ausgleichen.“ Für Investoren seien Liquiditätslage, Rentabilität und Eigenkapitalstärke von hoher Bedeutung. Zeige ein Unternehmen hier Schwächen, ergäben sich Risiken, die nicht überhand nehmen dürften. Seit 2009 seien aber beispielsweise die Eigenkapitalquoten im Durchschnitt gesunken.

          Veröffentlichte Informationen oft wenig befriedigend

          Auch die Qualität der veröffentlichten Informationen habe zu wünschen übrig gelassen. „Meist gaben diese Berichte nur wenig mehr Information über das hinaus, was schon bekannt war. Dass reicht im professionellen Bereich nicht aus.“ Oft seien die Transparenzmängel auch durch mangelnde Qualität der von den Emittenten zur Verfügung gestellten Informationen begründet. „Viele erstellen ihre Bilanzen in traditioneller Manier unter steuerlichen Gesichtspunkten und verweisen dann darauf, dass ihre Lage besser sei als es die Zahlen wiedergäben. Für den Kapitalmarkt reicht das aber nicht aus.“ Dort interessiere man sich für die tatsächliche wirtschaftliche Lage des Unternehmens und da zählten eben nur die vorliegenden Fakten.

          Eine konservativere Bewertung der Bonität durch Scope möge für die Emittenten nicht so angenehm sein, aber für die Investoren von Vorteil, wenn sie den Noten eher vertrauen könnten. Es dürfe keine zwei Bewertungs-Universen für Mittelstands- und andere Unternehmensanleihen geben. Schwache Noten seien gerade für ein mittelständisches Unternehmen auch nichts Schlimmes. Auch den institutionellen Investoren mache das nichts aus, dafür erhielten sie ja die höheren Renditen. Doch verlangten sie Klarheit. „Wir wollen mit unseren Ratings einen Beitrag leisten, dass Risiken nicht nur am Rand erwähnt, sondern vernünftig adressiert werden.“

          Mittelstandsanleihen - Ratings im Vergleich
          Emittent Rendite Scope Creditreform Andere Isin
          Sic Processing 13,52% BBB- BBB- - DE000A1H3HQ1
          Bastei Lübbe 4,50% BB+ BBB - DE000A1K0169
          MT Energie 8,40% BB+ BBB- - DE000A1MLRM7
          Golfino 6,75% BB BBB- - DE000A1MA91E
          Dürr 3,91% BB - - DE000A1EWGX1
          Singulus 9,28% BB - - DE000A1MASJ4
          Nabaltec 5,23% BB (BBB- [1]) - DE000A1EWL99
          Albert Reiff 5,33% BB- BBB - DE000A1H3F20
          Ekosem-Agrar 8,54% BB- BB+ - DE000A1MLSJ1
          Uniwheels 9,54% B+ BB- - DE000A1KQ367
          Bea 6,17% B+ BB- [5] - DE000A1H3GE9
          3W Power 11,87% B+ - B- [2] DE000A1A29T7
          Zamek 7,38% B BB - DE000A1K0YD5
          Seidensticker 5,64% B BB+ - DE000A1K0SE5
          Centrosolar 44,59% B (BBB [3]) - DE000A1E85T1
          SAG Solarstrom 21,20% B- (BBB+ [4]) - DE000A1E84A4
          17,68% DE000A1K0K53
          Air Berlin 13,04% CCC- - - DE000AB100C2
          13,82% DE000AB100A6
          13,80% DE000AB100B4
          Quelle: Scope, Creditreform; [1] Abgelaufenes Rating, gültig bis 15.9.11; [2] Standard & Poor's; [3] Abgelaufenes Rating, gültig bis 12.1.12; [4] Abgelaufenes Rating, gültig bis 1.11.11; [4] Abgelaufenes Rating, gültig bis 3.2.12

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