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Mittelstandsanleihen : Ekosem-Agrar bietet Chancen für Risikofreudige

Fast 20.000 Milchkühe nennt Ekosem-Agrar sein eigen Bild: Ekosem-Agrar

Fast 9 Prozent Rendite biete noch immer die jüngst begebene Anleihe der in Russland Milch und Rindfleisch produzierenden Ekosem-Agrar. Das Chancen-Risiko-Verhältnis erscheint vergleichsweise attraktiv.

          Die Kurse zahlreicher Mittelstandsanleihen stehen unter Druck. Das betrifft allerdings vor allem die zahlreich vertretenen Emittenten aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien, vornehmlich der Photovoltaik. Das täuscht über die stabile Entwicklung der Anleihenkurse etwa von Emittenten aus der Automobilbranche hinweg, von denen zumindest im weiten Sinne immerhin acht den Weg an die Mittelstandsbörsen gefunden haben.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Stabil haben sich auch die Anleihen der KTG Agrar entwickelt, die zu den ersten Emittenten des Segments gehörte. Die 2010 begebene, mit 6,75 Prozent verzinste Anleihe rentiert mit 5,04 Prozent vergleichsweise niedrig. Eine Anleihe des französischen Mischkonzerns Wendel, der 2011 immerhin knapp 6 Milliarden Euro umsetzte und dessen Bonität von Standard & Poor’s mit „BB“ bewertet wird, rentiert mit 5,3 Prozent deutlich höher.

          Agrar-Hype hilft Ekosem-Emission

          Einen guten Start hatte auch der zweite Agrarkonzern an den Mittelstandsbörsen, die Ekosem-Agrar. Die Walldorfer Holding begab vor einigen Wochen eine Anleihe im Volumen von 50 Millionen Euro mit fünfjähriger Laufzeit und einem Kupon von 8,75 Prozent. Die Anleihe wurde binnen einer Woche vollständig plaziert, was an den Mittelstandsbörsen keineswegs selbstverständlich ist und rentiert derzeit mit 8,78 Prozent.

          Das mag nicht zuletzt dem Agrar-Hype geschuldet sein, von dem auch Ekosem-Geschäftsführer und –Hauptgesellschafter, Stefan Dürr, in einem Interview spricht. Investitionen in der Landwirtschaft gelten als wertbeständig, wohl weil das Geschäft greifbar und verständlich ist, weil es sich um ein Grundbedürfnis handelt und nicht zuletzt, weil die Ernährungslage in den Schwellenländern sich weiter verbessert und die Nahrungsmittelnachfrage dort steigt.

          Glücksfall Russland

          Ekosem ist in nur einem Schwellenland aktiv. Nach eigenem bekunden ist das Unternehmen über diverse Tochterfirmen der drittgrößte Milchproduzent Russlands. 54 Prozent des Umsatzes von knapp 36 Millionen Euro in dem zum 30. September zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2010/2011 stammten aus dem Milchverkauf. Weiter 10 Prozent brachte der Verkauf von Qualitätsrindfleisch, der derzeit aufgebaut wird, der Rest aus dem Verkauf von Saatgut. Ekosem ist insofern ein integrierter Agrarkonzern, dessen Kerngeschäft Rinder und die zugehörigen Produkte sind.

          Russland ist für das Unternehmen insofern ein Glücksfall, als der einheimische Milchmarkt von einem Nachfrageüberhang gekennzeichnet ist. Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, FAO, führte das Land 2011 3 Millionen Tonnen Milchäquivalent ein und ist damit nach China und Algerien der drittgrößte Milchimporteur der Welt. Das stützt die Preise und macht Russland zu einem Wachstumsmarkt.

          Auch Rindfleisch ist ein dankbares Segment: Nach Darstellung der Rating-Agentur Creditreform, die das Unternehmen mit der Note „BB+“ bewertet, besteht auch hier ein Nachfrageüberhang. Zudem sei russisches Rindfleisch oft von minderer Qualität, weil es zum Großteil von geschlachteten Altkühen stamme und die Hausschlachtung dominiere. Ekosem will bis 2015 die landwirtschaftliche Nutzfläche um rund 50 Prozent steigern und den Milchkuhbestand auf rund 21.000 Tiere verdoppeln.

          Billiger Staat, teure Banken

          Das Wachstum hat das Unternehmen bisher mittels staatlicher Zinszuschüsse für den Kauf von Jungtieren und den Bau von Stallanlagen finanziert. Zum Kauf von Ackerland und zur Finanzierung des laufenden Geschäftsbetriebs griff Ekosem auf Kredite russischer Banken zurück.

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